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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

6.

In meinen Worten soll keine Herabsetzung dessen liegen, was Du bisher Edles getan hast. Ich will Deine Freigebigkeit und Deine Werke der Nächstenliebe nicht schmälern. Aber ich wünsche nicht, daß Du als Mönch unter den Weltmenschen oder als Weltmensch unter den Mönchen lebst. Nachdem ich erfahren habe, daß Du vorhast, Dich dem Dienste Gottes zu widmen, will ich, daß Du ganze Arbeit machst. Sollte ein Freund, ein Schmarotzer oder ein Verwandter meinem Rate entgegentreten und Dich zu den Freuden einer üppigen Tafel zurückrufen, so bedenke, daß es ihm nicht um Deine Seele, sondern um seinen Bauch geht! Vergiß nicht, daß ein plötzlicher Tod allem Reichtum, allen irdischen Genüssen ein jähes Ende bereiten kann! Innerhalb zwanzig Tagen hast Du zwei Mädchen im Alter von acht und sechs Jahren verloren, und Du, ein Greis schon, willst mit einer langen Lebensdauer rechnen? Mag eines Menschen Leben sich auch lange hinziehen, so bleibe er der Worte Davids eingedenk: „Die Tage unseres Lebens belaufen sich auf siebzig Jahre; sind es [S. 78] mehr, so werden es achtzig. Was darüber hinausgeht, ist Mühsal und Plage.“ 1Glücklich und selig gepriesen sei der, dessen Greisenalter im Dienste Christi steht, der als Streiter des Erlösers den Todestag erwartet! Er wird nichts zu fürchten haben, wenn er mit seinen Feinden am Tore spricht. 2 An der Pforte des Paradieses vernimmt er das Wort: „Während Deines Lebens hast Du Deinen Anteil am Übel erfahren, hier aber sollst Du Dich jetzt freuen.“ 3 Denn der Herr straft in derselben Sache nicht zweimal. Der in Purpur gekleidete reiche Prasser wurde eine Beute der Hölle; der arme, mit Geschwüren bedeckte Lazarus aber, dessen eiterndes Fleisch die Hunde leckten, der kaum von den Brosamen vom Tische des Reichen sein Leben kärglich fristen konnte, findet in väterlicher Huld Aufnahme in Abrahams Schoß. 4 Es ist schwer, ja geradezu unmöglich, hienieden und im Jenseits glücklich zu sein, hier den Leib vollzupfropfen, dort im Überflusse geistige Freude zu kosten, von irdischen zu ewigen Genüssen hinüberzuwechseln. Man kann nicht in beiden Weiten der erste sein, im Himmel und auf Erden zu Ehre kommen.

1: Ps. 89, 10.
2: Ebd. 126, 5.
3: Luk. 16, 25.
4: Ebd. 16, 20 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger