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Hieronymus († 420) - Briefe
V. Briefe kirchenrechtlichen und pastoralen Inhaltes
69. An Oceanus

4.

Ein jeder durchforsche einmal sein Gewissen und bereue die Fehltritte seines vergangenen Lebens! Hat er alle seine früheren Sünden verurteilt, dann denke er an das Drohwort Christi: „Du Scheinheiliger, ziehe zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge! Dann erst siehe zu, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders entfernst!“ 1 Wahrlich, wir gleichen den Schriftgelehrten und Pharisäern, welche Mücken seihen und Kamele verschlucken. Wir verzehnten Minze und Dill, aber über Gottes Gesetz setzen wir uns hinweg. 2 Was für ein Unterschied besteht dann noch zwischen einer Gattin und einer Buhldirne? Hast Du das Unglück gehabt, Deine Gattin durch den Tod zu verlieren, dann hast Du eine Schuld auf Dich geladen. Hast Du aber Deiner Lust mit einer Dirne Genüge getan, dann wirst Du dafür noch belohnt. Hätte der eine seine erste Frau nicht verloren, würde er nie daran gedacht haben, eine [S. 359] zweite zu nehmen. Was aber kannst Du, der Du nach Art der Hunde allenthalben Hochzeit hieltest, zu Deiner Entschuldigung vorbringen? Wirst Du etwa gar sagen, Du hättest später nicht zum Kleriker geweiht werden können, falls Du Dich durch eine rechtmäßige Ehe gebunden hättest? Der eine wollte von seiner Gattin Kinder haben, Du aber lenkst Deine Schritte zur Buhlerin, um dem Kindersegen aus dem Wege zu gehen. Ihn, der der Natur und dem Segensworte des Herrn: „Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde!“ 3 nachkommen wollte, verbarg das stille Schlafgemach. Wenn Du aber nach Beischlaf giertest, nahmst Du keine Rücksicht auf den Tadel der öffentlichen Meinung. Was erlaubt ist, hat er in züchtiger Scham im Verborgenen getan. Du aber hast in Deiner Frechheit Dich nicht gescheut, das, was verboten ist, vor aller Augen auszuführen. Für ihn gilt das Schriftwort: „Ehrenhaft sei die Ehe und unbefleckt das Ehebett.“ 4 Für Dich aber schreibt die Schrift: „Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott vernichten. 5 Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zugrunde richten.“ 6 Alle unsere Vergehen wurden in der Taufe nachgelassen. Nachdem des Richters Milde gewaltet hat, brauchen wir seine Strenge nicht mehr zu fürchten; denn der Apostel sagt: „Das seid ihr zwar gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Geiste unseres Gottes.“ 7 Also nochmals: Es besteht kein Zweifel, daß die Sünden voll und ganz nachgelassen wurden. Nun kommt meine Schwierigkeit. Wie ist es möglich, daß Deine Unreinheit abgewaschen wurde, während das, was an mir rein war, (durch die Taufe) unrein wurde? Dem hältst Du entgegen! „Ich behaupte nicht, daß es unrein wurde, sondern daß es in demselben Zustande blieb, in dem es vorher war. Denn wenn es Unreinigkeit [S. 360] gewesen wäre, so wäre es bestimmt genau so abgewaschen worden wie bei mir.“ Was sind denn das für Ausflüchte, was ist das für eine Spitzfindigkeit, die ja stumpfer ist als eine Mörserkeule? Du sagst: „Weil es keine Sünde ist, deshalb ist es eine Sünde; weil es nicht unrein ist, deshalb ist es unrein. Der Herr hat deshalb nicht verziehen, weil es nichts gab, was er verzeihen konnte. Weil er aber nicht verziehen hat, deshalb bleibt (die Sünde), die nicht vorhanden war.“

1: Matth. 7, 5.
2: Ebd. 23, 24. 23.
3: Gen. 1, 28.
4: Hebr. 13, 4.
5: Ebd.
6: 1 Kor. 3, 17.
7: Ebd. 6, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger