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Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
49 (48). Verteidigungsschrift an Pammachius

19.

Nun muß ich auf jene Stelle zu sprechen kommen, aus der man gegen mich einen Vorwurf herleitet, weil ich unter Anlehnung an den hebräischen Urtext darauf aufmerksam machte, daß nach dem zweiten Schöpfungstage der Zusatz fehlt: „Und es sah Gott, daß es gut war“, wie nach dem ersten und dritten sowie nach den übrigen Tagen zu lesen ist. 1 Hierzu hatte ich nämlich bemerkt, es sollte uns zum Bewußtsein kommen, daß die Zahl zwei nichts Gutes bedeutet; denn sie versinnbildet die Trennung von der Einheit und enthält einen Hinweis auf das eheliche Band. Deshalb sind auch alle Tiere, welche paarweise in die Arche gehen, unreine Tiere. Die ungerade Zahl ist rein. 2 Ich weiß nicht, was an dem, was ich über den zweiten Tag geschrieben habe, auszusetzen sein sollte. Vielleicht, daß ich gesagt habe, es steht nicht geschrieben, während der Zusatz in der Hl. Schrift steht? 3 Oder etwa weil ich die Stelle, auch wenn der Zusatz fehlt, immer noch anders gedeutet habe, als der schlichte Wortlaut es zuläßt? Daß beim zweiten Tag der Zusatz fehlt: „Gott sah, daß es gut war“ brauchen sie ja auf mein [S. 184] Zeugnis hin nicht zu glauben; aber ich kann sie verweisen auf das aller Hebräer und auch auf das anderer Übersetzer, wie Aquila, Symmachus und Theodotion. Wenn diese Worte im Gegensatz zu den anderen Tagen hier fehlen, so mögen sie dafür eine andere plausiblere Begründung beibringen. Sollten sie keine finden, dann wird ihnen nichts anderes übrigbleiben, als sich, wenn auch wider Willen, meiner Erklärung anzuschließen. Wenn alle Tiere, die paarweise in die Arche Noes gingen, unrein sind, dann ist die ungerade Zahl rein, und niemand bezweifelt, daß dies in der Schrift so steht. 4 Über das Warum mögen sie Aufschluß geben. Sollten sie aber zu keiner Lösung kommen, dann mögen sie wiederum, wenn auch ungern, meiner Erklärung beipflichten. Entweder Du setzest bessere Speisen vor, und ich werde Dein Tischgenosse sein, oder Du mußt mit unserer noch so bescheidenen Mahlzeit Dich zufrieden geben. Nun muß ich also auch noch die christlichen Schriftsteller anführen, die sich über die ungerade Zahl ausgelassen haben. Es sind Klemens, Hippolyt, Origenes, Dionysius, Eusebius, Didymus und unter den Lateinern Tertullian, Cyprian, Viktorin, Laktanz und Hilarius.“ 5 Unter diesen hat Cyprian über die Siebenzahl, also eine ungerade Zahl, geschrieben. Was er darüber geschrieben hat, steht in seinem Buche an Fortunatus zu lesen. 6 Oder soll ich vielleicht anführen, wie Pythagoras, 7 Archytas von Tarent 8 oder Publius Scipio 9 im sechsten Buch vom Staate sich über die ungerade Zahl geäußert [S. 185] haben? 10 Wenn aber meine Gegner auch auf diese nicht hören wollen, dann lasse ich alle Schulen der Grammatiker ihnen zurufen: „An der ungeraden Zahl erfreut sich die Gottheit!“ 11

1: Gen. 1, 4 u. ö.
2: Adv. Jov. I 16.
3: In der LXX und der davon abhängigen altlateinischen Übersetzung.
4: Gen. 7, 2.
5: Klemens von Alexandrien (ca. 150—215); Hippolytus aus Rom, seit 217 Gegenpapst gegen Papst Kallistus, der Verfasser der Philosophoumena; Bischof Dionysius von Alexandrien (3. Jahrhundert); Didymus, der Blinde († 398), gelehrter Laientheologe zu Alexandria. Zu Viktorinus und Laktanz s. BKV II. Reihe XVI 184 Anm. 3. 4.
6: Ad Fortunatum 11 (CSEL III 1, 337 f. [Hartel]).
7: Vgl. BKV II. Reihe XVI 127 Anm. 5.
8: Vgl. BKV II. Reihe XVI 328 Anm. 6.
9: Publius Scipio Africanus minor.
10: Cicero, De rep. VI 17 f.
11: Vergil, Ecl. VIII 75.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger