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Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
126. An Marcellinus und Anapsychia Grützmacher denkt an eine männliche Person Anapsychias (I 92; III 261), während Cavallera (I 320; II 53) ohne weitere Begründung Anapsychia für des Marcellinus Gattin hält. Diese Auffassung hat viel für sich. Die Verbindung zwischen beiden Personen muß sehr eng gewesen sein. Auch ist nicht wahrscheinlich, daß Hieronymus, der oft an beide geschrieben hat, beiden immer das gleiche mitzuteilen hatte, wenn sie nicht Mann und Frau waren. Endlich erklärt Cavalleras Auffassung am einfachsten, wie Hieronymus im sachlichen Teile wiederholt bei der Anrede das Verbum in den Singular setzt. Die einzige Schwierigkeit liegt darin, ob sie sich sprachlich vereinbaren läßt mit der Anrede „dominis vere sanctis atque . . . venerandis filiis Marcellino et Anapsychiae“ (dominis = domino et dominae; filiis = filio et filiae). Diese Deutung ist offenbar möglich, da, wie eine nachträgliche Prüfung ergibt, auch der Thesaurus linguae lat. (II 18) an unserer Stelle einen Frauennamen Anapsychia unterstellt.

2.

Vor längerer Zeit wollte ich an die Erklärung des Propheten Ezechiel herangehen, um damit ein meinen eifrigen Lesern wiederholt gemachtes Versprechen einzulösen. Als ich aber angefangen hatte zu diktieren, da wurde mein Geist von der Vernichtung der Provinzen des Abendlandes, besonders der Stadt Rom, so angegriffen, daß ich, um eine landläufige Redewendung zu gebrauchen, meinen eigenen Namen nicht mehr wußte. 1 So hüllte ich mich lange in Schweigen, wohl wissend, daß es jetzt an der Zeit war, zu weinen. 2 In diesem Jahre [S. 196] aber hatte ich bereits drei Bücher erklärt, als ein plötzlicher Einfall jener Barbarenvölker einsetzte, über die der von Dir so hochgehaltene Vergil schreibt „die weithin das Land durchschweifenden Barcäer“. 3 Es ist das Volk, welches auch die Hl. Schrift ins Auge faßt, wenn sie von Ismael sagt: „Im Angesichte aller seiner Brüder wird er zelten.“ 4 Denn einem Strome gleich, der alles mit sich reißt, überfluteten sie die Grenzen Ägyptens, Palästinas, Phöniziens und Syriens. Nur mit Mühe und Not konnten wir durch Christi Barmherzigkeit ihren Händen entrinnen. Wenn nun nach dem Ausspruche eines berühmten Redners während des Krieges die Erörterung von Rechtsfragen aufhört, 5 wieviel mehr gilt dies nicht vom Studium der Hl. Schrift, das eine große Menge von Büchern, ruhiges Nachdenken, fleißige Schreiber und vor allem für den, der diktiert, Sicherheit und ungestörte Ruhe verlangt? Zwei von diesen Büchern habe ich meiner heiligen Tochter Fabiola 6 zugesandt, von der Du sie ausleihen kannst, wenn Du magst. Bei der Kürze der Zeit konnte ich noch nicht an die Fortsetzung denken. Wenn Du sie aber liest, dann bist Du sozusagen schon in die Vorhalle eingetreten und kannst daraus ohne Mühe auf das künftige Gebäude schließen. Aber ich vertraue auf Gottes Barmherzigkeit, der mir geholfen hat beim Anfang dieses außergewöhnlich schweren Unternehmens. Er wird mir auch bei den ziemlich am Ende stehenden Kapiteln helfen, die von den Kriegen Gogs und Magogs handeln, 7 und auch bei den letzten, welche den Bau, die Einzelheiten und die Größe des heiligen und rätselvollen Tempels schildern. 8

1: Petronius, Sat. 66.
2: Eccle. 3, 4.
3: Vergil, Aen. IV 42.
4: Gen. 16, 12 (nach LXX).
5: Cicero, Pro Milone 4, 10.
6: Vgl. S. 195 Anm. 3.
7: Ezech. 38 f.
8: Ebd. 40 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger