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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

2.

Ich habe vernommen, daß Du in kurzem Abstande, ja fast zu gleicher Zeit zwei kleine Töchterlein begraben [S. 69] hast. Dazu kam noch der plötzliche Verlust Faustinas, Deiner in Tugend und Treue erprobten Gattin, die durch die Glut ihres Glaubens schon mehr Deine Schwester geworden war. Dieser unerwartete Schlag traf Dich um so härter, weil sie Dein einziger Trost war nach dem Tode Deiner Kinder. Es erging Dir wie dem Schiffbrüchigen, der am Gestade Räubern in die Hände fällt und auf der Flucht vor dem Bären, wie der Prophet sich ausdrückt, in den Rachen des Löwen eilt oder von einer Schlange in die Hand gebissen wird im Augenblicke, wo er sich an der Mauer zu stützen sucht. 1 Dazu hast Du noch an Deinem Vermögen Einbuße erlitten, als die gesamte Provinz durch barbarische Horden verwüstet wurde. Hierbei wurdest Du, abgesehen von der allgemeinen Plünderung, noch ganz besonders an Deinem Eigentum geschädigt. Deine Rinder- und Schafherden hat man weggetrieben, die Knechte überwältigt und ermordet. Zu guter Letzt hat Dir Dein Schwiegersohn — Einzelheiten seien übergangen —, der die einzige Dir gebliebene Tochter heimführte, an der Du nach all den Verlusten mit ganz besonderer Liebe hingst, trotz seiner vornehmen Herkunft mehr Kummer als Freude bereitet. Damit habe ich die Prüfungen, die über Dich gekommen sind, aufgezählt, den Kampf geschildert, den Julian, der angehende Streiter Christi, mit dem alten Erbfeinde führen mußte. Von Dir aus gesehen, handelt es sich keineswegs um Kleinigkeiten; aber gemessen am größten aller Kämpfer, ist es nur ein Kinderspiel, nur ein Schatten eines Kampfes. Dem frommen Job verblieb nach all den schlimmen Heimsuchungen nichts weiter als ein keifendes Weib, das ihn zur Gotteslästerung verführen wollte. 2 Dir aber wurde die beste Gattin genommen, damit Du des Trostes in Deinem Elend entbehren möchtest. Es ist ein großer Unterschied, ob Du jemand ertragen sollst, den Du nicht leiden magst, oder ob Du Dich nach einer geliebten Person sehnst. Ihm verblieben nach dem [S. 70] Tode aller seiner Kinder nur noch die Trümmer eines Hauses, die ihnen zum Grabe wurden. Mit zerrissenen Kleidern, die den Schmerz des Vaters andeuten, warf er sich zur Erde nieder und betete: „Nackt bin ich aus dem Schöße meiner Mutter hervorgegangen; nackt werde ich zurückkehren. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen. Der Name des Herrn sei gebenedeit.“ 3 Du hast, um es kurz zu sagen, die Deinigen bestattet unter den Beweisen der Teilnahme der vielen Verwandten und tröstenden Freunde. Job hat auf einen Schlag seinen ganzen Reichtum verloren, und als eine Hiobspost die andere jagte, ließ er sich nicht das geringste anmerken. An ihm erwies sich als wahr, was vom Weisen gesagt wird: „Wenn die Welt in Stücke geht, so werden die Trümmer einen Unerschrockenen treffen.“ 4 Du hast noch den größeren Teil Deines Vermögens retten können, damit die Prüfung nicht über Deine Kraft gehe. 5 Denn Du bist noch nicht zu dem Grade der Vollkommenheit gelangt, daß Du einem Generalangriff gewachsen wärest.

1: Amos 5, 19.
2: Job 2, 9.
3: Job 1, 19 ff.
4: Horaz, Carm. III 3, 7 f.
5: 1 Kor. 10, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger