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Hieronymus († 420) - Briefe
IV.a. Briefe wissenschaftlichen Inhaltes: Didaktische Briefe
53. An den Priester Paulinus

3.

Damit will ich nicht behaupten, daß ich etwas weiß, was Deines Studiums und Deiner Bemühung wert sei. Ich will nur hervorheben, daß Dein Eifer und Deine Lernbegierde auch ohne meine Mitwirkung Lob verdienen. Ein gelehriger Geist hat auch ohne Lehrer Anspruch auf Anerkennung. Es kommt nicht auf das an, was Du bei mir finden kannst, sondern auf das, was Du wissen willst. Das weiche und leicht zu formende Wachs ist der Anlage nach, auch wenn die Hände des Künstlers und Bildners ruhen, ganz das, was man daraus kneten kann. Der Apostel Paulus rühmt sich, zu Gamaliels Füßen Moses und die Propheten gelernt zu haben, 1 so daß er, ausgerüstet mit den Pfeilen des Geistes, später [S. 246] zuversichtlich sprechen konnte: „Die Waffen unseres Kriegsdienstes sind nicht fleischlich, sondern mächtig in Gott, um Bollwerke zu zerstören. Wir zerreißen Spitzfindigkeiten und jede Hoffart, die sich gegen die Weisheit Gottes auflehnt. Wir nehmen jeden Verstand gefangen und zwingen ihn zum Gehorsam gegen Christus, bereit, jeglichen Ungehorsam zu unterdrücken.“ 2 Den Timotheus, der von Jugend auf in der Hl. Schrift bewandert war, unterweist er und ermahnt ihn zum eifrigen Lesen, damit er die Gnade bewahret die in ihm ist durch die Handauflegung gelegentlich der Priesterweihe. 3 Von Titus verlangt Paulus, daß er als Bischof neben den übrigen Tugenden, die kurz geschildert werden, auch auf das Studium der Schrift Wert lege, die das der Lehre entsprechende zuverlässige Wort enthält, damit er imstande sei, in der gesunden Lehre zu unterrichten und die Gegner zurückzuweisen. 4 Heiligkeit ohne Bildung nützt nur ihrem Träger. Soviel sie auf der einen Seite durch das Verdienst eines tugendhaften Lebens an der Kirche Christi aufbauen kann, ebensoviel zerstört sie auf der anderen Seite, wenn sie die Gegner nicht zu widerlegen vermag. Der Prophet Malachias sagt, oder richtiger der Herr spricht durch den Propheten Malachias: „Frage die Priester nach dem Gesetz!“ 5

So weit also geht die Pflicht des Priesters, daß er auf alle das Gesetz betreffenden Fragen Rede und Antwort zu stehen hat. Im Deuteronomium lesen wir: «Frage deinen Vater, er wird es dir künden; erbitte Auskünfte von deinen Priestern, und sie werden es dir sagen.“ 6 Im 118. Psalm heißt es: „Lieblicher Gesang sind mir Deine Satzungen am Orte meiner Wanderschaft.“ 7 Wenn David den Gerechten schildert und ihn mit dem Lebensbaume im Paradiese vergleicht, 8 führt er unter den übrigen [S. 247] Tugenden auch Folgendes an: „Am Gesetze des Herrn hat er sein Wohlgefallen und über seine Satzungen denket er nach bei Tag und bei Nacht.“ 9 Gegen Ende seines prophetischen Buches sagt Daniel von den Gerechten, daß sie leuchten wie die Sterne, und von den Klugen, d.h. von den Gelehrten, daß sie glänzen wie das Firmament. 10 Begreifst Du also den Unterschied, der besteht zwischen einer Heiligkeit ohne Wissen und einer Heiligkeit, die auch auf Pflege der Wissenschaft Wert legt? Die einen werden nur mit Sternen, die anderen aber mit dem ganzen Himmel verglichen. Nach dem hebräischen Urtext freilich läßt sich beides auf die Gelehrten beziehen; denn da heißt es: „Die Wissenden werden leuchten wie der Glanz des Firmamentes, und wie die Sterne in alle Ewigkeit jene, welche viele zur Wissenschaft erziehen.“ 11 Warum wird Paulus ein Gefäß der Auserwählung genannt? 12 Weil er eine wahre Rüstkammer des Gesetzes und der heiligen Schriften ist. Die Pharisäer staunen aber die Gelehrsamkeit des Herrn 13 und wundern sich über die Gesetzeskenntnis des Petrus und Johannes, die durch keine Schule gegangen waren. 14 Was sich andere durch Übung und tägliche Beschäftigung mit dem Gesetze aneignen, das hat ihnen der Hl. Geist eingegeben. Sie waren, um mit der Schrift zu reden, von Gott belehrt (θεοδίδακτοι). 15 Erst zwölf Jahre war der Herr alt; aber er schien, als er die erfahrenen Greise über das Gesetz ausforschte, mehr Lehrer als kluger Fragesteller zu sein. 16

1: Apg. 22, 3.
2: 2 Kor. 10, 4 ff.
3: 1 Tim. 4, 13 f.
4: Tit. 1, 7 ff.
5: Agg. (!) 2, 12.
6: Deut. 32, 7. In der Vulgata richtiger „maiores“ statt „presbyteros“.
7: Ps. 118, 54.
8: Ebd. 1, 1. 3 f.
9: Ps. 1, 2.
10: Dan. 12, 3 (nach LXX).
11: Ebd. (Hebr.).
12: Apg. 9, 15.
13: Luk. 2, 47.
14: Apg. 4, 13.
15: 1 Thess. 4, 9.
16: Luk. 2, 42. 46.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger