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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

22.

A. Warum dann haben sie, sage mir, obwohl die Bewohner der Himmelsstadt eine vorzüglichere Natur haben und eine ganz fehllose und völlig untrügliche Erkenntniß Gottes besitzen, doch den von Natur Geringeren und an angeborner Herrlichkeit ihnen Nachstehenden für anbetungswürdig erklärt? Sag’ mir Das, mein Lieber!

B. In der That, auch Dieses ist deine Sache.

A. Wenn also der Nämliche geringer und zugleich unvergleichlich erhaben ist, so werden wir willig der Menschheit zutheilen, was ihr mit Recht zukommt, das Geringere (denn viel geringer als die Engel ist die Menschennatur), der über Alles gehenden Gottheit aber die Überschwenglichkeit und Erhabenheit über das Gewordene und das wesenhafte Hinausragen über alle vernünftige Wesenheit und allen Namen, der genannt wird. Wenn aber auch ohne Fleisch und als noch nicht in unsere Zustände gleichsam verflochten das Wort die Erniedrigung auch selbst unter die Engel, wie es scheint, davontragen sollte, so wird es geringer sein als seine eigenen Geschöpfe und ausserdem Anbeter, ohne daß unsere Rede ihm hälfe oder zur Vertheidigung diente. Wenn aber Dieses zu sagen und zu denken gottlos sowohl als höchst gefährlich ist, es aber geringer ist, weil es auch Mensch ist, so wird folgen, daß man so denke: Anbeter ist er, weil er auch Mensch ist, obwohl er Gott ist von Natur und ebenso wie der Vater von Allen angebetet. Denn es sprach Gott irgendwo durch einen der Propheten:1 „So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird jegliches Knie sich beugen und jede Zunge bekennen.“ [S. 416] Ganz richtig aber den Sohn wesensgleich setzend mit dem Vater und wohl wissend, das Erzeugte sei in der Herrlichkeit des Erzeugers, sagt der heilige Paulus:2 „Im Namen Jesu Christi wird jegliches Knie sich beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde und jede Zunge bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes des Vaters.“

B. Aber ja, sagen sie, wir werden finden, daß der Sohn zugleich mit dem Vater angebetet werde, daß er aber als geehrt und wohl wissend, wer er von Natur aus sei, auch anbete; denn er überragt zwar die Natur der Geschöpfe, ist aber nicht in gleichem Rang wie der Vater.

A. Als Geschenk also und Lohn der Tugend gewann der Sohn die Ehre der Gottheit, und daß er angebetet werden muß, besitzt er nicht als Würde seiner Natur, sondern einzig und allein durch den Willen des Vaters.

B. So meinen und sagen sie.

A. Wann dann und wie der Vater dem Sohne die Anbetung gewährte, sollen sie zeigen; denn sie werden doch nicht sagen, daß, was sie selber zu meinen belieben, Dieses der Wille Gottes des Vaters sei.

B. Er befahl, sagen sie, den heiligen Engeln ihn anzubeten. Denn was sonst als gerade Dieses bedeutet das: „Als er aber den Eingebornen in die Welt einführte, sprach er: Und es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes“?

A. Also, weil es der Vater befahl, behaupten sie strikte, müsse der Sohn angebetet werden; und werden sie läugnen, daß der dem Eingebornen rücksichtlich der Menschheit beigelegte Name „Erstgeborner“ es nothwendig mit sich bringt, daß auch seine Herrlichkeit als eine übertragene erscheine? [S. 417] Denn wann, sag’ mir, wurde er Erstgeborner, als da er Einer unter vielen Brüdern wurde? Wenn also unser Stammverwandter und natürlicher Bruder das Wort auch vor dem Fleische war, warum heißt es nicht, daß es Das im Anfange war, sondern in den letzten Zeiten geworden sei, und wie wird als Eingeborner gedacht der mit zur Schöpfung Gehörige? Da es aber nicht zweifelhaft ist, sondern vielmehr wahr und gewiß, daß er in den letzten Zeiten der Welt Mensch wurde und darum Erstgeborner, so hat er seine Herrlichkeit als eine verliehene und die Anbetung, die ihm gebührt, als eine übertragene. Wenn sie aber meinen, es sei nicht so, so wird die Konsequenz sie zu einer widerwärtigen und ungereimten Thorheit von Gedanken verkehren. Denn man könnte, glaube ich, sagen: Wenn er, weil er Mensch ist, darum Erstgeborner ist, die Zeit aber, wo er angebetet werden muß, diejenige ist, wo er in der größten Erniedrigung war, so wird zu ungewohnter Ehre ihm die Zeit der Erniedrigung gereichen, vor der Menschwerdung aber wird die Geringheit und Unehre sein, da er auch, als in der Gestalt und Gleichheit des Vaters existirend, wie geschrieben steht, zu der so niedrigen Natur sich herabließ, nämlich der menschlichen. Aber wenn er in Unehre war und weit entfernt, angebetet zu werden, warum umstanden die Seraphim den auf dem Throne der Gottheit sitzenden Sohn im Kreise, mit Hymnen und Lobpreisungen ihn beehrend und Herrn Sabaoth nennend und sagend, voll sei der Himmel und die Erde von seiner Herrlichkeit? Denn von welcher Herrlichkeit voll war der Himmel, wenn er das Angebetetwerden vom Vater erst empfing, da er Mensch wurde? Höre den weisen Esdras, der schreibt:3 „Die ganze Erde spricht von der Wahrheit und der Himmel preist sie und alle Werke werden erschüttert und zittern,“ da doch der selige David von dem allmächtigen Gott ruft:4 „Der die Erde ansieht und sie [S. 418] zittern macht.“ Der also vor der Menschwerdung und, bevor er Erstgeborner genannt wurde, durch die Vollkommenheiten Gottes des Vaters ausgezeichnet ist, wie sollte Der überhaupt in irgend Etwas geringer sein als der Vater?

B. Es sei, sagen sie, wie du willst; als er Erstgeborner wurde, damals erging auch der Befehl, daß er angebetet werde. Ist ihm Das nicht vom Vater geschenkt?

A. Aber nicht schlechtweg, ob, sondern wann es ihm geschenkt wurde, ist gar sehr zu erwägen, nämlich als er auch Erstgeborner wurde, als zur Brüderschaft mit uns sich herablassend. Denn Das, glaube ich, bedeutet das „Erstgeborner“.

B. Allerdings.

1: Is. 44, 23; Röm. 14, 11.
2: Philipp. 2, 10.
3: III. Esdr. 4, 36 [= 3. Esra: in Septuag. und Vulgata].
4: Ps. 103, 33 [hebr. Ps. 104, 33].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger