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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

5.

Du darfst Dich auch nicht mit dem Adel Deiner Herkunft und den auf dem Reichtum lastenden Verpflichtungen ausreden. Denke an den heiligmäßigen [S. 75] Pammachius oder an den Priester Paulinus, einen Mann voll des Eifers für den Glauben, die sich mit ihrer Person, nicht bloß mit ihrem Reichtum Gott hingegeben haben! Im Kampfe gegen die Nachstellungen des Teufels opferten sie nicht nur Haut um Haut, sondern auch ihr Fleisch und ihr Gebein, ja selbst ihre Seele dem Herrn. 1 Sie können Dir durch Beispiel und Wort, durch Tat und Lehre Führer zu Höherem sein. Du bist vornehmer Herkunft wie sie, sie aber sind in Christus noch vornehmer. Du bist reich und geehrt, auch sie; oder richtiger, aus reichen und geehrten Männern wurden arme und schlichte Leute. Aber gerade dadurch, daß sie für Christus arm und unbekannt wurden, gewannen sie an Reichtum und Ehre. Es verdient alle Anerkennung, daß Du mit Deinem Vermögen die Diener Gottes unterstützest, den Mönchen Gutes tust und die Kirchen mit reichen Stiftungen bedenkst. Aber das sind doch schließlich nur die Anfänge des Soldatentums Christi. Du verachtest das Gold. Das haben auch viele Weltweise getan. Um von den übrigen zu schweigen, will ich nur den einen erwähnen, der den Erlös seiner reichen Besitzungen ins Meer warf mit den Worten: „Hinab mit euch, ihr bösen Begierden, in die Tiefen des Meeres! Ich will euch versenken, damit ich nicht von euch versenkt werde.“ 2 Dieser Philosoph, ein Sklave der Eitelkeit, ein Häscher nach feiler Volksgunst, befreit sich ein für allemal von seinem ganzen Gepäck, und Du, der Du vom Ganzen nur einen Teil opferst, wähnst, den Gipfel der Vollkommenheit erklommen zu haben? Nach Dir selbst verlangt der Herr als nach einem lebendigen, ihm wohlgefälligen Opfer. 3 Ich wiederhole, Dich will er, nicht Deine Güter. Die mannigfaltigen Heimsuchungen, welche Dich trafen, waren Gottes Weckruf; denn nur durch viel Plage und Leid läßt sich Israels Volk belehren. 4 Wen der Herr [S. 76] lieb hat, den sucht er heim; wen er zu seinem Kinde macht, den züchtigt er. 5 Die arme Witwe warf zwei kleine Geldstücke in den Opferkasten. Weil sie aber ihren ganzen Besitz herschenkte, deshalb gilt von der Gabe, die sie Gott opferte, daß sie mehr wert war als die der Reichen. 6 Denn die Gabe wird nicht nach dem Gewicht, sondern nach der Gesinnung des Spenders eingeschätzt. Wenn auch viele aus Deinem Reichtum bedacht wurden, wenn nicht wenige sich Deiner Freigebigkeit erfreuen durften, so gibt es noch viel mehr, denen Du nichts gespendet hast. Selbst die Schätze eines Darius und der Reichtum eines Krösus langen nicht hin, 7 um allen Armen zu helfen. Gibst Du Dich aber selbst dem Herrn hin, zeigst Du Dich vollkommen in der apostolischen Tugend, fängst Du an, dem Heiland nachzufolgen, dann wirst Du erst erkennen, wie weit Du noch zurück bist, wie Du im Heere Christi den letzten Platz einnimmst. Du hast Deinen verstorbenen Töchtern nicht nachgetrauert, und die Scheu vor Christus hat die väterlichen Tränen auf Deinen Wangen getrocknet. Wieviel höher steht Abraham da, der seinen einzigen Sohn wenigstens dem Willen nach schlachtete 8 und keinen Augenblick zweifelte, daß der, welcher durch göttliche Verheißung zum Erben der Welt bestimmt war, trotz Isaaks Tode siegen werde. 9 Jephte hat seine jungfräuliche Tochter geopfert, und deshalb zählt ihn der Apostel mit unter den Heiligen auf. 10 Ich will nicht, daß Du nur das opferst, was Dir ein Dieb rauben, der Feind verwüsten, eine Achtserklärung enteignen kann. Das sind Dinge, die kommen und gehen, die den wogenden Wellen gleich von verschiedenen, einander folgenden Herren in Besitz genommen werden, Dinge, die Du, um es kurz zu sagen, hier zurücklassen [S. 77] mußt, ob Du willst oder nicht. Opfere dem Herrn was Dir kein Feind rauben, keine Gewaltherrschaft entreißen kann, was Dich in die Unterwelt d.h. in das Himmelreich und in die Freuden des Paradieses begleitet. Du erbaust Klöster und sorgst für den Lebensunterhalt einer großen Zahl von Mönchen, die sich auf den dalmatinischen Inseln niedergelassen haben. Noch besser würdest Du handeln, wenn Du selbst als Heiliger unter Heiligen leben wolltest. „Seid heilig, weil auch ich heilig bin“, 11 spricht der Herr. Die Apostel sind stolz darauf, daß sie alles verließen und dem Herrn nachfolgten. 12 Wir hören aber nirgends, daß sie mehr als ihre Netze und Schiffe verlassen hätten. Dennoch wird ihnen nach dem Zeugnis des einstigen Richters eine himmlische Krone zugesichert. 13 Sie haben eben sich selbst hingegeben und damit alles geopfert, was sie besaßen.

1: Job 2, 4.
2: Vgl. BKV II. Reihe XVI 173 Anm. 4.
3: Röm. 12, 1.
4: Jer. 31, 18.
5: Sprichw. 3, 12 (nach LXX); Hebr. 12, 6.
6: Mark. 12, 42 ff.; Luk. 21, 1 ff.
7: Vgl. S. 43 Anm. 3.
8: Gen. 22, 10.
9: Gemeint ist der Messias.
10: Richt. 11, 39; Hebr. 11, 32.
11: Lev. 11, 44; 19, 2.
12: Matth. 19, 27.
13: Ebd. 19, 28.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger