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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

4.

Ich überlasse es anderen, ein lautes Lob anzustimmen auf Deinen Sieg gegen den Satan und zu sagen: „Heiteren Antlitzes hast Du den Tod Deiner Töchter ertragen. Vierzig Tage nach ihrem Hinscheiden hast Du das Trauerkleid abgelegt und der Weihe der Gebeine eines Märtyrers 1 in weißem Gewande beigewohnt. Laut frohlockend hast Du teilgenommen an der zu seiner Ehre veranstalteten Festprozession. Nur Du hast den Schmerz über Dein Alleinsein, den die ganze Stadt mitfühlte, nicht empfunden. Du hast Deine fromme Gattin nicht wie eine Tote, sondern wie eine, die eine Reise antritt, hinausgeführt.“ Ich will Dich nicht durch Schmeicheleien irreführen und durch ein zweifelhaftes Lob betören. Ich will lieber sagen, was Dir zu hören frommt: „Mein Sohn, willst Du in den Dienst Gottes treten, dann sei Deine Seele auf Prüfungen gefaßt!“ 2 Oder: „Wenn Du alles getan hast, so sprich: Ich bin ein unnützer Knecht; ich habe nur getan, was ich tun mußte. 3 Du, o Herr, hast mir nur die Kinder fortgenommen, die Du selbst mir gegeben hast; Du hast eine [S. 73] Magd zurückverlangt, die Du mir für kurze Zeit als Aushilfe geliehen hattest. Ich zeige mich darüber keineswegs traurig, daß Du mir diese Dinge wieder entzogen hast, sondern ich weiß Dir Dank dafür, daß Du sie mir einst gewährt hast.“ Einmal rühmte sich ein reicher Jüngling, daß er alle Vorschriften des Gesetzes erfüllt habe. Der Herr aber antwortet ihm im Evangelium: „Eins fehlt dir noch. Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Dann komme und folge mir nach!“ 4 Er, der alles glaubte erfüllt zu haben, versagt, vor eine wichtige Entscheidung gestellt, zum ersten Male und kann sich von seinem Reichtum nicht losmachen. Deshalb ist es für die Reichen auch so schwierig, ins Himmelreich einzugehen; 5 denn es verlangt Insassen, die von jeglichem Ballaste frei und leichtbeschwingt sind. Der Herr sagt: „Gehe hin und verkaufe alles, was du hast — nicht etwa nur einen Teil deines Vermögens —, und verschenke es, nicht an die Verwandten oder Freunde, an die Gattin oder die Kinder.“ Ich will noch ein Weiteres hinzufügen: „Behalte auch nicht etwas für Dich zurück für den Fall der Not, damit Du nicht wie Ananias und Saphira verurteilt wirst. 6 Gib alles den Armen und schaffe Dir mit dem ungerechten Mammon Freunde, die Dich in die ewigen Wohnungen aufnehmen! 7 So wirst Du mir nachfolgen, den Herrn der Welt zum Besitztum haben und mit dem Propheten wirst Du singen können: Der Herr ist mein Anteil!“ 8 Als echter Levit sollst Du von der irdischen Erbschaft ausgeschlossen sein. 9 — Soweit mußt Du es bringen, wenn Du vollkommen sein, wenn Du Dich zum Gipfel apostolischer Würde hinaufarbeiten, wenn Du Dein Kreuz auf Dich nehmen, dem Herrn folgen 10 und, ohne rückwärts zu schauen, die Hand an den Pflug legen [S. 74] willst. 11 Wenn Du auf dem Dache weilst, mußt Du Deine alten Kleider im Stiche lassen. 12 Du mußt den Mantel der Welt preisgeben, um den Nachstellungen der ägyptischen Herrin zu entgehen. 13 Deshalb kann auch Elias bei seiner Himmelfahrt keinen Mantel gebrauchen, sondern er läßt die Kleider dieser Welt auf die Welt herabfallen. 14 Doch ich höre Dich einwenden: „Das sind Ziele, vorbehalten den Aposteln und dem, der vollkommen sein will.“ Ja, warum willst Du nicht vollkommen sein? Warum willst Du, der Du auf Erden zu den ersten gehörst, nicht auch der erste in der Familie Christi sein? Etwa, weil Du eine Frau hast? Auch Petrus hatte eine Frau, und dennoch verließ er sie samt dem Netze und dem Schifflein. 15 In seiner weisen Vorsehung hat Dir Gott, dem aller Heil am Herzen liegt, der die Buße des Sünders seinem Tode vorzieht, 16 auch diese Ausrede abgeschnitten, damit Deine Gattin Dich nicht zum Irdischen herabziehe, sondern auf daß Du ihr folgest, wenn sie Dich zum himmlischen Reiche emporheben will. Gib Deinen Kindern, die Dir voran zum Herrn gegangen sind, ihren Anteil am Vermögen! Was ihnen zukommt, soll zur Rettung Deiner Seele und zum Unterhalte der Armen dienen und nicht das Besitztum ihrer Schwester noch vermehren. Das ist das Geschmeide, welches Deine Töchter von Dir fordern. Mit solchen Edelsteinen wollen sie ihr Haupt geschmückt wissen. Was als seidenes Gewand dem Untergang geweiht war, soll als schlichte Kleidung der Armen dauernden Wert erhalten. Von Dir verlangen sie ihren Anteil. Jetzt, wo sie mit dem Bräutigam vereint sind, wollen sie nicht arm und unansehnlich dastehen, sondern sie wollen standesgemäß mit ihrem Eigentum ausgestattet sein.

1: Übertragung des Leichnams eines Märtyrers aus den Coemeterien oder Katakomben und Beisetzung in einer Kirche.
2: Eccli. 2, 1.
3: Luk. 17, 10.
4: Matth. 19, 21; Mark. 10, 21.
5: Matth. 19, 24.
6: Apg. 5, 1 ff.
7: Luk. 16, 9.
8: Ps. 72, 26; Klagel. 3, 24.
9: Jos. 14, 3; 18, 7.
10: Matth. 16, 24; Luk. 9, 23.
11: Luk. 9, 62.
12: Matth. 24, 17; Mark. 13, 15; Luk. 17, 31.
13: Gen. 39, 7 ff.
14: 4 Kön. 2, 13.
15: Matth. 4, 20.
16: Ezech. 18, 23.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger