Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Hieronymus († 420) - Briefe
III.c. Polemisch-apologetische Briefe: Apologetisch-dogmatischer Inhalt
49 (48). Verteidigungsschrift an Pammachius

17.

Doch weiter; denn ein Brief drängt zur Kürze. Der Apostel sagt: „Den Unverheirateten und den Witwen aber sage ich, sie tun gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen [S. 179] sie heiraten; denn es ist besser, zu heiraten, als zu brennen.“ 1 Diesen Abschnitt habe ich folgendermaßen erklärt: „Nachdem er den Verheirateten den ehelichen Verkehr gestattet und gezeigt hat, was er wünscht und was er nur erlaubt, da wendet er sich an die Unverheirateten und Witwen und stellt sich selbst als Vorbild hin. Die so bleiben, nennt er glücklich; die sich aber nicht enthalten können, mögen heiraten. Er sagt damit das gleiche wie früher; ,Wegen der Unkeuschheit aber’ 2 und ‚damit euch der Satan nicht versuche wegen eurer Unenthaltsamkeit’. 3 Er führt auch den Grund an, weshalb er sagt: ,Wenn sie sich nicht enthalten können, mögen sie heiraten’. Es ist nämlich besser, zu heiraten, als zu brennen. 4 Deshalb ist das Heiraten besser, weil das Brennen schlimmer ist. Wäre nicht die Glut der Begierlichkeit, dann würde er nicht sagen: Heiraten ist besser. 5 Ein ‚Besser’ faßt immer einen Vergleich mit einem Minderen ins Auge, aber nicht mit einem schlechthin Unvergleichbaren, weil an sich Guten. Es ist, wie wenn Paulus sagen würde: Es ist besser, ein Auge zu haben als keines.“ 6 — Einige Zeilen später habe ich das Wort an den Apostel gerichtet und ihn gefragt: „Wenn die Ehe an sich gut ist, dann vergleiche sie doch nicht mit einem Feuerbrand. Sag dann doch einfach, es ist gut, zu heiraten. Mir ist die Güte einer Sache verdächtig, wenn nur die Größe eines anderen Übels sie zwingt, das kleinere Übel zu sein. Ich will nicht das kleinere Übel, ich will nur das, was an sich gut ist.“ 7 Der Apostel will, daß die ledigen Frauen und Witwen ohne ehelichen Verkehr ausharren. Er ruft sie auf zur Nachahmung des von ihm gegebenen Beispiels und nennt sie glücklich, wenn sie in diesem Zustande verharren. Wenn sie sich aber nicht enthalten können und die Glut der Leidenschaft nicht durch Enthaltsamkeit, sondern durch Unzucht dämpfen wollen, dann ist es allerdings [S. 180] für sie besser, zu heiraten, als zu brennen. Der von mir gemachte Zusatz: „Deshalb ist es besser, zu heiraten, weil es schlimmer ist, zu brennen“ 8, geht zuletzt nicht auf mich zurück, sondern auf den Apostel, dessen Wort: „Es ist besser, zu heiraten, als zu brennen“ 9 ich nur erklärt habe. Er will sagen, es ist besser, einen Gatten heimzuführen, als sich der Unzucht hinzugeben. Wer glaubt, daß Brennen und Unzucht etwas Gutes ist, der möge dem Guten das Bessere vorziehen. Wenn aber das Brennen ein Übel ist, das vor einem anderen Übel den Vorzug verdient, so kann es sich nicht um die echte und reine Vollkommenheit, nicht um jene Glückseligkeit handeln, die den Vergleich mit den Engeln nahelegt. 10 Wenn ich sage, es ist besser, jungfräulich als verheiratet zu sein, dann stelle ich das Bessere über das Gute. Stelle ich aber den anderen Vergleich an und sage, es ist besser, zu heiraten, als die Ehe zu brechen, dann stelle ich nicht mehr das Bessere über das Gute, sondern das Gute über das Schlechte. Es ist aber ein großer Unterschied zwischen dem „Besser“, das einen Vorzug vor der Ehe, und dem, das einen Vorzug vor dem Ehebruch in sich schließt. — Sage mir, bitte, inwiefern habe ich in diesen Darlegungen gefehlt? Meine Absicht war es nicht, die Hl. Schrift meiner Auffassung dienstbar zu machen, sondern klarzulegen, was ich als ihre Meinung zu erkennen glaubte. Die Aufgabe des Kommentators besteht nicht darin, seine Auffassung wiederzugeben, sondern die Auffassung dessen, den er erklärt. Stellt er sich zu diesem in Gegensatz, dann ist er ja nicht mehr der Dolmetsch, sondern der Gegner dessen, den verständlich zu machen er sich bemüht. Wo immer ich, ohne die Hl. Schrift auszulegen, freiweg meine Meinung vorbringe, da möge mir, wer es auch sei, vorwerfen, daß ich harte Worte gegen die Ehe gebraucht habe. Ist dies aber nicht der Fall, so [S. 181] muß man für das, was streng und hart scheint, die Autorität des Schriftstellers, nicht aber das Amt des Dolmetschs verantwortlich machen.

1: 1 Kor. 7,8 f.
2: Ebd. 7,2.
3: Ebd. 7, 5.
4: Ebd. 7, 9.
5: Ebd.
6: Adv. Jov. I 9.
7: Ebd.
8: Adv. Jov. I 9.
9: 1 Kor. 7, 9.
10: Matth. 22, 30.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
Verzeichnisse

Navigation
I. Briefe familiären ...
II.a. Aszetische Briefe: ...
II.b. Aszetische Briefe: ...
II.c. Aszetische Briefe. ...
II.d. Aszetische Briefe: ...
III.a. Polemisch-apolo...
III.b. Polemisch-apolo...
III.c. Polemisch-apolo...
. 41. An Marcella
. 49 (48). Verteidigung...
. . Mehr
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. 62. An Tranquillinus: ...
. 126. An Marcellinus ...
. 133. An Ktesiphon ...
IV.a. Briefe wissensch...
IV.b. Briefe wissensch...
V. Briefe kirchenrecht...
VI. Briefe an Theophilus ...
VII. Briefe an Augustinus ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger