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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXVIII. 8. Predigt auf Epiphanie.

3.

Wenn sich nun in der Vervollkommnung der einzelnen Gläubigen die Befolgung der göttlichen Gebote zeigt und gerade dadurch jenes Wort in Erfüllung geht: "So leuchte euer Licht vor den Menschen, daß sie eure guten Werke sehen und eueren Vater preisen, der im Himmel ist!"1 , wer sollte da nicht dort die Gegenwart Gottes erkennen, wo er wahre Tugend sieht? Ist doch diese ohne Gott unmöglich. Vermißt man doch an ihr das Gepräge des Göttlichen, wenn sie nicht vom Geiste ihres Urhebers durchdrungen ist. Da nämlich der Herr zu seinen Jüngern sagte: "Ohne mich vermöget ihr nichts"2 , so kann man nicht daran zweifeln, daß jener, der Gutes tut, Gott das Gelingen seines Werkes und die Anregung dazu verdankt. Darum sprach auch Paulus, der die meisten Ermahnungen an die Gläubigen richtete: "Mit Furcht und Zittern wirket euer Heil; denn Gott ist es, der euch das Wollen und Vollbringen gibt nach seinem Wohlgefallen!"3 . Und gerade darin besteht für die Heiligen der Anlaß, zu zittern und zu fürchten, sie möchten der Hilfe der göttlichen Gnade verlustig gehen und sich nicht mehr über die Schwächen ihrer menschlichen Natur erheben können, wenn sie sich auf ihre frommen Werke etwas zugute täten. Wer aber zu erfahren wünscht, ob Gott in ihm wohnt, von dem es heißt: "Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen"4 , der durchforsche unparteiisch das Innere seines Herzens! Er frage sich eindringlich, mit welcher Demut er den Stolz unterdrückt und mit welcher Menschenliebe er den Neid niederringt! Er frage sich, ob er sich nicht allzusehr von den Worten der Schmeichler betören läßt und in welchem Grade er sich über das Wohlergehen des Nächsten freut! Er frage sich, ob er nicht Verlangen trägt, Böses mit Bösem zu vergelten, oder ob er lieber eine Beleidigung ungerächt lassen und sie vergessen, als das Ebenbild seines Schöpfers5 verlieren will, der alle durch gemeinschaftliche Gaben anspornt, ihn zu erkennen, und deshalb regnen läßt über Gerechte und Ungerechte und seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse!6 .

1: Mt 5,16; vgl. 1 Petr 2,12
2: Joh 15,5
3: Phil 2,12f.
4: Ps 67,36
5: in sich
6: Mt 5,45

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger