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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

3.

Einst ein wohlhabender Herr und ein mit Kinderreichtum gesegneter Vater, steht Job mit einem Schlage verlassen und von allem entblößt da. Trotz all dieser Heimsuchungen sündigte er nicht gegen den Herrn, sondern hielt sich frei von törichten Reden. 1 Über den Sieg seines Dieners freute sich deshalb der Herr, der in dessen Geduld seinen eigenen Triumph wahrnahm. Er fragte den Teufel: „Hast du meinen Diener Job gesehen, dem niemand auf Erden gleichkommt? Ein Mann, frei von Schuld, ein wahrer Verehrer Gottes, der sich von allem Bösen fernhält und bislang in seiner Unschuld verharrt?“ 2 Treffend heißt es: „Er verharrt bislang in seiner Unschuld.“ Denn für den Unschuldigen ist es schwer, das Unglück, wenn es ihn verfolgt, ohne Klage hinzunehmen [S. 71] und nicht gerade deshalb am Glauben Schiffbruch zu leiden, weil er sieht, daß er ungerecht dulden muß. Der Satan aber antwortete dem Herrn: „Haut um Haut, alles, was der Mensch hat, gibt er hin für sein Leben. Doch strecke Deine Hand aus, berühre sein Gebein und sein Fleisch, dann wirst Du sehen, wie er Dir ins Angesicht flucht.“ 3 Dieser schlaueste aller Gegner, der von jeher im Bösen verhärtet ist, 4 kennt genau den Unterschied zwischen den äußeren Gütern, der auch den Weltweisen geläufig ist, wenn sie von den ἀδιάφορα, d.h. den indifferenten Dingen, reden, und den inneren mit der Natur verbundenen Gütern, deren Mangel den Verlierenden mit Schmerz erfüllt. Der Verzicht auf die ersteren und deren Verachtung bedeutet noch keine vollkommene Tugend. Daher auch Satans kecker Widerspruch gegen Jobs Verherrlichung durch Gott. Er läßt das Lob auf den, der nichts an seiner Person, sondern nur äußere Dinge eingebüßt hat, nicht gelten. Hat doch Job nach Satans Auffassung statt seiner Haut nur die Haut seiner Kinder hingegeben, nur seinen Geldbeutel geopfert, um seine Gesundheit zu retten. Daraus mag Dein kluger Sinn zu der Einsicht kommen, daß auch Du bei all Deinen Heimsuchungen noch nicht über diesen Punkt hinausgekommen bist, sondern nur Haut um Haut, Fell um Fell geopfert hast und bereit bist, alles für Dein Leben hinzugeben. Bisher hat sich Gottes Hand noch nicht gegen Dich ausgestreckt, um Dein Fleisch anzutasten und Deine Gebeine zu zerschlagen. Noch ist der Augenblick nicht gekommen, in dem es schwer wird, den Aufschrei des Schmerzes zu unterdrücken und vom Segen, 5 d.h. hier von der Lästerung Gottes, abzustehen. In diesem Sinne soll nach dem Bericht der Königsbücher Naboth Gott und den König [S. 72] gesegnet haben, und dafür wurde er vom Volke gesteinigt. 6

Gott aber wußte, daß sein Held, dieser starke Recke, auch im heftigsten und schwersten Kampfe seinen Mann stellen würde. Deshalb spricht er: „Siehe, ich übergebe ihn deiner Gewalt, nur schone seine Seele!“ 7 Das Fleisch des heiligen Mannes wird der Macht Satans ausgeliefert, nur die Unverletzlichkeit der Seele bedingt sich Gott aus. Hätte sich nämlich der Teufel an der Seele, dem Sitz der Sinne und des Denkens, vergriffen, dann wäre Job für einen etwaigen Fehltritt ohne Verantwortung geblieben. Vielmehr hätte sie den getroffen, der an der Seele Verwirrung schuld trug.

1: Job 1, 22.
2: Ebd. 2, 3.
3: Job 2, 4 f.
4: Dan. 13, 52.
5: Benedicere (Job 2, 5) hat die Bedeutung „den Abschied geben“ im üblen Sinne = fluchen.
6: 3 Kön. 21, 10. 13.
7: Job 2, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger