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Hieronymus († 420) - Briefe
IV.b. Briefe wissenschaftlichen Inhaltes: Exegetische Briefe
129. An Dardanus: Das Land der Verheißung

7.

Ihr Juden habt viele Verbrechen begangen. Allen umliegenden Völkern waret ihr dienstbar. Weshalb? Offenbar wegen eures Hanges zum Götzendienst. Als ihr wiederholt zu Sklaven wurdet, da erbarmte Gott sich eurer, schickte euch Richter und Retter, die euch aus der Knechtschaft der Moabiter und Ammoniter, der Philister und anderer Völker befreiten. Ihr habt euch [S. 344] erneut gegen Gott aufgelehnt in den Tagen der Könige, und euer ganzes Gebiet wurde von den Babyloniern verwüstet und zerstört. Siebzig Jahre lang hielt die Verödung an. Cyrus, der Perserkönig, hat euch aus der Gefangenschaft entlassen, wie Esdras und Nehemias ausführlich berichten. Der Tempel wurde neu aufgebaut unter Darius, dem Könige der Perser und Meder, von Zorobabel, dem Sohne des Salathiel, als Jesus, des Josedek Sohn, Hoherpriester war. Was ihr von den Medern, Ägyptern und Mazedoniern erdulden mußtet, will ich nicht aufzählen. Ich will euch auch nicht an Antiochus Epiphanes, den grausamsten aller Tyrannen, erinnern. Auch Gnäus Pompejus, Gabinius, Scaurus, Varus, Cassius und Sosius will ich übergehen, die euren Städten, vor allem Jerusalem, Schmach antaten. 1 Zuletzt wurde die Stadt unter Vespasian und Titus erobert, der Tempel aber fiel der Zerstörung anheim. Dann blieb ein Rest von Einwohnern fünfzig Jahre lang bis auf Kaiser Hadrian in der Stadt. 2 Nach der Zerstörung des Tempels liegen die Trümmer des Tempels [S. 345] und der Stadt kaum weniger als 400 Jahre unberührt da. Wegen welches Vergehens? Gewiß betet ihr keine Götzenbilder mehr an. Auch als ihr den Persern und Römern dientet und das Joch der Knechtschaft euch drückte, habt ihr euch keineswegs fremden Göttern zugewandt. Warum sieht sich der allzeit gütige Gott, der euch nie vergessen hat, nach so langer Zeit der Not nicht veranlaßt, eure Knechtschaft zu beenden oder, um mich richtiger auszudrücken, den von euch erwarteten Antichristus zu senden? Welches Verbrechens, welch fluchwürdigen Vergehens wegen hat Gott seine Augen von euch abgewandt? Wißt ihr es nicht? Denkt an das Wort eurer Väter: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! 3 Kommt, laßt uns ihn töten, und unser wird das Erbe sein! 4 Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ 5 Nun habt ihr, was ihr gewählt habt. Bis zum Ende der Welt werdet ihr dem Kaiser dienen, bis die Fülle der Heiden sich bekehrt. Dann kann auch ganz Israel gerettet werden; 6 aber was einstens Kopf war, wird jetzt zum Schweife werden.

1: Cn. Pompejus eroberte 63 v. Chr. Jerusalem, nahm den Juden ihre Selbständigkeit und drang sogar in das Allerheiligste ein (Flav. Jos., Ant. Jud. XIV 4). Gabinius, der sich schon unter Pompejus wegen seiner Erpressungen unbeliebt gemacht hatte, besiegte 57 v. Chr. die Juden unter Alexander und führte eine aristokratische Regierungsform ein (a. a. O. XIV 3, 2; 6, 3 f.). M. Aem. Scaurus, Quästor unter Pompejus, war durch Bestechlichkeit und Erpressung berüchtigt (a. a. O. XIV 2, 3; 3, 2), ebenso Quintilius Varus, der 6 v. Chr. Prokonsul von Syrien wurde. Über dessen Kriege gegen die Juden vgl. Flav. Jos., Ant. Jud. XVII 10, 9 f. Cajus Cassius Longinus, Quästor unter Crassus, machte einen Teil von Palästina zum Kriegsschauplatz gegen die Parther und legte den Juden schwere Abgaben auf (a. a. O. XIV 7, 3; 11, 2). C. Sosius eroberte zusammen mit Herodes 37 v. Chr. die Stadt Jerusalem und ließ den letzten Makkabäer Antigonus hinrichten (a. a. O. XIV 16).
2: Kaiser Aelius Hadrian ließ nach dem Zusammenbruch des von Bar Cochba erregten Aufstandes (135 n. Chr.) Jerusalem als Aelia Capitolina wieder aufbauen, verbot aber den Juden den Aufenthalt in der neuen Stadt.
3: Matth. 27, 25.
4: Mark. 12, 7.
5: Joh. 19, 15.
6: Röm. 11, 25 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger