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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXVII. 7. Predigt auf Epiphanie.

3.

So hat denn der allmächtige Gott unsere nur allzu schlimme Lage einzig und allein durch seine Demut in eine gute umgewandelt und den Tod und dessen Urheber vernichtet1 , indem er all die Unbilden seiner Verfolger ruhig hinnahm und aus Gehorsam gegen seinen Vater selbst die Grausamkeit seiner wütenden Feinde mit größter Sanftmut ertrug. Wie groß muß da erst unsere Demut, unsere Geduld sein, da wir alle Leiden, die uns zustoßen, nur selbst verschuldet haben! "Denn wer kann sich rühmen, daß er ein reines Herz habe oder frei von Sünde sei?"2 . Und wenn der selige Johannes ausruft: "Wenn wir sagen, wir hätten keine Sünde, so führen wir uns selbst in Irrtum und die Wahrheit ist nicht in uns"3 , wo fände sich da jemand, der so schuldlos wäre, daß die Gerechtigkeit nichts an ihm zu tadeln und die Erbarmung nichts zu verzeihen hätte? So besteht denn, Geliebteste, die ganze Lehre der christlichen Weisheit nicht in weitschweifigen Worten oder spitzfindigen Erörterungen, auch nicht im Streben nach Ruhm und Ehre, sondern in wahrer und freiwilliger Demut, die der Herr Jesus Christus vom Mutterschoße bis zum Tode am Kreuze statt aller Stärke erwählt und gepredigt hat. Als sich nämlich seine Jünger so erzählt der Evangelist4 untereinander stritten, "wer von ihnen der größere im Himmelreiche sein würde, rief der Herr ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehrt und nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Wer immer sich also demütigt wie dieses Kind, der ist der größere im Himmelreich." Christus liebt also die Kleinen, deren Natur er zuerst dem Leibe und der Seele nach annahm. Er liebt die Kleinen, da sie uns Demut lehren, ein Vorbild der Unschuld sind und in sich die Sanftmut verkörpern. Er liebt die Kleinen, denn auf sie weist er die Erwachsenen in ihrer Gesinnung hin, und zu Kindern läßt er die Menschen wieder in ihren alten Tagen werden. Und nach seinem Vorbilde erniedrigt er jene , die er zum ewigen Reiche emporführt.

1: 2 Tim 1,10
2: Spr 20,9; vgl. 3 Kön 8,46; 2 Par 6,36; Pred 7,21
3: 1 Joh 1,8.ff.
4: Mt 18,1; Mk 9,33 ff; Lk 9,46ff.

 

 

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Gregor Emmenegger