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Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
133. An Ktesiphon

8.

Ihr pflegt auch zu sagen: „Entweder ist die Einhaltung der Gebote möglich, dann war es recht von Gott, sie zu geben; oder es ist unmöglich, sie zu erfüllen. Dann freilich liegt keine Schuld bei denen, welchen die Gebote auferlegt wurden, sondern bei dem, der unmögliche Gebote gegeben hat.“ Hat mir denn Gott aufgetragen, ihm gleich zu sein? Soll kein Unterschied sein zwischen mir und Gott, dem Schöpfer? Soll ich an Rang über den Engeln stehen und eine Vollkommenheit beanspruchen, wie sie nicht einmal die Engel haben? Was von Christus allein gilt: „Er tat keine Sünde, und Keine Lüge fand sich in seinem Munde“, 1 soll mir dies mit Christus zukommen, dem dieser Vorzug allein vorbehalten war? Damit fällt deine Theorie in sich zusammen. [S. 217] Du versicherst, der Mensch könne ohne Sünde sein, falls er wolle. Nach weitschweifigen Phantastereien, dazu bestimmt, harmlose Gemüter zu täuschen, versuchst du ganz sinnlos hinzuzufügen: Nicht ohne die Gnade Gottes. Wenn nun einmal der Mensch imstande ist, aus sich frei von Sünde zu bleiben, wozu bedarf es der Gnade Gottes? Wenn er aber ohne Gottes Gnade nichts tun kann, wozu war es dann nötig, zuerst zu behaupten, er könne etwas, was er schließlich doch nicht kann? Du sagst: „Der Mensch kann ohne Sünde und vollkommen sein, wofern er nur will.“ Ja, welcher Christ möchte nicht ohne Sünde sein, wer möchte die Vollkommenheit für sich ablehnen, wenn das Wollen genügt? Wenn sofort das Können folgt, sobald der Wille vorangegangen ist? Es gibt keinen Christen, der nicht ohne Sünde sein möchte. Also werden sie alle ohne Sünde sein, weil selbstverständlich alle ohne Sünde sein wollen. Und daran wirst du, magst du dich noch so sehr sträuben, scheitern. Du kannst keinen oder kaum einen anführen, der sündlos geblieben ist, behauptest aber, alle könnten sündlos bleiben.

Du sagst: „Gott hat nur Gebote gegeben, deren Beobachtung möglich ist.“ Wer leugnet das denn? Wie dieser Satz zu verstehen ist, darüber gibt das Gefäß der Auserwählung 2 klare Auskunft, wenn es schreibt: „Was aber das Gesetz nicht konnte, weil es sich dem Fleische gegenüber als schwach erwies, hat Gott vollbracht. Er sandte seinen Sohn in Gestalt des Sündenfleisches und verdammte wegen der Sünde die Sünde im Fleische.“ 3 Und weiterhin: „Auf Gesetzeswerke hin wird niemand von ihm gerecht gesprochen.“ 4 Damit du aber nicht etwa meinst, es sei hier nur an das Gesetz des Moses gedacht und nicht an alle Gebote, die hier mit dem Worte Gesetz zusammengefaßt werden, verweise ich auf denselben Apostel, der schreibt: „Meinem inneren Menschen nach stimme ich dem Gesetze Gottes zu. Aber [S. 218] ich verspüre ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, welches dem Gesetze meines Geistes widerspricht, das mich gefangen hält in dem Gesetze der Sünde, welches in meinen Gliedern ist. O ich Unglücklicher! Wer wird mich von diesem Todesleibe befreien? Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ 5 Warum er aber so spricht, führt er anderweitig aus: „Wir wissen, daß das Gesetz geistig ist, ich aber bin fleischlich und an die Sünde verkauft. Denn was ich tue, weiß ich nicht. Nicht was ich will, tue ich, sondern, was ich verabscheue. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gestehe ich dem Gesetze zu, daß es gut ist. Jetzt aber bin nicht ich der, welcher handelt, sondern die in mir wohnende Sünde. Denn ich weiß, daß in mir, oder richtiger in meinem Fleische nicht das Gute wohnt. Das Wollen liegt zwar bei mir, aber zur Ausführung des Guten komme ich nicht. Denn nicht das Gute, das ich will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, führe ich aus. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so bin ich es doch nicht, der handelt, sondern die in mir wohnende Sünde.“ 6

1: Is. 53, 9; 1 Petr. 2, 22.
2: Apg. 9, 15.
3: Röm. 8, 3.
4: Ebd. 3, 20; Gal. 2, 16.
5: Röm. 7, 22 ff.
6: Ebd. 7, 14 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger