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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
118. Mahnschreiben an Julian

1.

Ausonius, mein Sohn und Dein Bruder, stand kurz vor seiner Abreise, als er mir reichlich spät die Ehre seines Besuches schenkte, um sie mir gleich wieder zu entziehen. In diesem Augenblicke, in dem er sich zugleich einführte und verabschiedete, kam er sich vor wie einer, der mit leeren Händen zurückkehrt, wenn er Dir [S. 68] nicht ein kleines Andenken von mir, sei es auch nur ein hastig hingeworfenes, mitbringen dürfe. Schon waren die Reisepapiere ausgestellt, das Postpferd gesattelt. Schon hatte sich der vornehme Jüngling mit der purpurnen Tunika bekleidet und das Wehrgehenk umgetan. Da zwang er mich, rasch einen Schreiber zu holen und in aller Eile zu diktieren. Kaum konnte die geübte Hand den Worten folgen, und die Niederschrift mußte dem flotten Diktate nachhetzen. So unterbreche ich denn mein langes Stillschweigen leider nicht mit einem sorgfältig ausgearbeiteten, sondern nur mit einem in aller Hast diktierten Briefe in der Erwartung, daß Du mit meinem guten Willen fürlieb nimmst. Der Brief ist improvisiert, die Anordnung der Gedanken läßt zu wünschen übrig, die Worte sind schlicht und ungekünstelt Nur der Freund, nicht aber der geschulte Rhetor soll aus dem Briefe zu Dir sprechen. Berücksichtige, daß ihn einer, der reisefertig wartet, sozusagen als Wegzehrung mitnehmen muß. Die Hl. Schrift sagt: „Ein Wort zur Unzeit ist wie Musik in Tagen der Trauer.“ 1 Darum habe ich auf glänzende Darstellung und knabenhaft rhetorische Künstelei verzichtet, mich um keine Regeln der Schule und etwaigen Beifall gekümmert, sondern ich habe mich zu den ernsten Worten der Hl. Schrift geflüchtet, in der wir die wahre Arznei für unsere Wunden und die wirksamsten Heilmittel gegen unseren Schmerz finden können. Sie berichtet, wie die Mutter ihren einzigen Sohn von der Totenbahre zurückerhält, 2 wie in Gegenwart der drängenden Volksmenge das Wort verlautet: „Das Mädchen ist nicht tot, es schläft nur.“ 3 Dort lesen wir, wie Lazarus, der schon den vierten Tag im Grabe schlummert, eingewickelt in die Totenbinden, auf den Zuruf des Herrn ins Leben zurückkehrte. 4

1: Eccli. 22, 6.
2: Luk. 7, 15.
3: Mark. 5, 39.
4: Joh. 11, 43 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger