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Hieronymus († 420) - Briefe
III.a. Polemisch-apologetische Briefe: In eigener Sache
15. An Damasus

4.

Entscheide, bitte! Befiehlst Du es, so nehme ich keinen Anstand, von drei Hypostasen zu reden. Wenn Du es verlangst, so schaffen wir nach dem nizäischen ein neues Glaubensbekenntnis! Wir, die wir den rechten Glauben haben, wollen ihn darin mit den gleichen Worten wie die Arianer bekennen. Alle weltlichen Schulen verstehen unter Hypostase die Natur [S. 85] (oύoia). Wer wird aber so verwegen sein, von drei göttlichen Naturen zu reden? Es gibt in Gott nur eine einzige Natur, die wahrhaft existiert. Denn das, was schlechthin existiert, bezieht sein Dasein nicht anderswoher, sondern hat es aus sich selbst. Die übrigen Dinge, welche erschaffen sind, bestehen nicht im wahren Sinne des Wortes, auch wenn sie zu bestehen scheinen. Es gab einmal eine Zeit, in der sie nicht gewesen sind. Was aber einmal nicht gewesen ist, kann wieder einmal nicht mehr sein. Der Begriff des wesenhaften Seins kommt nur Gott zu, der ewig ist und keinen Anfang kennt. Deshalb spricht er auch zu Moses aus dem brennenden Dornbusche: „Ich bin, der ich bin“; und wiederum: „Der da ist, hat mich gesandt.“ 1 Es gab doch damals Engel, Himmel, Erde, Meere. Wie kann nun Gott den allen Dingen gemeinschaftlichen Begriff des Seins sich in besonderer Weise vorbehalten? Weil nur die göttliche Natur allein unerschaffen ist, und weil den drei Personen nur eine Gottheit zugrunde liegt, die wahrhaft besteht und nur eine Natur ausmacht. Wer da von einer Dreiheit im Sinne von drei Hypostasen spricht, versucht unter dem Schein der Frömmigkeit, sich für drei Naturen einzusetzen. Wenn dem aber so ist, warum richten wir Scheidewände auf zwischen uns und den Arianern, wo uns die gleiche unehrliche Gesinnung zusammenführen müßte? Dann kann auch Ursinus 2 mit Deiner Heiligkeit Gemeinschaft pflegen und ebenso Auxentius 3 mit Ambrosius. Das sei fern vom römischen Glauben! Einen solchen Frevel mögen die Seelen der gläubigen Völker nicht auf sich laden. Es möge genügen, wenn wir von einer Natur sprechen [S. 86] und zugleich drei für sich bestehende, vollkommene, gleiche und gleichewige Personen anerkennen. 4 Man schweige, bitte, von den drei Hypostasen und begnüge sich damit, an einer festzuhalten. Es scheint immerhin verdächtig, wenn man bei Übereinstimmung in der Sache in den Bezeichnungen auseinandergeht. Mir genüge der Glaube, wie ich ihn eben darlegte! Hältst Du es aber für gut, dann schreibe, daß wir von drei Hypostasen reden sollen! Dann lehne ich dies nicht ab, wenn vorher die Bedeutung dieses Begriffes entsprechend klargestellt ist. Aber glaubet mir, hinter dem Honig lauert das Gift. 5 Der Engel Satans hat sich in einen Engel des Lichts verwandelt. 6 Sie deuten das Wort Hypostase ganz richtig. Sage ich aber, daß ich mit ihnen übereinstimme, dann stempeln sie mich zum Irrlehrer. Warum halten sie denn so ängstlich gerade an diesem einen Worte fest? Was versteckt sich hinter ihrer zweideutigen Redeweise? Wenn ihr Glaube mit der Erklärung, die sie geben, übereinstimmt, dann mache ich ihnen wegen ihrer Meinung weiter keinen Vorwurf. Wenn aber mein Glaube mit ihrer angeblichen Auffassung übereinstimmt, dann mögen sie auch mir das Recht zugestehen, das, was sie glauben, mit meinen Worten auszudrücken.

1: Exod. 3, 14.
2: Ein römischer Diakon, welcher 366 nach der Wahl des Damasus von einer Gegenpartei zum Bischof von Rom ausgerufen wurde.
3: Auxentius der Jüngere, ein Arianer, der dem hl. Ambrosius bald nach seiner Weihe als Gegenbischof den Mailänder Stuhl streitig machte.
4: Vgl. zu dieser Terminologie das Athanasianum.
5: Ovid, Amores I 8, 104.
6: 2 Kor. 11, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger