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Hieronymus († 420) - Briefe
III.a. Polemisch-apologetische Briefe: In eigener Sache
61. An Vigilantius

1.

Eigentlich wäre es das Richtige, Dir, einem Menschen, der nicht einmal seinen eigenen Ohren traut, überhaupt nicht zu schreiben. Denn schließlich wird Dich auch ein Blatt Papier nicht beruhigen, nachdem Du dem lebendigen Wort den Glauben versagt hast. Aber weil uns Christus in seiner Person das Beispiel vollendeter Demut gibt, indem er sogar seinen Verräter küßte 1 und dem reuigen Schächer am Kreuze verzieh, 2 so will ich Dir, der Du fern weilst, wiederholen, was ich Dir bereits hier erklärt habe. Ich habe den Origenes genau so gelesen und lese ihn noch so wie den Apollinaris 3 oder andere Schriftsteller, deren Bücher die [S. 117] Kirche in einzelnen Teilen ablehnt. Damit will ich sagen, daß nicht der gesamte Inhalt dieser Schriften zu verurteilen ist. Nur bestimmte Abschnitte verdienen Ablehnung. Ich bemühe mich im Interesse der Wissenschaft, mit vielen Schriftstellern bekannt zu werden, um aus den vielen die verschiedensten Blumen zu pflücken. Ich nehme viele Schriften zur Hand, ohne damit alles zu billigen, sondern ich suche mir aus, was gut ist. So lerne ich von Vielen Vieles nach dem Schriftwort: „Leset alles und behaltet das Gute!“ 4 Ich bin daher sehr erstaunt, daß Du mich auf die Lehren des Origenes festlegen wolltest, der Du bis heute in den meisten Punkten seine Irrlehren gar nicht erfaßt hast. Ich soll ein Irrlehrer sein? Deshalb bin ich wohl bei den Irrlehrern so gut angeschrieben? Du aber, Du willst ein Rechtgläubiger sein? Ja, hast Du denn nicht gegen Deine innere Überzeugung und im Widerspruch zu Deinen Worten Deine Unterschrift geleistet? Du bist doch zum mindesten ein Querkopf, falls Du es unbewußt tatest, ein Irrlehrer, wenn Du bewußt gehandelt hast. Du hast Ägypten vergessen und kümmerst Dich nicht um alle die anderen Provinzen, in denen viele mit frecher Stirn des Origenes Irrlehren verteidigen, 5 um ausgerechnet mich zu verfolgen, der ich vor aller Öffentlichkeit alle Lehren verurteile, die in Gegensatz zur kirchlichen Auffassung treten.

1: Matth. 26, 49.
2: Luk. 23, 43.
3: Apollinaris von Laodicea (etwa 310—392), dessen Lehrvortrage Hieronymus um 373 in Antiochia hörte. Seine christologischen Irrlehren, die auf mehreren Synoden verworfen wurden, brachten ihn um 352 in Gegensatz zur Kirche.
4: 1 Thess. 5, 21.
5: Hieronymus denkt an den Patriarchen Theophilus von Alexandrien, an Johannes von Jerusalem und Rufin.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger