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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XXXIX. 1. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

5.

Im Vertrauen auf diese Waffen laßt uns, Geliebteste, unverdrossen und unverzagt den uns bevorstehenden Kampf beginnen! In diesem dem Fasten geltenden Wettstreite wollen wir uns nicht damit begnügen, einzig und allein in der Enthaltung von Speisen unser Ziel zu erblicken! Genügt es doch nicht, wenn wir nur das Fleisch kasteien, der Seele aber keine neuen Kräfte zuführen. Das wenige, das wir dem "äußeren Menschen" entziehen, komme dem "inneren" zugute! Und wenn wir dem Leibe seine natürliche Sättigung versagen, so stärke sich dafür unser Geist durch überirdische Genüsse! Jeder Christ gehe mit sich zu Rate und durchforsche ernstlich das Innere seines Herzens! Er sehe darauf, daß sich hier keinerlei Zwietracht eingenistet und keinerlei Leidenschaft festgesetzt habe! Die Keuschheit verbanne aus ihrer Nähe die Unenthaltsamkeit, und die im Dunklen schleichende Verstellung weiche dem Lichte der Wahrheit! Der Hochmütige mäßige seine Anmaßung, und der Jähzornige höre wieder auf die Stimme der Vernunft! Zerbrechen wollen wir die Geschosse, mit denen wir anderen schadeten, und unsere verleumderische Zunge im Zaume halten! Aufhören soll alle Rache und jede Beleidigung vergessen sein! Kurz, "jede Pflanzung, die nicht der himmlische Vater gepflanzt hat, soll mit der Wurzel ausgerottet werden!"1 . Findet doch dann der Keim der Tugend in uns richtige Nahrung, wenn der Boden unseres Herzens von allem weltlichen Unkraut gesäubert wird. Wenn also einer gegen irgend jemand so von Rachsucht erfüllt ist, daß er ihn ins Gefängnis warf oder in Fesseln legte, so möge er schleunigst seine Befreiung herbeiführen, nicht nur, wenn er unschuldig ist, sondern selbst dann, wenn er die Strafe verdient zu haben scheint! Treu beobachte er so die Vorschrift im Gebete des Herrn: "Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!"2 . Unter allen Bitten legt uns der Herr diese in so besonderer Weise ans Herz, gleich als ob die Erhörung des ganzen Gebetes von der Erfüllung dieser Bedingung abhängig wäre. So sagt er: "Wenn ihr den Menschen ihre Sünden vergebt, so wird auch euch euer Vater vergeben, der im Himmel ist, Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird auch euch der Vater euere Sünden nicht vergeben"3 .

1: Mt 15,13;vgl.Joh 15,2
2: Mt 6,12
3: ebd 14 f. vgl. ebd 18,35; Mk 11,25; Ekkli 28,3

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger