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Hieronymus († 420) - Briefe
III.a. Polemisch-apologetische Briefe: In eigener Sache
81. An Rufin

1.

Wie ich Deinen Worten entnehme, hast Du Dich längere Zeit in Rom aufgehalten. Ich zweifle nicht, daß die Sehnsucht nach den geistlichen Eltern 1 Dich in die Heimat zurückrief, während die Trauer um die Mutter diese Reise verzögerte, um in der häuslichen Umgebung nicht noch mehr zu empfinden, was Du in der Fremde kaum ertragen konntest. Du beklagst Dich nun darüber, daß man allenthalben der Leidenschaft nachgibt, statt der Stimme der Vernunft zu folgen. Soweit ich in Frage komme, ist Gott mein Zeuge, daß der alte Groll seit unserer Versöhnung endgültig begraben ist. Ich habe kein verletzendes Wort gesprochen, sondern mit aller Vorsicht dahin gewirkt, daß nicht irgendein Zufall eine verkehrte Deutung finden konnte. Aber was kann ich dafür, wenn jeder sein Handeln für richtig hält, wenn jeder meint, er habe kein Unrecht begangen, sondern sich nur gewehrt gegen ein Unrecht, das ihm zugefügt wurde? Wahre Freundschaft darf mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berge halten. Man schickte mir das Vorwort zu den Büchern „περὶ ἀρχῶν“ zu. Aus dem Stil konnte ich feststellen, daß es von Dir stammt. Ich werde darin versteckt, man kann sogar sagen offen angegriffen. Was Du damit beabsichtigst, weiß ich nicht. Wie es aber verstanden werden kann, das merkt der Dümmste. Auch ich hätte mich des alten Kunstgriffes bedienen und, wie so oft, eine erdichtete Kontroverse abfassen und Dich in der Art, wie Du es tust, loben können. Aber es liegt mir nicht, Dir das nachzumachen, was ich an Dir zu tadeln finde! Vielmehr habe ich mich [S. 127] beherrscht, so daß ich nur dem gegen mich erhobenen Vorwurf auswich; denn ich möchte einen Freund, auch wenn er mich verletzt hat, nicht wieder verletzen. 2 Aber ich bitte Dich, willst Du in Zukunft wieder jemandem Gefolgschaft leisten, dann genüge Dir Dein Urteil! Das, was wir wollen, ist entweder gut oder schlecht. Ist es gut, dann haben wir die Hilfe anderer nicht nötig. Ist es aber schlecht, dann bedeutet die große Zahl der Irrenden, noch keine Rechtfertigung des Irrtums. Das wollte ich mir in aller Freundschaft bei Dir ausbitten. Ich wollte nicht vor aller Augen den Gereizten spielen und gegen Dich angehen; denn Du sollst wissen, daß ich es mit unserer Freundschaft nach unserer Aussöhnung aufrichtig meine und nicht nach einem Worte des Plautus in der einen Hand einen Stein verborgen halte, mit der anderen aber ein Brot anbiete. 3

1: Vor allem Bischof Chromatius in Aquileja.
2: Gemeint ist seine Verteidigung in ep. 84 ad Pammachium et Oceanum.
3: Plautus, Aulularia 195.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger