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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.

Sermo XXXVI. 6. Predigt auf Epiphanie.

1.

Geliebteste! Den Tag, an welchem zum ersten Male Christus, der Heiland der Welt, den Heiden erschien, müssen wir in frommer Verehrung festlich begehen. Heute wollen wir in unserem Herzen jene Freude empfinden, welche die Brust der drei Weisen beseelte, als sie veranlaßt durch das Licht und die Führung des neu erschienenen Sternes den in leiblicher Gestalt anbeten, an dessen Verheißung sie geglaubt hatten. Wäre doch die Bedeutung jenes Tages nicht voll gewürdigt, wenn man annehmen wollte, daß die Wirksamkeit des göttlichen Erlösungswerkes, die sich damals offenbarte, nunmehr aufgehört hat und uns außer der Kunde jenes Ereignisses, das man gläubig hinnehmen und durch eine Gedächtnisfeier ehren muß, weiter nichts zuteil geworden ist. Nein, Gott spendet uns seine Gaben in noch reichlicherem Maße, und tagtäglich erfährt auch unser Zeitalter, was jenen ersten Tagen widerfuhr. Freilich führt uns der Abschnitt aus der Evangeliengeschichte eigentlich nur jene Zeit vor Augen, in der drei Männer, die weder die Stimme eines Propheten belehrt noch das Zeugnis des Gesetzes unterwiesen hatte, aus dem fernsten Osten gezogen kamen, um Gott zu schauen, allein dieser Vorgang wiederholt sich heutzutage das sieht man ganz deutlich noch häufiger und augenscheinlicher in der Erleuchtung aller derer, die zum Glauben berufen werden. So erfüllt sich also die Prophezeiung des Isaias, der ausrief: "Gezeigt hat der Herr seinen heiligen Arm vor dem Angesichte aller Völker, und alle Stämme der Erde haben das Heil gesehen, das von dem Herrn, unserem Gotte, ausgeht"1 . "Sie, denen nichts über ihn verkündet worden, werden sehen, und jene, die nichts gehört haben, werden erkennen"2 . Wenn wir darum wahrnehmen, wie Leute, die bisher ganz dem Wissen dieser Welt gehuldigt hatten und von dem Glauben an Jesus Christus weit entfernt waren, nunmehr von ihren gewaltigen Irrwegen abgebracht und zur Erkenntnis des wahren Lichtes berufen werden, so entspringt eine solche Wandlung zweifellos der Erleuchtung durch die göttliche Gnade. Und jeder Schimmer des wahren Lichtes in den Herzen derer, die im Dunkeln dahinleben, ist ein Strahl eben jenes Gnadensternes. Dieser besitzt die Kraft, jene, die er mit seinem Glanze trifft, durch seine wunderbare Erscheinung aufzurütteln und zur Anbetung Gottes zu führen, indem er ihnen auf diesem Wege voran zieht. Und wenn wir endlich durch genaues Zusehen wissen wollen, wie von allen Menschen, die sich Christus gläubig nähern, jene dreifache Unterscheidung der Geschenke bei ihren Opfern eingehalten werden kann, so frage ich: "Bringen denn die Rechtgläubigen nicht dieselben Gaben wie jene Weisen dar?" Weiht doch jener dem Herrn Gold aus der Schatzkammer seines Herzens, der ihn als den König des Weltalls anerkennt. Macht ihm doch der die Myrrhe zum Geschenk, der an der Annahme der wahren menschlichen Natur durch den eingeborenen Sohn Gottes gläubig festhält. Erweist ihm doch jener gewissermaßen durch Weihrauch seine Verehrung, der bekennt, daß Christus in nichts der Majestät des Vaters nachsteht.

1: Is 52,10
2: ebd 52,15; vgl .Röm 15,21

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger