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Hieronymus († 420) - Briefe
IV.a. Briefe wissenschaftlichen Inhaltes: Didaktische Briefe
57. An Pammachius: Über die beste Art zu übersetzen

8.

Doch ich muß zu anderen Beispielen übergehen, da ein kurzer Brief mir verbietet, allzulange bei den einzelnen Fällen mich aufzuhalten. Der wiederholt erwähnte Evangelist Matthäus schreibt: „Dies alles ist geschehen, damit sich das Wort des Herrn, das er durch seinen Propheten gesprochen, erfülle: Siehe die Jungfrau wird in ihrem Schoße tragen und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen.“ 1 Die Übersetzung der Siebenzig lautet: „Siehe, die Jungfrau wird in ihrem Schoße empfangen und einen Sohn gebären, und ihr werdet seinen Namen Emmanuel nennen.“ 2 Stößt man sich an der Änderung des Wortlautes, dann besteht zweifelsohne ein Unterschied zwischen „sie wird tragen“ und „sie wird empfangen“, zwischen „sie werden nennen“ und „ihr werdet nennen“. Übrigens lautet der hebräische Text: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und [S. 278] seinen Namen wird sie nennen Emmanuel.“ 3 Nicht Achaz, der des Unglaubens beschuldigt wird, nicht die Juden, die den Herrn verleugnen werden, sondern sie, die empfangen wird, die Jungfrau selbst, die ihn gebären wird, soll ihm den Namen geben. Wiederum bei Matthäus vernehmen wir, daß Herodes, bestürzt über die Ankunft der Weisen, die Schriftgelehrten und Priester zusammenrief und sie ausfragte, wo Christus geboren werden sollte. Sie gaben ihm zur Antwort: „Zu Bethlehem im Stamme Juda; denn so steht geschrieben beim Propheten: Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die kleinste unter den Fürstenstädten Judas; denn aus dir wird der Fürst hervorgehen, der mein Volk Israel regieren soll.“ 4 Dieses Zeugnis hat in der Vulgata folgenden Wortlaut: „Und du, Bethlehem, Haus Ephrata, bist zu klein, um etwas zu gelten unter den Tausenden Judas; aber aus dir wird er hervorgehen, damit er Herrscher sei in Israel.“ 5 Wie weit Matthäus und die Septuaginta in den Worten und deren Anordnung voneinander abweichen, wird einem um so eher zum Bewußtsein kommen, wenn man daneben das Hebräische liest, wo es heißt: „Und du, Bethlehem Ephrata, bist zwar klein unter den Tausenden Judas. Aber aus dir wird hervorgehen, der Herrscher sein soll in Israel.“ 6 Betrachten wir Schritt um Schritt, was der Apostel geschrieben hat. „Und du, Bethlehem, Land Juda.“ 7 Statt „Land Juda“ steht im Hebräischen „Ephrata“, in der Septuaginta „Haus Ephrata“. „Du bist keineswegs die geringste unter den Fürstenstädten Judas.“ 8 Die Septuaginta liest: „Du bist zu klein, um etwas zu gelten unter den Tausenden Judas“, während das Hebräische lautet: „Du bist gering unter den Tausenden Judas.“ Der Sinn ist ein anderer. Allerdings stimmen an dieser Stelle die Septuaginta und das Hebräische miteinander überein. Der Evangelist sagt nämlich, [S. 279] daß Bethlehem nicht klein ist unter Judas Fürstenstädten, während die Gegenseite behauptet: „Klein zwar bist du und gering, aber trotzdem wird aus dem kleinen und geringen Städtchen Israels Führer hervorgehen nach dem Worte des Apostels: „Was der Welt als schwach gilt, das erwählte Gott, um das Starke zuschanden zu machen.“ 9 Was dann noch die Worte betrifft: „der mein Volk Israel regieren bzw. weiden soll“, 10 so stimmen sie offensichtlich mit dem Propheten nicht überein.

1: Matth. 1, 22 f.
2: Is. 7, 14 (LXX).
3: Is. 7, 14 (Hebr.).
4: Matth. 2, 3 ff.
5: Mich. 5, 2 (LXX; It.).
6: Ebd. (Hebr.).
7: Matth. 2, 6.
8: Ebd.
9: 1 Kor. 1, 27.
10: Matth. 2, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger