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Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
133. An Ktesiphon

11.

Ihr greift noch zu einer anderen Beweisführung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Ihr sagt: „Es besteht ein Unterschied zwischen ‚sein’ und ,sein können’. Das ‚sein’ ist nicht in unsere Macht gelegt, aber das ‚sein können’ gilt ganz allgemein. Es könnte demnach einer, der es will, sein, was in Wirklichkeit noch nie einer gewesen ist.“ Eine herrliche Beweisführung: es kann einer sein, was nie einer gewesen ist; es kann geschehen, was nach deinem Zeugnis nie geschehen ist; man kann einem etwas zuschreiben, von dem man nicht weiß, ob er jemals existieren wird. Du willst also irgend jemandem einen Vorzug zubilligen, der nicht einmal bei den Patriarchen, Propheten und Aposteln zu finden ist? Bekenne dich doch lieber zu der einfachen Lehre der Kirche, die euch freilich bäurische Unwissenheit scheint! Sage doch, was du glaubst! Verkünde doch einmal in aller Offenheit, was du im geheimen deinen Anhängern erzählst! Du pochst so sehr auf dein freies Willensvermögen; warum legst du deine Meinung nicht offen dar? Was du an Geheimnissen im stillen Kämmerlein erzählst, ist etwas ganz anderes, als was du in der Öffentlichkeit verkündest. Denn das ungebildete Volk kann deine schwierigen Geheimnisse nicht vertragen und keine feste Speise zu sich nehmen, es begnügt sich mit Kleinkindermilch. 1 Ich habe noch gar nicht geschrieben, und schon kündigst du mir den Blitzstrahl deiner Antwort an. Ich soll wohl damit in Furcht gejagt werden, damit ich meinen Mund nicht zu öffnen wage? Du hast wohl noch gar nicht erfaßt, daß ich gerade deshalb schreibe, um dich zur Antwort zu zwingen? Du sollst ganz klar dich über die Dinge auslassen, die ihr je nach Zeit, Personen und Ort vortragt oder mit Schweigen übergeht. Es soll euch [S. 223] unmöglich gemacht werden, was ihr schriftlich niedergelegt habt, einfach zu leugnen. Darin liegt der Sieg der Kirche, daß ihr eure Meinung einmal eindeutig darstellt. Stimmt eure Antwort mit unserer Lehre überein, dann werdet ihr nicht unsere Gegner, sondern unsere Freunde sein. Steht aber das, was ihr sagt, im Gegensatz zu unserer Lehre, dann liegt unser Erfolg darin, daß alle Kirchen wissen werden, was ihr glaubt. Sobald ihr eure Lehre offen darlegt, ist sie erledigt. Auf den ersten Blick tritt die Gotteslästerung zutage. Das braucht keine Widerlegung, was sich sofort durch seine Formulierung als Gotteslästerung ausweist. Ihr droht mir mit eurer Antwort. Einer solchen kann man nur aus dem Wege gehen, wenn man überhaupt nicht schreibt. Woher wißt ihr denn, was ich zu sagen habe, daß ihr schon eine Antwort vorbereitet? Am Ende sage ich dasselbe wie ihr, und ihr habt umsonst euren Schreibstift, das Instrument eures Geistes, geschärft. Die Eunomianer, 2 die Arianer, die Mazedonianer, 3 die, wenn sie auch verschiedene Namen haben, sich in der Gottlosigkeit die Waage halten, bereiten mir keine Schwierigkeit. Sie sagen offen, was sie meinen. Allein eure Irrlehre scheut davor zurück, öffentlich auszusprechen, was sie im geheimen ohne Anstand lehrt. Aber worüber die Lehrer schweigen, das macht der Fanatismus der Schüler öffentlich bekannt. Sie predigen von den Dächern, was sie in den Schlafkammern erlauscht haben, 4 damit das Lob, falls sie bei den Zuhörern Beifall finden, auf die Lehrer zurückfalle. Stoßen sie aber nicht auf Gegenliebe, dann liegt die Schuld [S. 224] natürlich am Schüler, nicht am Lehrer. Infolge dieses Ränkespieles wuchs eure Irrlehre ständig, und viele habt ihr getäuscht, besonders solche, die zu Frauen Beziehungen haben und der Überzeugung leben, sie könnten nicht sündigen. Weil ihr heute eure Lehre verkündet, um sie morgen wieder abzustreiten, trifft auf euch das Wort des Propheten zu: „Ihr Ruhm liegt im Erzeugen und Gebären. Gib ihnen, o Herr! Und was wirst du ihnen geben? Einen unfruchtbaren Schoß und trockene Brüste.“ 5 Mein Zorn entflammt, kaum kann ich meine Worte zurückhalten. Jedoch ein kurzer Brief erlaubt keine eingehende Widerlegung. Mit Absicht habe ich in dieser Schrift keinen Namen genannt. Ich habe nur den Führer der Irrlehre angegriffen. Wenn er sich von seinem Zorne zu einer Antwort hinreißen läßt, dann wird die Maus sich selbst verraten, 6 und er wird noch weitere Schläge entgegennehmen müssen, wenn es zu einem richtigen Kampfe kommt.

1: Hebr. 5, 12 f.
2: Die Eunomianer, eine strenge Richtung der Arianer, wurden nach ihrem Führer Eunomius benannt. Sie taten sich besonders unter Julian hervor, während sie von den Kaisern Valens, Gratian und Theodosius aufs schärfste bekämpft wurden.
3: Die Mazedonianer, ein Ableger der Arianer, waren die Anhänger des Patriarchen Mazedonius von Konstantinopel, der die Gottheit des Hl. Geistes leugnete. Sie wurden 381 auf dem zweiten allgemeinen Konzil zu Konstantinopel verurteilt.
4: Luk. 12, 3.
5: Osee 9, 11. 14 (nach LXX).
6: Terentius, Eunuchus 1024.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger