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Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
49 (48). Verteidigungsschrift an Pammachius

18.

Ist es überhaupt noch zu ertragen, wie man mit mir umspringt, weil ich zu den Worten des Apostels: „Solche werden Trübsal des Fleisches haben“ 1 die Bemerkung machte: „Ohne Erfahrung zu besitzen, glaubte ich, daß mit der Ehe sinnliche Freuden verbunden sind. Wenn aber die Eheleute auch im Fleische Trübsal haben, das ihnen doch nur Genuß zu bringen schien, was für ein Grund zu heiraten bleibt dann noch, wenn die Trübsal den Geist, das Gemüt und selbst das Fleisch erfaßt?“ 2 Liegt denn darin schon eine Verurteilung der Ehe, wenn ich das Geschrei der Säuglinge, den Tod der Kinder, die Fehlgeburten, die häuslichen Zwistigkeiten und Ähnliches zur Trübsal der Ehe rechne? Zu Lebzeiten des Papstes Damasus seligen Angedenkens schrieb ich mein Buch gegen Helvidius „Über die ständige Jungfräulichkeit Maria“, in dem ich gezwungen war, zum Lobe des Glückes der Jungfräulichkeit mancherlei über die Beschwerden des Ehestandes zu sagen. 3 Hatte dieser hervorragende Mann, in der Hl. Schrift erfahren wie kein zweiter, ein jungfräulicher Lehrer der jungfräulichen Kirche, an meinen Ausführungen etwas zu tadeln? In meiner Schrift an Eustochium 4 habe ich mich weit schroffer über die Ehe ausgesprochen, und niemand hat daran Anstoß genommen. Damasus, der Freund der Keuschheit, der Herold der Schamhaftigkeit, las sie mit gespanntem Interesse. Lies [S. 182] doch Tertullian, Cyprian und Ambrosius! 5 Entweder mußt Du sie alle verurteilen oder mich mit ihnen für schuldlos erklären. Da haben sich Leute gefunden von der Plautus-Sippe, 6 die nur andere herabwürdigen können und ihre Gelehrsamkeit dadurch beweisen wollen, daß sie alles herunterreißen, was einer sagt. In einer und derselben Sache fallen sie über beide, in unserem Falle über mich und meinen Gegner, her. Obwohl einer von den beiden recht haben muß, behaupten sie, beide seien im Unrecht.

Dort, wo sich die Abhandlung mit solchen Christen befaßte, welche zwei- oder dreimal geheiratet haben, steht zu lesen: „Es ist besser, auch zum zweiten oder dritten Male, nur einen Mann zu kennen als eine ganze Anzahl, d.h. es ist besser, einem Manne sich hinzugeben als vielen.“ 7 Habe ich nicht gleich darüber Aufschluß gegeben, warum ich dies bemerkt habe, indem ich fortfuhr: „Der Samariterin im Evangelium, die behauptete, den sechsten Mann zu haben, wirft der Herr vor, daß dies nicht ihr Mann sei.“ 8 Mit allem Freimut erkläre ich auch jetzt, die Kirche verurteilt die zweite Ehe nicht und auch nicht die dritte; und wie es erlaubt ist, einen zweiten Mann zu ehelichen, so ist es auch gestattet, einen fünften, einen sechsten und auch noch darüber hinaus einen weiteren zu heiraten. Aber wenn diese Art Ehen auch nicht von ihr verdammt werden, so hat sie doch auch kein Wort des Lobes dafür. [S. 183] Sie sind eine Linderung für menschliche Armseligkeit, aber kein Lob der Enthaltsamkeit. Deshalb habe ich auch anderwärts bemerkt: „Heiratet man mehr als einmal, dann verschlägt es auch nichts, ob die Ehe mit einem zweiten oder dritten Manne zustande kommt; denn man hat aufgehört, nur einmal verheiratet gewesen zu sein. Alles ist erlaubt, aber nicht alles geziemt sich. 9 Ich verurteile jene nicht, die zweimal, und auch solche nicht, die dreimal oder, wenn es überhaupt möglich ist, sogar achtmal heiraten.“ 10 Soll eine Frau einen achten Mann heiraten, wenn sie nur aufhört, sich einem in unsittlichem Lebenswandel hinzugeben.

1: 1 Kor. 7, 28.
2: Adv. Jov. I 13.
3: Adv. Helv. 20 (BKV XV 288 ff.).
4: Ep. 22, 2 ad Eustochium (vgl. BKV II. Reihe XVI 62 f.). Im Gegensatz zu der hier aufgestellten Behauptung beklagt sich Hieronymus im Briefe an Nepotian (ep. 52, 17) bitter über die gegen ihn wegen des Schreibens an Eustochium erhobenen Angriffe.
5: Von den Schriften Tertullians sind gemeint die zwei Bücher Ad uxorem, in denen er von einer zweiten Ehe abrät. Noch schärfer äußert er sich in De exhortatione castitatis und De monogamia. Beide, aus seiner montanistischen Zeit, verbieten die zweite Ehe als eine species stupri. Cyprian verherrlicht die Jungfräulichkeit in seiner Schrift De habitu virginum (c. 3 f.; BKV XXXIV 64f.). Zu Ambrosius vgl. S. 173 ff.
6: Plautus, römischer Komödiendichter, gest. 184 v. Chr. Mit dem Worte plautus bezeichnete man auch die Hunde (Plattfuß oder Schlappohr); Hieronymus bezeichnet also hier seine Gegner als bissige Köter.
7: Adv. Jov. I 14.
8: Ebd.
9: 1 Kor. 6, 12; 10, 23.
10: Adv. Jov. I 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger