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Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
133. An Ktesiphon

5.

Noch einige Bemerkungen zu den Worten „nicht ohne die Gnade Gottes“, welche sie, um die Menschen einzufangen, ihrem bereits behandelten Lehrsatze beifügen! Auf den ersten Blick mögen diese Worte den Leser täuschen. Geht man aber in sorgfältiger Prüfung der Sache auf den Grund, dann ist eine Täuschung ausgeschlossen. Sie verstehen nämlich unter Gnade nicht die zu jedem einzelnen Werke erforderliche besondere Hilfe und Mitwirkung Gottes, sondern für sie ist die Gnade nichts anderes als der freie Wille und die Vorschriften des Gesetzes. Sie berufen sich hierfür auf folgenden Ausspruch des Propheten Isaias: „Gott hat sein Gesetz zur Hilfe gegeben.“ 1 Die Gnade Gottes wäre also nichts anderes als der Zustand, in dem wir erschaffen sind, so daß wir mit unserem freien Willen das Gute tun und das Böse meiden können. Die Vertreter dieser Auffassung übersehen hierbei völlig, was für eine unmögliche Gotteslästerung der Teufel durch ihren Mund herauszischt. Denn wenn die göttliche Gnade nur darin besteht, daß wir einen eigenen Willen besitzen und [S. 212] uns mit der Fähigkeit, uns frei zu entscheiden, zufrieden geben, dann haben wir eine Hilfe Gottes darüber hinaus gar nicht nötig. Im Gegenteil, eine weitere Abhängigkeit würde die freie Willensentscheidung zerstören. Deshalb hätte es auch keinen Sinn mehr, zu beten oder Gottes Barmherzigkeit anzuflehen, um alltäglich die Gnade zu erlangen, die uns ja ständig zur Verfügung steht, nachdem wir sie einmal empfangen haben. Diese Leute schaffen das Gebet ab, und wegen der Fähigkeit, sich frei zu entscheiden, rühmen sie sich, nicht bloß Menschen eigenen Willens, sondern göttlichen Könnens geworden zu sein, wie ja auch Gott keinen Beistand benötigt. Dann mögen sie ebenso das Fasten und jegliche Enthaltsamkeit abschaffen. Was habe ich denn nötig, mich abzumühen, um durch Anstrengung zu erringen, was zu meinem natürlichen Können gehört? Was ich hier sage, ist nicht etwa eine Konstruktion von mir. Einer seiner Schüler, 2 der jetzt bereits Lehrer und Führer der ganzen Sippe geworden ist, ein Gefäß des Verderbens im Gegensatz zum Apostel, 3 ergeht sich infolge unrichtiger Verbindung der Worte, nicht aber, wie man sich brüstend hinausschreit, auf den Dornenpfaden logischer Schlußfolgerung, in folgenden Ausführungen: „Wenn ich nichts tue ohne die Hilfe Gottes, und wenn im einzelnen alles, was ich tue, sein Werk ist, dann werde nicht ich gekrönt, der ich mich abmühe, sondern Gottes Beistand in mir. Umsonst hat er mir dann die Fähigkeit, mich frei zu entscheiden, gegeben, da ich nichts zustande bringe, wenn er mir nicht fortwährend hilft. Denn der freie Wille wird aufgehoben, wenn er der Mitwirkung eines anderen bedarf. Aber Gott hat uns einen freien Willen gegeben, der nur unter der Voraussetzung wirklich frei sein wird, daß [S. 213] ich tue, was ich will. Entweder ich mache ein für allemal Gebrauch von der Fähigkeit, die mir gegeben worden ist, so daß die Freiheit des Willens gewahrt bleibt, oder aber die freie Willensentscheidung wird in mit ausgeschaltet, wenn ich der Hilfe eines anderen bedarf.“

1: Is. 8, 20 (nach LXX).
2: Der ehemalige Rechtsanwalt Caelestius, der mit Pelagius 410 nach Afrika übersetzte und dort, weniger vorsichtig als sein Meister, dessen Irrlehren verbreitete.
3: Apg. 9, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger