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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

9.

A. Wie aber, o Freund, sagen wir nicht, das Leiden habe dem Sohne zur Beschämung und Unehre gereicht?

B. Ja; denn Paulus schreibt:1 „Er duldete das Kreuz, der Schmach nicht achtend.“ Und er selbst sagt durch die Stimme des Isaias:2 „Darum habe ich mich nicht geschämt und habe mein Angesicht gesetzt wie einen festen Felsen, und ich weiß, daß ich nicht zu Schanden werde; denn nahe ist, der mich rechtfertigt.“

A. Hat er aber, sage mir, seinen Tempel auferweckt, nach Vernichtung des Todes und Überwindung der Verwesung, als Mensch wie wir oder als Gott aus Gott, wenn er auch im Fleische erschien?

B. Als Gott aus Gott.

A. Die Schmach der Leiden also und die Unwürde der Beschämung wurde vertilgt durch das Nachfolgende, und [S. 378] durch die Auferstehung wurde der Sohn verherrlicht, obwohl er vor derselben den schmählichsten und unrühmlichen Tod nicht verschmähte, wegen der freiwilligen Entäusserung.

B. Aber diese Verherrlichung, heißt es, habe der Sohn vom Vater empfangen.

A. Richtig, mein Lieber; ich stimme ja bei. Da er Mensch wurde, obwohl er die Weisheit und Macht des Vaters ist, und durch sich den Tod vernichtete und seinen Leib mit seinem eigenen Leben erfüllte, schrieb er die That der — so zu sagen — Quelle seiner Hypostase zu. Denn keinem anderen der Seienden und in’s Dasein Gesetzten kommt es zu, lebendig machen zu können und das irdische Fleisch über die Verwesung erhaben zu machen (wenn man auch an Christus selbst denkt, sofern er Fleisch genannt wird), ausser allein der Natur der Gottheit. Daß aber der Sohn [selbst] wirksam war zur Auferweckung seines Tempels, wenn es auch heißt, es sei ihm Dieses vom Vater geschenkt worden, kann man auch sehr leicht ersehen, da Paulus zwar vom Vater sagt:3 „Welcher ihn von den Todten erweckt und ihm Herrlichkeit gegeben,“ zu den Juden aber der Sohn selbst:4 „Löset diesen Tempel, und in drei Tagen werde ich ihn erwecken!“ Er starb nämlich als Mensch dem Fleische nach, obwohl er Leben ist von Natur als Gott. Er lebte aber wieder auf, sich unsäglicher Macht und unaussprechlicher Kräfte bedienend, obwohl er uns gleich war, nämlich der Menschheit nach. Er wird also verherrlicht vom Vater, nicht als der Verherrlichung bedürftig, wenn er ausser dem Fleische gedacht und als Gott aus Gott anerkannt wird, sondern da er Mensch war und als solcher die Macht, Göttliches zu wirken, als Frucht der eigenen Natur nicht hatte, empfängt er sie, der Vereinigung und [S. 379] unaussprechlichen Verbindung nach, die zwischen dem Worte und der Menschheit gedacht wird. Es verherrlicht aber auch er den Vater. Denn er wird als Vater erkannt des allmächtigen, wiewohl im Fleische erschienenen und mit einem irdischen Leibe mit den Sterblichen verkehrenden Gottes. Darum sagt er:5 „Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, daß ich es thun soll.“ Du hast nämlich gewollt, o Vater, sagt er, daß ich die kecke und feindliche Macht des Todes vernichte; aber Dieses thun und erfüllen zu können, war nicht die Sache von Fleisch und Blut, sondern deiner göttlichen, lebendig machenden und unbesiegbaren Natur, und weil ich aus dieser entsprungen bin, habe ich deinen Willen vollbracht, indem ich durch das Menschliche in Nichts von Dem, was zur Gleichheit des Willens gehört, schwächer geworden bin, sondern, obwohl in Fleisch und Blut befindlich, durch die Gleichheit der Macht bewiesen habe, daß ich aus deiner Wesenheit entsprungen bin. Verherrliche also auch du mich, den als Mensch Unansehnlichen, indem du durch deine Macht und belebende Wirksamkeit mir zuwinkest, und stelle den auf unaussprechliche Weise mit mir geeinigten Tempel als über den Tod erhaben dar! Daß er aber nicht einer ungewohnten und vorher ihm nicht zukommenden Ehre und Herrlichkeit gewürdigt zu werden verlangt, wird doch wohl klar sein. Denn er sprach:6 „Und jetzt verherrliche mich, Vater, mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war!“ Denn der immer und im Anfange Herr der Herrlichkeit war, inzwischen aber ungeehrt war wegen der Herabkunft in’s Menschliche, kehrt zu der ihm von Alters [oben] her und von Natur aus inwohnenden Herrlichkeit zurück, die auf die Entäusserung passenden Aussagen während der Ertragung derselben dem Weilen im Fleische zuweisend. Darum ist es vor Allem nothwendig, die Zeiten zu beachten, in denen noch Das, was [Sache] des [S. 380] Fleisches und der Unehre war, nützlich war, und die dem Weilen auf Erden noch vorhergehenden, in denen er, als Herr der Herrlichkeit, offenbar Herrlichkeit nicht empfing, sondern eigenthümlich besaß, als Gott.

B. Wie nun empfängt er vom Vater Einige, die von der Welt sind, von denen er auch zu ihm sagt:7 „Die du mir von der Welt gegeben hast, die waren dein, und du hast sie mir gegeben“?

1: Hebr. 12, 2.
2: Is. 50, 7.
3: Vielmehr I. Petr. 1, 21.
4: Joh. 2, 9.
5: Joh. 17, 4.
6: Joh. 17, 5.
7: Joh. 17, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger