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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

10.

A. Ich will also wieder Etwas sagen, durch die Ungereimtheit der Gedanken zu dem schon Anfangs Gesagten hingetrieben. Vergeblich, wie es scheint, heißt es von dem in der Gestalt und Gleichheit des Vaters eingebornen Sohne, er habe sich entäussert, wenn er auch uns gleich geworden ist. Denn wenn er die Herrschaft als eine verliehene hat und Einige vom Vater empfängt, die er zuerst nicht hatte, so kommt dem Sohne, wie es scheint, etwas Neues zu, und er wird dadurch mit Ehren geschmückt, und es führt ihn gleichsam wie einen Gast die Gnade zu dem Besseren und Höheren, als er vorher war. Und was wird uns dann aus der Herablassung werden, oder wohin erniedrigt wird man ihn sehen, wenn man findet, daß er überhaupt etwas früher ihm nicht Zukommendes erhielt und gleichsam als Sold und Lohn für die Menschwerdung die Macht über Einige gewann?

B. So ist es.

A. Lügen aber wird wahrscheinlich auch der weise Johannes, wenn er von ihm sagt:1 „Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf.“ Denn wie ist sein Eigenthum das erst jüngst und zuletzt und von einem Anderen Geschenkte, da doch gewiß unendliche und unzählige Zeiten vergingen, in denen der Sohn gleichewig [S. 381] war mit Gott dem Vater? Wenn er aber, weil er Mensch wurde, Die von der Welt empfängt und als diese Neuheit des Scepters dazu bekommend erblickt wird, dann möchte ich schon sagen, ohne mich zu scheuen, daß die Menschwerdung für Gott das Wort besser war als seine uranfängliche Stellung, wenn er auch als die Gleichheit des Vaters besitzend gedacht wird. Denn sie erhebt ihn, wie du siehst, zu einer höheren und unvergleichlich größeren Herrlichkeit. Für sich selbst also vollbrachte der Sohn die Heilsordnung im Fleische, und die Art der Menschwerdung spendete er seiner eigenen Ehre. Wie heißt es also noch, er sei für uns Mensch geworden, oder wie wurde er der Lösepreis für das Leben Aller, wenn er durch den Tod seines Fleisches die so ungewohnte und vorher nicht zugängliche Herrlichkeit erkaufte?

B. Du hast ganz Recht; es versteigt sich uns aber die Rede in’s Kecke und Ungereimte.

A. Es soll also auch von ihnen die herbe und boshafte Redeweise abgelegt werden; oder scheint sie dir nicht unerträglich zu sein und nothwendig zwingend zu ungewollten Spitzfindigkeiten? Denn indem sie es unterlassen, die Aussprüche den entsprechenden Zeiten zuzuweisen, belieben sie, oben und unten Alles zu vermischen und zu verwirren. Und doch, wie ist es nicht besser, zu denken, daß Alles dem Worte eigen und die Natur der Geschöpfe der Herrlichkeit des Schöpfers unterworfen war? Da aber das Menschengeschlecht von der rechten Gesinnung abgewichen war, wurde das unsertwegen im Fleische erschienene Wort von Einigen nicht aufgenommen, die bald schon Überzeugten aber und gläubig Gewordenen unterwarf es seinem Joche, und die das Bessere zu lernen Bereiten nimmt es auf. Denn „beugen wird sich ihm jedes Knie und jede Zunge bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes des Vaters“.2 Dem Worte also ist Alles eigen, [S. 382] sofern es aus Gott ist, und es herrscht über Alles mit dem Vater. Es empfängt aber Dieses der Menschheit nach, sofern es uns gleich wurde, denen die Macht, zu herrschen und zu regieren, vom Vater und als Geschenk verliehen wird.

B. Werden wir also sagen, er (es) habe eine eigene Herrlichkeit, ohne hiezu Etwas von Gott dem Vater empfangen zu haben?

A. Ja, sofern er als Gott gedacht wird und Herr der Herrlichkeit; denn so ist er in den heiligen Schriften genannt. Wenigstens sagt der Jünger des Heilandes (Jakobus war es):3 „Brüder, lasset kein Ansehen der Person gelten bei dem Glauben an Jesum Christum, unseren Herrn der Herrlichkeit!“

B. Und welches ist dann die Herrlichkeit des Sohnes ausser der des Vaters?

A. Keine höhere, mein Lieber, noch geringere, sondern dieselbe; oder vielmehr, gleichwie er die Weisheit und Macht des Vaters ist, so ist er auch seine Herrlichkeit, indem er auf unaussprechliche Weise von der Wesenheit des Erzeugers ausstrahlt und die Natur, von der er ausgeht, durch sich selber darstellt; wie ein Sonnenstrahl und Lichtglanz, der aus der ihn aussendenden Wesenheit hervorbricht, und der übrigens wegen der höchsten Ähnlichkeit und gleichartigen Beschaffenheit mit Recht als Das gedacht wird, woraus er ist.

B. Kannst du aus den heiligen Schriften einen Beleg hiefür angeben?

1: Joh. 1, 11.
2: Philipp. 2, 10.
3: Jak. 2, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger