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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

4.

A. Zusammenfassend also denn, was ich soeben gesagt habe, will ich es noch einmal sagen. Wenn sie nämlich sagen, sofern er Mensch ist, sei er als Mensch geheiligt worden, so ist die Rede gleichgiltig, da hieran Nichts auszusetzen ist. Wenn sie aber, das Wahre bei Seite lassend und das Richtige von sich weisend, in eine ganz unziemliche und über alle Keckheit hinausgehende Gesinnung verfallen und sagen, das aus Gott dem Vater entsprungene Wort selbst sei geheiligt worden, so fällt uns die Rede über alle Ungereimtheit hinaus.

B. Zeig’ uns also die Arten der Ungereimtheit hierin!

A. Gut. Ich werde ja keineswegs säumen, in der Hoffnung, Christus, der Lehrer der Wahrheit, werde mir Helfer und Beistand sein. Lassen wir es also, noch länger zu zögern, und führen wir nun die Untersuchung über das Vorliegende herein, und sage mir wieder Dieses!

B. Was?

[S. 365] A. Wem, sollen wir sagen, sei der heilige Geist eigen? Nur Gott dem Vater oder auch dem Sohne oder auch jedem von beiden für sich und beiden, als Eins, aus dem Vater durch den Sohn, wegen der Identität der Wesenheit?

B. So sage ich wenigstens.

A. Recht, mein Freund, und ich bewundere dich wegen deines Scharfsinnes und erkläre, ganz in Übereinstimmung mit den heiligen Schriften sei diese Ansicht gesagt. Es wird nämlich Gott der Vater in einer Existenz für sich gedacht; es subsistirt aber auch der Sohn besonders; aber wenn auch jeder von beiden eine eigene Hypostase hat, eine völlige Trennung läßt er nicht zu. Es kann ja auch nicht vom Vater der Sohn getrennt werden, wie ein Engel vom anderen, und auch bei uns Der von Jenem, ganz vom Ganzen vielleicht getrennt werden wird, noch auch wird der Unterschied ein durchgängiger sein, der jeden von beiden völlig gesondert stellte, denn da wären zwei Götter; sondern da die Gottheit eine und einzig ist und so gedacht wird, werden wir als lebend und subsistirend im Vater den Sohn erblicken und gewiß auch umgekehrt, nämlich im Sohne den Vater; denn Ebenbild seines Wesens ist er.

B. Einverstanden.

A. Von einer Natur also ist auch der eine Geist und geht wie von einer Quelle vom Vater aus; er ist jedoch dem Sohne nicht fremd; denn dieser ist so gezeugt, daß er jede Eigenheit des Vaters in sich hat, und da er die Frucht der höchsten Gottheit ist, wie sollte er gedacht werden als entblößt der Güter der Gottheit? Eigen aber ist der Gottheit die Heiligkeit, die der Geist darstellt. Denn heilig ist er von Natur und heiligt die ganze Schöpfung.

B. Und welches ist der Beleg hiefür, und wie kann ich bestimmt erkennen, daß der heilige Geist dem Sohne eigen ist wie gewiß dem Vater?

[S. 366] A. Wir brauchen keinen Zeugen von aussen her; Christum selbst aber will ich anführen, der sagt:1 „Noch Vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen; wenn aber er kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch einführen in alle Wahrheit. Denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden und das Künftige euch verkünden. Er wird mich verklären, weil er von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden wird. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich euch gesagt: Er wird es von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden.“ Oder ist Das nicht zur Fülle genug für die Weisen, daß er ihn den „Beistand“ nennt? Denn er nannte ihn den Geist der Wahrheit, die Wahrheit aber ist Niemand als er selbst. Da er aber beifügte: „Er wird es von dem Meinigen nehmen,“ zeigte er die wesenhafte und natürliche Verwandtschaft, wodurch sein Geist Eins ist mit ihm. Denn nicht durch Mittheilung, sagt er, werde der Geist weise sein durch ihn noch auch in dienender Weise die Reden des Sohnes den Heiligen zubringen, sondern gleichwie, wenn eine der höchst wohlriechenden Blumen von dem von ihr sich verbreitenden und den Umstehenden in die Sinne fallenden Geruche sagen würde: „Er nimmt es von dem Meinigen,“ sie damit die natürliche Verwandtschaft andeuten würde und nicht eine besondere Mittheilung: so sollst du auch vom Sohne und Geiste denken. Denn da er der Geist der Weisheit und Macht ist, so ist er gewiß selbst Weisheit und Macht, die ganze Thätigkeit des Ganzen, von dem er ausgeht, in sich bewahrend und in seiner eigenen Natur diejenige darstellend, von der er ist. Da er aber sagt: „Von dem Meinigen wird er nehmen,“ fügte er nothwendig hinzu: „Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich euch gesagt, daß er es von dem Meinigen nehme.“ Denn wie er von Natur heilig ist, da er der Geist des heiligen Vaters ist, [S. 367] so auch weise, da er der Geist der Weisheit ist; die Weisheit aber ist der Sohn; und wir sagen nicht, daß der Geist antheils- und theilnahmsweise heilig und weise ist, sondern vielmehr wesenhaft und gleichsam wie eine natürliche Beschaffenheit der im Vater und Sohne und dem heiligen Geiste selbst gedachten, heiligen und weisen Gottheit. Daß aber der Geist des Vaters der Geist des Sohnes ist, wird er selbst durch sich selbst dich lehren, da er sagt:2 „Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugniß geben von mir.“ Verstehst du also, wie er ihn als den seinen uns vom Vater senden zu wollen verheißt und ihn Geist der Wahrheit nennt, und wie er erklärte, daß er vom Vater selbst ausgehe, und vorhersagte, daß er auch Zeugniß geben werde von ihm?

B. Und wie soll man sich die Art des Zeugnisses denken?

1: Joh. 16, 12—15.
2: Joh. 15, 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger