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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)

Siebentes Gespräch. Vom heiligen Geiste, daß er Gott ist und aus Gott von Natur.

1.

A. Wenn Einer der Weisen ausruft und Denen, die gern zu arbeiten pflegen, fast zusingt: „Die Frucht guter Mühen ist herrlich,“ wirst du dem Spruche die Wahrheit absprechen oder ihn mit Beifall beklatschen, als trefflich und richtig erdacht? Denn sich mühen zu müssen kommt Heiligen zu.

B. So ist es.

A. Wohlan denn also, auf das Ende der Mühen zugehend laß uns mit größtem Muthe die Hüfte gürten und, angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und das sehr schneidige Schwert des Geistes ergreifend, welches ist das Wort Gottes, und den Helm des Glaubens, wie geschrieben steht, 1 laß uns den Fabeleien der Andersgläubigen mannhaft entgegenziehen, welche den Verstand und die schamlose Zunge schärfen, indem sie den göttlichen Geist selbst [S. 426] kränken und den Verstand der Schwächeren plündern, weil sie dieselben von der fehllosen und wahren Erkenntniß abbringen und gleichsam in die Abgründe des Verderbens stürzen und das Gift ihrer eigenen Thorheit ausgießen, obwohl das Gesetz durch Moses bestimmt: 2 „Ein Mensch, der die ganze Seele eines Menschen schlägt, und [so daß] er stirbt, soll des Todes sterben,“ und Christus klar und deutlich sprach: 3 „Wer Einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert, dem gehört, daß ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt werde.“

B. Sehr groß und unerträglich in der That ist das Gericht von Solchen. Denn indem sie die Brüder mißhandeln und das Gewissen der Schwachen schlagen, sündigen sie gegen Christus. Was aber haben auch sie für eine Lehre?

A. Eine Unlehre [Unsinn] ist es, wenn auch von ihnen Meinung und Lehre genannt wird, was sie zu denken belieben. Ich will aber sehr gerne auf deine Frage antworten. Die Einen nämlich, zu zügelloser Frechheit geneigt und nackter Schamlosigkeit sich bedienend, sagen, geschaffen und geworden sei der Geist Gottes; Andere aber wieder, das Grobe der Lästerung gleichsam verfeinernd, schämen sich zwar, wie billig, dieser Meinung; indem sie aber die dießbezügliche Lehre zu einem feineren Irrthum zudrechseln, sagen sie zwar, er sei nicht Gott, glauben aber, obwohl sie ihn von der höchsten Wesenheit herabziehen, er sei einzigartig und habe eine eigene und mittlere Natur bekommen, welche nicht zur höchsten Vollendung kommt, aber doch es erlangt und erreicht hat, den Rang des Geschöpfes um viel zu überragen.

[S. 427] B. Und was wäre dann Das für eine Natur, welche weder Gott ist noch auch ein Geschöpf? Denn dazwischen liegt, glaube ich, gar Nichts. Denn einzig ist der vollendete Unterschied dazwischen, der Gott und Schöpfung ihren Naturen nach trennt, und nichts Anderes kann man in Dem, was als seiend gilt, bemerken als einzig und allein diese [Beiden]. Oder denkst du, daß man ausser Diesen Etwas zulassen müsse?

A. Keineswegs, mein Freund; denn Alles, sagt die heilige Schrift, sei durch den Sohn geschaffen worden, so daß, wenn Etwas von Allem, was ist, der Natur nach sich scheidet, es auch der Geringheit des Geschaffenseins entflieht, [darüber hinaus ist] und durch die Erhabenheit seiner Natur als Gott erkannt wird; es wird uns aber auch das Umgekehrte von der Wahrheit nicht abweichen. Denn wenn Etwas nicht Gott ist von Natur, wird es gewiß zu dem Gewordenen gehören. Entweder also sollen sie den göttlichen und heiligen Geist in die Höhe rücken und bekennen, er sei wesenhaft geschieden von der Schöpfung, oder sie sollen ihn vom obersten und höchsten Throne herunterziehen und unter die Geschöpfe rechnen. Denn ein Ort oder Begriff liegt uns keiner dazwischen, der die Zugehörigkeit zu Beiden abwiese. Denn zu sagen, der Geist sei einzigartig, und ihm die dießbezügliche Ehre beimessen zu wollen, wie wäre Das nicht völlig eitel, da sehr Vieles, auch wenn es zu den Geschöpfen zählt, die Einzigartigkeit an sich hat. Denn eine ist die Sonne und einer der Mond, Erde aber gibt es keine andere als diesem eine aber ist auch die Natur alles Wassers, da sie die Einzigartigkeit bewahrt, wenn auch in seinen Beschaffenheiten eine Veränderung stattfindet. Ein Vorwurf [Merkmal] also von Unverstand und kindischem Sinne ist es, wenn Manche den heiligen Geist durch so frostige Spitzfindigkeiten zu vergolden und mit den höchsten Ehren zu krönen meinen und ihn in den Rang der Schöpfung einzuschließen sich erfrechen, so daß er nicht durch unvergleichliche Vollkommenheiten von [S. 428] ihr geschieden ist und sie überragt, wie gewiß auch der Vater und in der That auch der Sohn, sondern in eine gebückt und niedrig sitzende und gar keinen Ort unter den Seienden findende Natur gottlos hineingezwängt wird.

B. Wie nun, wenn sie fragen: Wo ist der heilige Geist Gott genannt?

1: Ephes. 4, 16.
2: Levit. 24, 17.
3: Matth. 18, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger