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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

7.

Bei ruhigem Überlegen mag in Dir das Bedenken aufsteigen: „Wie erklärt es sich, daß ich, Dein Mahner, nicht so bin, wie ich Dich haben möchte?“ Wenn Du dazu noch die Beobachtung machst, wie einige während der Reise zusammenbrechen, so kann ich nur kurz antworten: „Was ich sage, sind nicht meine, sondern des Herrn und Heilandes Worte.“ Ich rufe nicht auf zu dem, was ich selber vermag, sondern zu dem, was der wollen und tun soll, der ein Diener Christi werden will. Auch die Ringkämpfer sind kräftiger als jene, die sie salben. Und dennoch feuert der Schwächere den Stärkeren zum Kampfe an. Schaue nicht auf den Verräter Judas, sondern auf den zum Glauben kommenden Paulus! Jakob, eines sehr reichen Mannes Sohn, zieht allein, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche, nur mit [S. 79] einem Stocke bewaffnet, nach Mesopotamien. Von der Reise ermüdet, bleibt er unterwegs liegen, und der von seiner Mutter Rebekka verzärtelte Sohn bedient sich eines Steines als Kopfkissen. Da sieht er die Leiter die von der Erde zum Himmel reicht, und die Engel, die an ihr auf und ab steigen. Er schaut oben an der Spitze den Herrn, der den Ermatteten die Hand reicht und die Aufsteigenden durch seinen ermutigenden Anblick zu weiterer Anstrengung aufmuntert. Deshalb heißt auch dieser Ort Bethel, d.h. Haus Gottes. 1 Da steigt man Tag für Tag auf und nieder. Die Heiligen stürzen, wenn sie nachlassen, und die Sünder gelangen bis zur obersten Sprosse, wenn sie ihre Vergehen durch die Tränen der Buße abwaschen. Warum sage ich dies? Die Herabsteigenden sollen Dich nicht schrecken, wohl aber mögen die Emporklimmenden Dich aneifern! Niemals nimmt man sich ein Beispiel an den Bösen. Auch in den irdischen Dingen geht der Anreiz zur Tüchtigkeit immer von der besseren Seite aus.

Im Gegensatz zu meiner ursprünglichen Absicht und den durch die Briefform gesetzten Grenzen möchte ich für Dich noch mehr diktieren. Gemessen an der Erhabenheit des Gegenstandes und an Deinen Verdiensten ist das, was ich gesagt habe, viel zu wenig. Aber unser lieber Ausonius verlangt schon energisch nach den Briefblättern und drängt die Schreiber. Während das feurige Roß wiehert, ärgert sich der Eilige über meinen trägen Geist. Gedenke meiner und gehab Dich wohl in Christus! Zum Schlusse noch eine Mahnung. Folge dem Beispiele der heiligen Vera 2 in Deinem eigenen Hause, die, eine wahre Nacheiferin Christi, alle Beschwerden der irdischen Wanderschaft auf sich nimmt. Ist sie auch nur eine Frau, Führerin sei sie Dir dennoch zu wahrem Heldentum! 3
[S. 80]

1: Gen. 28, 11 ff.
2: Die sonst unbekannte Vera dürfte Julians Schwester sein.
3: Vergil, Aen. I 364.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger