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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

7.

A. Weil Alles vom Vater durch den Sohn im Geiste. Daß aber der natürliche und wahre Sohn heiligt und geheiligt wird, weil er Mensch wurde, lehrt uns das Wort des Paulus:1 „Denn der heiligt,“ sagt er, „und die geheiligt werden, weßhalb er sich auch nicht schämt, sie Brüder zu nennen, da er sagt: Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden.“ Denn er heiligt, da er heilig ist von Natur, als Gott; er wird aber mit uns geheiligt der Menschheit nach, da er, die Ähnlichkeit mit uns annehmend, auch in Bezug auf eben Dieses, das Geheiligtsein nämlich, obwohl er als Gott Macht hat über Alles, sich nicht schämt, uns Brüder zu nennen.

B. Aber, ja, sagen sie, er wird doch nicht gelogen haben, da er sprach, er sei vom Vater geheiligt worden, auch abgesehen von der Menschwerdung. Denn in den letzten Zeiten des Weltlaufes erschien er als Mensch, aber er war auch vordem für die in’s Dasein Gerufenen der Eingeborne und Bruder der Geschöpfe, sofern auch er nicht ungeworden ist, sondern geschaffen vom Vater. Er spricht also wahr, wenn er sowohl uns Brüder nennt als auch sagt, er sei mit uns geheiligt worden.

A. Aber, o ihr, die ihr euch bereitwillig auf Alles werfet, auch was wider Vernunft und das richtige Denken ist, wohin auch jetzt euch diese kecke und thörichte Rede enden wird, kann ich nicht einsehen. Denn daß der Sohn nicht geworden ist, muß man nicht eueren Orakeln, sondern vielmehr den heiligen und göttlichen Lehrern glauben, denen auch Christus selbst aufgetragen hat, da er sprach:2 „Gehet hin und lehret alle Völker!“ Es sagt uns also Johannes deutlich vom Sohne:3 „Und wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns einen Sinn gegeben hat, daß [S. 373] wir den wahren Gott erkennen; und wir sind in dem wahren, in seinem Sohne Jesus Christus. Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben.“ Der wahre Gott aber ist nicht gleichartig mit den Geschöpfen. Da also, nach der höchst thörichten Ansicht Jener, das Wort, obwohl es wahrer Gott ist, der Heiligung theilhaftig wurde, auch wenn es an sich gedacht wird und ohne Fleisch, so sollen sie herkommen und uns, mit was für Gründen sie wollen, zeigen, daß der wahre Gott eine verliehene Heiligkeit besitze. Oder ist es nicht wahr, zu sagen, daß, wenn im Sohne die Heiligung als geschenkt ist, der doch von Natur und in Wahrheit Gott ist, Nichts mehr im Wege steht, auch vom Vater selbst, aus dem er ist, albern zu vermuthen, er sei geheiligt worden, wenn er auch als wahrer Gott anerkannt ist?

B. Wir laufen Gefahr.

A. Um aber ihre gottlose Keckheit von allen Seiten zu bekämpfen, stehe ich gar nicht an, auch etwas Ungereimtes zu sagen. Gebührt und gehört denn die Macht, zu heiligen, nicht einzig und ausschließlich Dem, der von Natur Gott ist, wie gewiß auch das Hervorrufen der Dinge aus dem Nichtsein in das Sein?

B. Allerdings.

A. Wenn also der Sohn, als zu den Geschöpfen gehörig, nach der unziemlichen und höchst schändlichen Behauptung Jener, das der wahren Gottheit Eigenthümliche und nur ihr Zukommende vollbringt und es für eine Ehre seiner eigenen Natur hält (denn er heilige sich selbst,4 sagt er), so wird, wie es scheint, Das, was Sache der allerhöchsten Wesenheit ist, auf die Schöpfung übergetragen, und es ist nicht unwahrscheinlich, glaube ich, daß wir sagen dürfen, auch wir können uns selbst heiligen ebenso wie der Sohn.

[S. 374] B. Wie meinst du Das?

A. Wenn er, als geworden, die Vorzüge der so erhabenen Wesenheit sich selbst aneignet, was hindert, daß auch wir selbst Das vollbringen können, was ihm zukommt, zumal da wir ihm nahe stehen und keineswegs entfernt sind von der Verwandtschaft zu ihm, da ja alles Gewordene mit dem Gewordenen verwandt und gleichartig ist, in Bezug nämlich gerade auf das Gewordensein?

B. Nicht unglaublich ist, was du da sagst.

A. Es wird aber auch sonst unehrerbietig und thöricht sein, zu glauben, er sei geheiligt worden.

B. Wie so?

A. Was geheiligt wird, wird Das nicht von dem Höheren und über die eigene Natur Erhabenen geheiligt? Denn sie werden doch, wie ich glaube, nicht sagen: von dem Schlechteren; da ja das Geheiligtwerden zu Etwas, was Nutzen bringt, erhebt.

B. Ganz richtig.

A. Wenn es also wahr ist, daß der Sohn, nach Jenen, geheiligt wurde durch den Geist, so wurde er gewiß von ihm gesalbt als von Einem, der mehr ist und eine andere Natur hat als er. Denn kein Wesen hat an sich selber Theil, sondern ein Anderes in Bezug auf das Wiesein [der Beschaffenheit des Seins nach] ist Das, woran ein Anderes Theil hat.

B. Auch Das wird folgen.

1: Hebr. 2, 11.
2: Matth. 28, 19.
3: I. Joh. 5, 20.
4: Joh. 17, 19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger