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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXVI. 6. Predigt auf Epiphanie.

3.

Nach unserer Überzeugung war dieser Starkmut, Geliebteste, nicht nur jenen Zeiten vonnöten, in denen die Könige der Welt und all die Machthaber dieser Erde voll Blutgier und Ruchlosigkeit gegen das Volk Gottes wüteten und ihren Hauptruhm darein setzten, in ihren Ländern den christlichen Namen zu vertilgen, ohne dabei zu ahnen, daß ihre grausame Wut nur zum Wachstum der göttlichen Kirche beiträgt. Steigerte sich doch bei den Hinrichtungen und den verschiedenen Todesqualen der seligen Märtyrer infolge der erhebenden Beispiele die Zahl jener, deren Verringerung man erwartet hatte. Und der letzte große Vorteil, der unserem Glauben aus der Bekämpfungsweise seiner Verfolger erwuchs, ist der , daß es nunmehr für die Herrscher keinen schöneren Königsschmuck mehr gibt, als wenn die Gebieter dieser Welt " Glieder des Leibes Christi " sind. Ihre Freude über ihre Wiedergeburt durch die Taufe ist1 viel größer als ihr Stolz auf ihre königliche Abstammung. Nachdem sich aber nunmehr das Unwetter der früheren Stürme gelegt hat und uns infolge der seit langem beendeten Kämpfe eine gewisse Ruhe zu lächeln scheint, müssen wir achtsam jenen Gefahren aus dem Wege gehen, die in der Sicherheit des Friedens selbst ihren Ursprung haben. Der Feind, der durch offene Verfolgungen nichts ausrichtete, läßt jetzt in versteckten Ränken seiner Wut gegen uns freien Lauf, um diejenigen durch Verstrickung in sinnliche Lust zu Fall zu bringen, die er durch verhängte Trübsal nicht wankend zu machen vermochte. Da er also sieht, daß die gläubigen Fürsten ihm nicht mehr zu Willen sind und die unzertrennliche Dreifaltigkeit des einen Gottes ebenso eifrig in den Palästen wie in den Kirchen angebetet wird, schmerzt es ihn, das Blut der Christen nicht mehr vergießen zu dürfen. Er richtet deshalb seine Angriffe auf den Lebenswandel derer, denen er das Leben selbst nicht nehmen darf. Die furchtbare Strafe der Ächtung verwandelt er in verzehrenden Geiz. Und jene, die er durch Verlust2 nicht zu beugen vermochte, verdirbt er durch Habsucht. Seine durch langjährige Übung der ihm eigenen Tücken wohlbewanderte Bosheit hat ihren Haß nicht aufgegeben , sondern nur ihre Kampfesweise geändert , derzufolge sie sich die Herzen der Gläubigen durch lockende Genüsse untertan machen will. In jene, denen er nicht mehr durch Folterqualen beikommen kann, legt er das Feuer sündhafter Begierden. Er sät Zwietracht, schürt den Zorn und schärft die Zungen. Und damit nicht Vorsichtigere seinen Verführungskünsten den Rücken kehren, verschafft er ihnen bequeme Gelegenheiten, ihre Missetaten zu vollbringen. Darin also besteht für ihn die Frucht all seiner Ränke, daß man dem durch alle nur erdenklichen Arten von Verbrechen dient, der nicht mehr durch Opferung von Schafen und Widdern und Verbrennung von Weihrauch verehrt wird.

1: heutzutage
2: ihres Besitzes

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger