Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

21.

A. Keineswegs, mein Freund! Denn besser als Nachlässigkeit ist die Bereitwilligkeit, und vertheidigen helfen ist ehrenvoll, wenn die Ehre des Heilandes von Jemand verläumdet wird.

B. Sie sagen also: Der von euch für wesensgleich und gleich wirksam mit dem Vater gehalten wird, betet mit uns an. Denn in seiner Unterredung mit dem samaritischen Weibe sagt er:1 „Ihr betet an, was ihr nicht wisset; wir beten an, was wir wissen; denn das Heil ist aus den Juden.“ Aber, o Verehrteste, sagen sie, der zur Zahl der Anbeter Gehörige, — wie wird Der noch die Ehre der Wesensgleichheit davontragen und um die Gleichheit wettstreiten mit dem angebeteten Vater, da man ihn doch sonst dem Vater den Vorrang und die Erhabenheit über seine eigene Natur einräumen sehen kann. Denn er sprach:2 „Von jenem Tage aber oder jener Stunde“ (der letzten nämlich) „weiß Niemand, weder ein Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.“

A. Als Anbeter also statt als Gott und als gleich den durch ihn gewordenen Geschöpfen die Kenntniß Gottes des Vaters in Bezug auf das Ende3 nicht kennend [S. 413] erscheint uns da unerwartet der Sohn gleichsam ex machina. Ist nun Das nicht, bereits lächerlich und mit Recht den Possen der Bühne zu vergleichen? Denn wir werden, wenn sie mit solchen Harlekinaden und menschlichen Folgerungen selbst bis zum Äussersten der Unwissenheit fortgehen, indem sie den Geist gleichsam in Koth versenken, nicht die wohlriechendste Erkenntniß der heiligen Lehren preisgeben. Denn sie scheinen, wie man sieht, ganz vergessen zu haben, obwohl sie es sehr oft sowohl von uns selbst als von der heiligen Schrift gehört haben, daß das Wort, obwohl es Gott ist und in der Gestalt und Gleichheit des Vaters, uns gleich geworden ist nicht bloß nach der Gestalt des Fleisches, sondern auch durch die Eigenthümlichkeiten, oder wie man es sonst nennen mag, der Menschheit. Eine Eigenthümlichkeit aber der Gott unterthänigen und durch das Joch der Knechtschaft im Gehorsam gehaltenen Menschheit ist die Anbetung und das Nichtwissen, welches der Rathschluß und die Absicht Gottes sei. Denn „wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Rathgeber gewesen?“4 Und wie, als das Wort uns gleich wurde, sie wohl nicht sagen werden, daß es aufgehört habe, Wort zu sein, und in’s irdische Fleisch sich verwandelt habe, so steht, auch wenn das Menschliche angenommen und sein eigen geworden ist, Nichts im Wege, zu denken und zu sagen, daß es heilsordnungsgemäß zugleich mit der Menschheit Das an sich gehabt habe, was ihr zukommt. Denn gerade Das verlangte auch der Begriff der Entäusserung. Darum sollen sie entweder das Wort offen des Fleisches und Dessen, was damit verbunden ist, entblößen und ein für allemal die ganze Heilsordnung aufheben, und sie werden den Sohn rein als Gott sehen, oder, wenn sie Das scheuen als gottlos und ungereimt, [S. 414] warum dann schämen sie sich des Standes der Menschheit und belieben Das zu tadeln, was der Menschwerdung höchst angemessen ist? Und doch sollte man weise bedenken, daß er, gleichwie er, obwohl von Natur Gott und aus Gott entsprungen, das Menschliche sich zu eigen machte, so auch, Mensch geworden, die der Gottheit gebührende Ehre und Herrlichkeit als eigene hat; denn er wird angebetet nicht nur auf Erden, sondern auch im Himmel, während er doch das Anbetensollen, als Mensch und Jude, nicht verschmäht als etwas Geringes. Denn „als er“, heißt es,5 „den Erstgebornen in die Welt einführte, sprach er: Es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes.“ Wenn sie also das aus Gott stammende Wort vom Samen Abrahams abstammen lassen, so sagen wir thöricht: Es soll auch ein Jude genannt werden und ein Anbeter sein. Wenn aber das Unterfangen ihnen, die Dieses denken wollen, als eine Sache des höchsten Wahnsinnes nachgewiesen wird und sie vielmehr behaupten werden, daß es, als es den Samen Abrahams annahm und dem Fleische nach auch aus der Wurzel Jesse entsprang, sich Jude nennen ließ und auch ein Anbeter wurde, als Mensch, warum lassen sie das Geheimniß der Fleischwerdung als eitel ausser Acht und greifen die Natur des Wortes selbst an und bringen das dem Vater wesensgleiche gottloser Weise dahin, bloß und [des Menschlichen] entkleidet anbeten zu sollen, auch wenn es vielleicht nicht gedacht wird als uns gleich oder unter uns, die, wenn sie anbeten wollen, Niemand, denke ich, tadeln wird, sondern denen Dieß vielmehr zum Lobe gereicht und alle Herzensfreude verschafft? Steht denn nicht von ihm geschrieben, daß er, was das Menschliche betrifft, sich auch unter die höhere Natur, das heißt die englische, erniedrigt habe und ein wenig geringer geworden sei als ihre Herrlichkeit?

B. So ist es; denn Paulus sagt:6 „Den ein wenig [S. 415] unter die Engel erniedrigten Jesus aber sehen wir wegen der Erduldung des Todes mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“

1: Joh. 4, 22.
2: Mark. 13, 32.
3: Τὴν ἐπιτελεῖ διάσκεψιν [Tēn epitelei diaskepsin] gibt doch wohl keinen Sinn; der lateinische Übersetzer scheint ἐπιτελῶν [epitelōn] gelesen zu haben; ich lese einfach ἐπὶ τέλει [epi telei].
4: I. Kor. 2, 16.
5: Hebr. 1, 6.
6: Hebr. 2, 9.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Cyrills Leben und Schriften
Bilder Vorlage

Navigation
. Vorwort.
. Erstes Gespräch. Daß...
. Zweites Gespräch Daß...
. Drittes Gespräch. ...
. Viertes Gespräch. ...
. Fünftes Gespräch. ...
. Sechstes Gespräch. ...
. . Mehr
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . 24.
. Siebentes Gespräch. ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger