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Hieronymus († 420) - Briefe
IV.b. Briefe wissenschaftlichen Inhaltes: Exegetische Briefe
21. An Damasus

40.

Wollen wir verstehen, daß der Neid auch zu den Gerechten Zutritt finden kann, und daß Gott allein das reine Mitleid zukommt, dann brauchen wir nur an den Vorfall mit den Söhnen des Zebedäus zu erinnern. Als deren Mutter in einer Anwandlung mütterlicher Liebe allzu Großes für sie forderte, erregte dies die Eifersucht der zehn übrigen Jünger. Da rief sie Jesus um sich und sprach: „Ihr wißt, daß die Fürsten der Heiden über sie sind, und daß die Höherstehenden Gewalt über sie haben. So soll es unter euch nicht sein. Wer unter euch der Größere sein will, der werde euer Diener; wer unter euch der erste sein will, der werde euer Knecht! Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben zur Erlösung für viele.“ 1 Niemand dürfte Anstoß nehmen, keinem dürfte es blasphemisch scheinen, wenn wir behaupten, daß auch die Apostel dem Übel des Neides zugänglich sein konnten; nehmen wir dies ja selbst von den Engeln an. So lesen wir: „Die Sterne sind nicht rein vor seinem Angesichte, und selbst an seinen Engeln hat er Bosheit gefunden.“ 2 In den Psalmen lesen wir: „Nichts, was Leben hat, wird vor Dir als gerecht befunden.“ 3 Es heißt also nicht etwa: „Kein Mensch wird gerecht befunden“, sondern „Nichts, was Leben hat“. Damit bleibe ich also nicht bei den Evangelisten, den Aposteln und Propheten stehen, sondern ich steige höher hinauf und habe auch die Engel, die Thronen, die Herrschaften, die Mächte und die übrigen Kräfte im Auge, Gott allein ist es, der nicht der Sünde verfällt. 4 Alle übrigen Wesen können, soweit ihnen freie Entscheidung zukommt, wie es beim Menschen der Fall ist, der nach dem Bildnisse und Gleichnisse Gottes [S. 329] geschaffen wurde, 5 ihren Willen nach beiden Seiten hin ausschlagen lassen. Falls Dich diese Ausführungen nicht überzeugen, so lasse dich wenigstens durch die Autorität des Gleichnisses belehren, nach welchem während des ganzen Tages Arbeiter in den Weinberg geschickt werden! In der ersten Stunde werden Adam, Abel und Seth berufen, in der dritten Noe, in der sechsten Abraham, in der neunten Moses. In elfter Stunde ergeht der Ruf an das Volk der Heiden, dem die Worte gelten: „Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig?“ Und es antwortete: „Niemand hat uns gedungen.“ 6 Die letzte Tagesstunde aber ist die Ankunft unseres Erlösers. Dies bezeugt der Apostel Johannes, der spricht: „Brüder, die letzte Stunde ist da. Ihr habt gehört, daß der Antichrist kommt. Jetzt sind viele Antichristi auferstanden. Daran erkennen wir, daß die letzte Stunde da ist.“ 7 Sollte Dir diese Deutung nicht zusagen, so folge ich Dir, wohin immer Du mich führst, unter der Voraussetzung freilich, daß Du mir zugibst, daß die zuerst Berufenen Gerechte waren. Sind wir so weit, dann frage ich: „Wie erklärt es sich, daß die Gerechten gegen den Hausvater murrten und sprachen: Du hast die, welche zuletzt kamen und nur eine Stunde arbeiteten, uns gleichgehalten, die wir die Last und Hitze des Tages ertragen haben?“ 8 Das Recht scheint auf ihrer Seite zu stehen, wenn sie behaupten, der Lohn dürfe nicht derselbe sein für diejenigen, welche sich von der ersten Stunde bis zur Nacht abrackerten, und für die, welche nur eine Stunde arbeiteten. Aber wie man sieht, hat selbst die Gerechtigkeit einen Makel an sich, weil sie dem Glück des anderen neidisch ist. Darum klagt ja auch der Herr ihr neidisches Auge an und fragt: „Ist dein Auge etwa böse, weil ich gut bin?“ 9 Wenn deshalb der Apostel von Gott behauptet, er sei allein gerecht, allein unsterblich, 10 so soll dies nicht heißen, [S. 330] daß die Engel ungerecht und sterblich sind. Der Sinn ist vielmehr der, daß Gott allein absolut unsterblich und gerecht ist. Mit ihm verglichen, wird jede geschöpfliche Gerechtigkeit als Ungerechtigkeit befunden.

1: Matth. 20, 20 ff.
2: Job 15, 15; 4, 18.
3: Ps. 142, 2.
4: 1 Joh. 3, 5.
5: Gen. 1, 26.
6: Matth. 20, 6 f.
7: 1 Joh. 2, 18.
8: Matth. 20, 11 f.
9: Ebd. 20, 15.
10: 2 Kor. 9, 9; 1 Tim. 6, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger