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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)

Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

1.

[S. 357] A. Von der Gleichheit, glaube ich, und davon, daß von der Wesenheit Gottes des Vaters eine deutliche Darstellung und gleichsam ein Siegelabdruck die Natur des Sohnes sei, hat unsere Rede sehr genügend und klar gehandelt. Denn sie hat bewiesen, daß die eigenthümlichen Auszeichnungen der Wesenheit Gottes des Vaters [auch] die des Sohnes sind, oder vielmehr, sie hat gezeigt, daß Alles, was dem Vater als von Natur aus eigen zugeschrieben wird, Dieses [selber] der Sohn ist. Meinst du nun, o Hermias, es könne vielleicht je durch die Eigenschaften eines Anderen als durch seine eigenen Dasjenige sich auszeichnen, was keineswegs von Natur aus mit ihm Eins, sondern durch fremdartige Verschiedenheit gleichsam davon getrennt ist?

B. Wie sagst du?

[S. 358] A. Ist nicht ein jedes Wesen mit einer eigenthümlichen Naturbeschaffenheit bezeichnet und flieht im Übrigen, wie man sieht, die völlige Gleichheit, wenn man auch sagt, es komme ihnen Etwas gemeinsam zu? Denn ein lebendiges Wesen ist der Mensch und das Pferd; aber jedem kommt ein anderer Begriff zu, der es von den anderen scheidet und die Vereinigung zur Identität, die durchgängige nämlich und vollständige, unmöglich macht. Denn ein eigener ist der Begriff des Menschen, des Ochsen und des Pferdes. Wenn aber Einer das Unterscheidende wegnimmt und, die Merkmale des wesentlichen Unterschiedes entfernend, die Eigenschaften der Menschennatur und Alles den anderen beilegt, wird er uns dann die Natur des Menschen definiren, und wird das Bezeichnete nichts Anderes sein?

B. Das ist wahr.

A. Ist es also nicht ungereimt oder vielmehr sogar völlig unmöglich, daß man Etwas durch die Eigenschaften eines Anderen erkennen und glauben könne, es sei nicht Ebendasselbe,1 was jenes [Andere] seiner Natur nach ist, durch dessen Eigenschaften es auch erkannt wird?

B. Du hast Recht.

A. In Nichts ist also der Sohn geringer als Gott der Vater, wenn man daraus, daß er vollständig durch die Eigenschaften der Gottheit sich auszeichnet, erkennt, was er seiner Natur nach ist. Darum ist er auch das Ebenbild vom Wesen des Vaters. Denn durch ihn und in ihm erblicken wir die Natur des Vaters.

B. Willst du, daß wir Etwas von Dem, was zum [S. 359] Nutzen2 nöthig ist, sagen, oder daß wir, den Schein, dir zu widerstehen, fahren lassend, die Rede gleichsam frei losrennen lassen wider die Meinung der Gegner?3

1: Αὐτοῦ τοῦθ’ ὅπερ [Autou touth’ hoper] kann unmöglich richtig sein; ich lese daher αὐτό [auto] etc.
2: D. h. zu unserem Vortheil und zur Vertheidigung unseres angenommenen (gegnerischen) Standpunktes.
3: Sieh oben S. 185 bes. die Anm. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger