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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXVI. 6. Predigt auf Epiphanie.

4.

So hat denn, Geliebteste, die Friedenszeit, in der wir leben, ihre Gefahren. Und vergebens wähnen sich die wegen der freien Ausübung des Glaubens in Sicherheit, die ihren lasterhaften Neigungen nicht Einhalt tun. Das Herz des Menschen offenbart sich in der Beschaffenheit seiner Werke, und den Zustand seiner Seele erkennt man aus der Art seines Handelns. So gibt es, wie der Apostel sagt, gewisse Leute, "die vorgeben , Gott zu kennen, in ihren Taten aber ihn verleugnen"1 . Macht man sich doch tatsächlich dieses Vergehens schuldig, wenn das Gute, das uns gepredigt wird, in unserem Inneren keinen Widerhall findet. Freilich fällt die schwache menschliche Natur gar leicht in Sünde und ergibt sich rasch der trügerischen Lust, da jeder Fehltritt etwas Süßes hat. Darum flüchte man sich vor den Begierden seines Fleisches in das Bollwerk seines Geistes! Und eine Seele, die Gott kennt, wende sich ab von den Einflüsterungen ihres feindlichen Verführers! Mag auch die göttliche Langmut ihr zustatten kommen, so hänge man doch nicht deshalb hartnäckig an seinen Verfehlungen, weil die Vergeltung hinausgeschoben wird! Der Sünder baue nicht darum auf seine Sicherheit, weil er unbestraft bleibt; denn hat er die Zeit der Buße verpaßt, so wird sich ihm keine Gelegenheit mehr bieten, Verzeihung zu erlangen. In diesem Sinne sagt der Prophet: "Denn im Tode ist niemand, der deiner gedenkt. Wer aber wird dich in der Hölle bekennen?"2 . Wenn nun einer merkt, daß ihm das Bekehrungswerk recht schwerfällt, so wende er sich an die Barmherzigkeit Gottes, die ihre Hilfe nicht versagt, so flehe er den um Befreiung aus den Banden seines sündigen Wandels an, der alle Strauchelnden stützt und "alle Gebeugten aufrichtet!"3 . Und das Gebet des Gläubigen wird nicht unerhört bleiben, weil der barmherzige Gott "den Willen derer tut, die ihn fürchten"4 . Worum wir ihn bitten, das wird uns der geben, der uns jenen gab, durch den wir ihn bitten sollen: durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und waltet in Ewigkeit. Amen.

1: Tit 1,16
2: Ps 6,6
3: Ps 145,8
4: Ps 144,19

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger