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Hieronymus († 420) - Briefe
IV.a. Briefe wissenschaftlichen Inhaltes: Didaktische Briefe
53. An den Priester Paulinus

4.

Halten wir Petrus für ungebildet, dann gilt dies auch von Johannes, die beide von sich sagen konnten: „Bin ich auch unbeholfen im Reden, so doch nicht im Wissen.“ 1 War Johannes wirklich ungebildet, nur der Fischer, der Ungelehrte? Wie kommt er dann zu den erhabenen Worten: „Im Anfange war das Wort, und das [S. 248] Wort war bei Gott, und Gott war das Wort?“ 2 Das griechische λόγος hat gar mancherlei Bedeutungen. Man versteht darunter das gesprochene Wort, die Vernunft, die Überlegung und die Ursache aller Dinge, welcher die Einzelwesen ihr Sein verdanken. Alle diese Bedeutungen verstehen wir richtig. 3 Davon hatten aber der gelehrte Platon und der beredte Demosthenes keine Ahnung. An ihnen erfüllte sich das Schriftwort: „Ich werde die Weisheit der Weisen zunichte machen und der Klugen Klugheit verwerfen.“ 4 Die wahre Weisheit richtet die falsche zugrunde. Mag auch die Predigt des Kreuzes eine Torheit scheinen, 5 so spricht Paulus doch die Weisheit vor den Vollkommenen, freilich nicht die Weisheit dieser Welt und der Fürsten auf Erden, die vergänglich sind. Vielmehr verkündet er die geheimnisvolle Gottesweisheit, die verborgen ist, die der Herr seit ewigen Zeiten vorausbestimmt hat. 6 Gottes Weisheit ist aber Christus, denn Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 7 Er ist die geheimnisvolle, verborgene Weisheit, auf die auch die Überschrift des neunten Psalmes anspielt: „Für die Geheimnisse des Sohnes.“ 8 In ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Wissenschaft verborgen. 9 Der im Geheimnis Verborgene war aber von Ewigkeit her vorausbestimmt. 10 Vorausbestimmt und vorhergezeigt war er im Gesetze und in den Propheten. Deshalb wurden die Propheten auch Seher genannt, 11 weil sie den schauten, den die anderen nicht sehen konnten. Abraham hat seinen Tag gesehen und [S. 249] frohlockte. 12 Dem Ezechiel öffneten sich die Himmel, 13 die dem sündhaften Volke verschlossen blieben. David singt: „Öffne, o Herr, meine Augen, und ich will Deines Gesetzes Wunder betrachten.“ 14 Denn das Gesetz ist geistig zu deuten, 15 und es bedarf zu seinem Verständnis besonderer Erleuchtung. Erst wenn Gottes Antlitz sich enthüllt hat, können wir Gottes Herrlichkeit schauen. 16

1: 2 Kor. 11, 6.
2: Joh. 1, 1.
3: Wir beziehen nämlich den Logosbegriff im Gegensatz zu den Heiden auf Christus.
4: 1 Kor. 1, 19.
5: Ebd. 1, 23.
6: Ebd. 2, 6 f.
7: Ebd. 1, 24.
8: Der masorethische Text liest עַלְמוּת, während die LXX nach ihrer Vorlage עַלְמוּת עַל (abgeleitet von עָלַם „verbergen“) ὑπὲρ τῶν κρυφίων τοῦ υἱοῦ übersetzten. Diese Worte deuten die Väter vielfach messianisch.
9: Kol. 2, 3.
10: 1 Kor. 2, 7.
11: 1 Kön. 9, 9.
12: Joh. 8, 56.
13: Ezech. 1, 1.
14: Ps. 118, 18.
15: Röm. 7, 14.
16: 2 Kor. 3, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger