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Hieronymus († 420) - Briefe
V. Briefe kirchenrechtlichen und pastoralen Inhaltes
55. An den Priester Amandus

5.

Im übrigen verstehe ich nicht recht, was sie damit meint, wenn sie sagt, sie sei unter Anwendung von Gewalt einem anderen Manne angetraut worden. Was soll das heißen, durch Gewalt sei sie zu dem zweiten Manne [S. 349] gekommen? Offensichtlich hat er sie, die sich sträubte, aus der versammelten Menge heraus entführt. 1 Aber warum hat denn die Geraubte nachher den Räuber nicht verlassen? Sie lese einmal die Bücher Moses nach. Dort wird sie finden, daß die einem Manne verlobte Jungfrau wie eine Ehebrecherin bestraft wurde, wenn man ihr in der Stadt Gewalt antat, ohne daß sie schrie. Geschah die Tat aber auf dem Felde, dann war sie frei von Schuld. 2 Diese Schwester also, die nach ihrer Aussage unter Anwendung von Gewalt einem anderen verbunden wurde, soll, falls sie Christi Leib empfangen und nicht als Ehebrecherin gelten will, Kirchenbuße tun. Es hätte dies in der Weise zu geschehen, daß sie jeden geschlechtlichen Verkehr mit dem zweiten Manne, der kein Gatte, sondern ein Ehebrecher ist, vom Beginn der Kirchenbuße an einstellt. Dünkt sie dies zu hart, kann sie ihn nicht verlassen, glaubt sie eher auf den Herrn als auf den sündhaften Genuß verzichten zu müssen, dann überhöre sie nicht den Mahnruf des Apostels: „Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnt nicht Anteil haben am Tische des Herrn und am Tische der Dämonen. 3 Was haben Licht und Finsternis miteinander zu tun? Was für eine Verbindung besteht zwischen Christus und Belial?“ 4 Ja ich gehe noch weiter und stelle eine neue Behauptung auf, die, genau besehen, doch nicht neu ist; denn sie stützt sich auf die Autorität des Alten Testamentes. Wenn sie nämlich ihren zweiten Mann verläßt und mit dem ersten sich wieder aussöhnen will, so geht dies nicht. Im Deuteronomium steht nämlich geschrieben: „Hat ein Mann eine Frau geheiratet und wohnt mit ihr zusammen, dann schreibe er ihr, falls sie wegen irgendeiner Häßlichkeit keine Gnade vor ihm findet, einen Scheidebrief, händige ihn ihr aus und entlasse sie aus seinem Hause! Heiratet sie dann einen zweiten Mann, der ihr auch gram wird, ihr den Scheidebrief ausstellt [S. 350] und sie aus seinem Hause entläßt, oder stirbt der zweite Mann, dann kann der erste Mann sie nicht wieder zur Frau nehmen; denn sie ist befleckt und unrein vor dem Herrn. Mache also dein Land nicht sündigen, das der Herr, dein Gott, dir zum Besitz übergeben hat!“ 5 Daher bitte und beschwöre ich Dich, tröste die unglückliche Frau und führe sie zurück auf den Weg des Heiles! Faules Fleisch ist mit Eisen und Feuer zu behandeln. Wenn der Arzt mit gütiger Grausamkeit schonungslos vorgehen muß, um zu schonen, wenn er sozusagen wüten muß, um zu helfen, dann ist nicht die Heilkunde dafür verantwortlich zu machen, sondern die Wunde.

1: Ironisch.
2: Deut. 22, 23 ff.
3: 1 Kor. 10, 20 f.
4: 2 Kor. 6, 14 f.
5: Deut. 24, 1 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger