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Hieronymus († 420) - Briefe
III.a. Polemisch-apologetische Briefe: In eigener Sache
61. An Vigilantius

4.

Laß ab von dem Versuche, mich herauszufordern und durch Deine Schriften vernichten zu wollen! Spare wenigstens Dein Geld, mit dem Du Schreiber und Kopisten dingst, welche Dir als Gehilfen und Lobredner zu Diensten stehen! Wer weiß, ob sie Dich nicht bloß deshalb loben, weil Du ihnen Verdienst schaffst? Wenn Du Deinen Geist schärfen willst, dann gehe zu den Grammatikern und Rhetoren, lerne die Kunst der Dialektik [S. 122] und nimm Unterricht in den Schulen der Philosophen! Hast Du dies alles gelernt, dann fange erst einmal an zu schweigen! Freilich handle ich töricht, wenn ich mich nach Lehrern für den Lehrer aller umschaue und dem einen angemessenen Weg weise, der weder reden noch schweigen kann. 1 Fürwahr, hier ist das griechische Sprichwort am Platze: „Für den Esel eine Leier!“ 2 Ich glaube, der Name, den Du trägst, ist im gegenteiligen Sinne aufzufassen. 3 Denn Dein ganzer Verstand schläft, und Dein Schnarchen rührt weniger vom tiefen Träumen als von Deinem Stumpfsinn her. Neben anderen Gottlosigkeiten, die Dein Lästermaul hervorbrachte, wagtest Du die Behauptung, der Berg, von dem nach dem Propheten Daniel ein Stein losgehauen wurde ohne menschliches Zutun, 4 sei der Teufel. Der Stein aber sei Christus, der den Leib Adams annahm, der vorher dem Teufel durch die Sünde verbunden war. Christus sei von der Jungfrau geboren, um den Menschen von dem Berge, d.h. vom Teufel, zu trennen. Solch eine Lästerzunge verdient herausgerissen und in Stücke zerschnitten zu werden. Hat je ein Christ Gott Vater mit dem Teufel identifiziert und eine solch schmutzige Lehre in die Welt gesetzt? Wenn je einer — es braucht kein Katholik zu sein, sondern ein Häretiker oder ein Heide genügt mir — sich zu Deiner Deutung bekannt hat, dann mag das, was Du gesagt hast, als fromme Deutung gelten. Wenn aber bisher ein solcher Frevel in der Kirche Gottes unerhört ist, wenn Dein Mund als erster in dem den Berg erkennt, der von sich sagt: „Dem Allerhöchsten will ich gleich sein“, 5 dann tue Buße und wälze Dich in Sack und Asche! 6 Beweine, so lange Du lebst, diese Freveltat, wofern es für solch eine Gottlosigkeit überhaupt [S. 123] Verzeihung geben kann. Vielleicht wird sie Dir zu dem Zeitpunkt zuteil, in welchem sie nach der irrigen Auffassung des Origenes auch dem Teufel gewährt wird, 7 der niemals abscheulicher als durch Deinen Mund gelästert hat. Das mir zugefügte Unrecht habe ich in Geduld hingenommen; aber die gegen Gott gerichtete Lästerung konnte ich nicht hingehen lassen. Deshalb bin ich auch am Ende meines Briefes entgegen meiner Zusage ziemlich bissig geworden. Es war eine große Torheit von Dir, von neuem etwas zu tun, was Buße erheischt, nachdem Du schon einmal Sühne leisten und mich um Verzeihung angehen mußtest. Gebe Dir Christus die Gabe, zu hören und zu schweigen, und erst dann über eine Sache zu reden, wenn Du sie begriffen hast!

1: Martialis, Epigr. XI 41, 2.
2: Vgl. S. 96 Anm. 1.
3: Contra Vigil. 1 nennt er den Vigilantius Dormitantius (BKV XV 303).
4: Dan. 2, 34.
5: Is. 14, 14.
6: Esth. 4, 3.
7: Gelegentlich der ἀποκατάστασις πάντων werden nach Origenes auch die Teufel Buße tun (vgl. Contra Joh. Hier. 7—M PL XXIII 376).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger