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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
75. An Theodora in Spanien: Zum Tode des Lucinus

1.

Die betrübliche Nachricht vom Hinscheiden des heiligen und achtbaren Lucinus hat mich derart bestürzt, daß ich kaum einen kurzen Brief diktieren kann. Sein Los brauche ich nicht zu beklagen; denn ich weiß, daß [S. 57] er in ein besseres Jenseits hinübergegangen ist. Auf ihn treffen die Worte zu: „Ich will hinübergehen und diese große Erscheinung schauen.“ 1 Mich schmerzt, daß ich trotz meiner Sehnsucht nicht würdig war, das Antlitz eines Mannes zu schauen, von dem ich hoffte, daß er binnen kurzem hier eintreffen werde. Der Prophet hat nur allzu recht, wenn er vom unvermeidlichen Tode sagt, daß er Brüder auseinanderreißt 2 und grausam und mitleidlos die zartesten Bande löst. Doch ein Trost bleibt uns. Der Tod wird erdrosselt nach dem Worte des Herrn, der zu ihm spricht: „Ich werde dein Tod sein, o Tod; ich werde dein Biß sein, o Hölle.“ 3 Und etwas später heißt es: „Der Herr wird einen heißen Wind aus der Wüste heranführen, welcher alle seine Adern austrocknet und seinen Lebensquell zum Versiegen bringt.“ 4 Denn ein Reis ist hervorgegangen aus der Wurzel Jesse, und aus dem jungfräulichen Strauche wuchs eine Blume hervor, 5 die im Hohenliede sprechen sollte: „Ich bin die Blume des Feldes und die Lilie der Täler.“ 6 Unsere Blume ist des Todes Untergang. Deshalb ist sie gestorben, damit der Tod an ihrem Tode sterben sollte. Die Wüste aber, aus der der heiße Wind herangeführt wird, ist der jungfräuliche Schoß, der ohne Beiwohnung und ohne Mannessame uns das göttliche Kind schenkte, das durch die Glut des Heiligen Geistes die Quellen der bösen Lust zum Versiegen brachte. Deshalb läßt es sich auch im Psalme vernehmen mit den Worten: „Wie einer, der in wüstem, unwegsamem wasserlosen Lande weilt, so erscheine ich vor Dir in Deinem Heiligtume.“ 7 Beim Gedanken an den unausweichlichen Tod mit seiner harten Grausamkeit richtet uns die tröstliche Zuversicht auf, daß wir jene bald wiedersehen werden, deren Hinscheiden wir betrauern. Denn der Tod ist ja weniger ein Tod als ein Schlummer [S. 58] und Schlaf. 8 Deshalb verbietet uns auch der heilige Apostel, um die Entschlafenen zu trauern; 9 denn wir glauben ja an die Auferstehung der Entschlafenen. Wir wissen, daß sie nach vollendetem Schlummer zusammen mit den Heiligen wachen und mit den Engeln sprechen: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.“ 10 Im Himmel, wo es keine Sünde gibt, wird Gott verherrlicht. In alle Ewigkeit erklingt sein Lob, ununterbrochen wird sein Ruhm verkündet. Auf der Erde jedoch, wo Aufruhr, Krieg und Zwietracht herrschen, muß man um den Frieden flehen, um einen Frieden, dessen nicht alle teilhaftig werden, sondern nur jene, die eines guten Willens sind. 11 Nur diesen gilt der Gruß des Apostels; „Gnade und Frieden spende euch Gott der Vater und Jesus Christus, unser Herr, mehr und mehr.“ 12 Denn Gottes Stätte soll im Frieden sein und seine Wohnung auf Sion, 13 auf der Warte, auf der erhabenen Höhe des Glaubens und der Tugenden, in der Seele des Gläubigen, dessen Engel Tag um Tag Gottes Angesicht schaut und unverhüllten Auges seine Herrlichkeit betrachtet. 14

1: Exod. 3, 3.
2: Osee 13, 15.
3: Ebd. 13, 14.
4: Ebd. 13, 15.
5: Is. 11, 1.
6: Hohel. 2, 1.
7: Ps. 62, 3.
8: Matth. 9, 24; Mark. 5, 39; Luk. 8, 52; Joh. 11, 11. 13.
9: 1 Thess. 4, 13.
10: Luk. 2, 14.
11: Ebd.
12: Röm. 1, 7; 1 Petr. 1, 2.
13: Ps. 75, 3.
14: Matth. 18, 10; 2 Kor. 3, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger