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Hieronymus († 420) - Briefe
II.d. Aszetische Briefe: Trostbriefe
60. An Heliodor: Nachruf auf Nepotian

13.

Wohlan, wenn er sich schon am Anfange seiner Wirksamkeit so bewährte, wie mag sich dann das Ende gestaltet haben? O menschliche Tragik! Ohne Christus ist unser ganzes Leben ein Nichts. 1 Warum schweigt hier meine Zunge? Warum sucht sie auszuweichen? Kann es seinen Tod aufhalten, sein Leben verlängern, wenn [S. 46] wir uns scheuen, von seinem Tode zu sprechen? Alles Fleisch ist Gras, und all seine Herrlichkeit gleicht der Blume des Feldes. 2 Wo ist jetzt das liebliche Antlitz, die würdevolle Haltung des Körpers, mit der er wie mit einem herrlichen Gewande seine schöne Seele umkleidete? Es ist schmerzlich, davon zu sprechen. Des Südwindes glühender Hauch ließ diese Lilie hinwelken, des Veilchens Purpur ging kaum merklich über in die Blässe des Todes. Als er im Fieber glühte und die Hitze den Blutstrom der Adern aufzehrte, da tröstete er, kaum fähig zu atmen, noch den bekümmerten Oheim. Sein Antlitz war heiter, und während alle um ihn herum weinten, lächelte er als einziger. Man hätte dabei sein müssen, wie er die Decke von sich warf, die Hände ausstreckte, zu sehen schien, was anderen unsichtbar war, wie er sich aufrichtete, gleich als wolle er den Besuchern entgegengehen und sie begrüßen. Man hätte angenommen, nicht zum Sterben schicke er sich an, sondern zu einer Wanderung; es handle sich nicht darum, von den Freunden für immer zu scheiden, sondern neue aufzusuchen. Tränen rollen mir über die Wangen, und wie sehr ich auch dagegen ankämpfe, ich kann meinen Schmerz nicht verbergen. Sollte man es für möglich halten, daß er in diesem Zustande sich noch unserer Freundschaft erinnerte und dem Todeskampfe nahe unseres gegenseitigen trauten Verhältnisses gedachte? Er nahm seinen Oheim bei der Hand mit den Worten: „Diese Tunika, die ich im Dienste Christi trug, schicke meinem geliebtesten Freunde, meinem Vater dem Alter, meinem Bruder der priesterlichen Würde nach! Übertrage die Liebe, die Du bisher Deinem Neffen erwiesest, auf den, welchen wir beide so sehr liebten!“ Mit diesen Worten starb er, den Oheim an der Hand, mich in der Erinnerung erfassend.

1: Ps. 38, 6.
2: Is. 40, 6; 1 Petr. 1, 24.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger