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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

3.

A. Schau nun, o Freund, auf welche Ungereimtheit ihre Rede hinausläuft! Wenn nämlich vor der Fleischwerdung und der Sendung in diese Welt das Wort des heiligen Geistes theilhaftig war, wie Jene annehmen, daß es recht sei, warum hat er ihn wieder auch im Fleische empfangen? Denn überflüssig ist die Sache und vergeblich. Aber Niemand, mein’ ich, der Verstand hat, wird dafür halten, die unaussprechliche Natur Gottes werde je auf so Etwas betroffen. Denn er verfehlt nicht das Richtige, und was untadelhaft ist, sieht er nicht in langer Ausdehnung von Erwägungen und Überlegungen, sondern sogleich in den ersten Bewegungen des Willens und der Weisheit, die in ihm sind. Wenn er aber, da er uns gleich wurde und im Fleische in diese Welt gesandt wurde, den Geist empfing und die dießbezügliche herrliche Gnade gleichsam als eine neue gewann, wo hat er sich selbst entäussert, und wie kam er in Herablassung und Erniedrigung, da er ein höheres Gut erlangte, wenn sie nicht etwa, sich auch vor den allerärgsten Schlechtigkeiten nicht scheuend, sagen, er habe sogar einen Verlust erlitten, da er den heiligen Geist bekam, und er, dessen Natur es ist, zu heiligen, stoße die, in welche er kommt, zum Schlechteren hinab?

B. Aber Das werden sie, wie billig, nicht denken; er sei aber, sagen sie, geheiligt worden, als der Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herabstieg.

A. Und wer war es denn, der Das sagte und zugleich die Herabkunft des Geistes vom Himmel auf ihn wahrnahm?

B. Johannes der Täufer bezeugte es mit den Worten:1 „Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabkommen, und er blieb auf ihm.“

[S. 363] A. Nun ermiß die Zeit, wo er geheiligt wurde! Denn nicht vor seiner Ankunft wurde, als Gott, das Wort geheiligt, sondern da es uns gleich wurde, denen die Heiligung nicht als eine Frucht der eigenen Natur zukommt, sondern von aussen und als Geschenk. Oder weißt du nicht, daß am Anfange zwar die Menschennatur auch die Theilnahme am göttlichen Geiste empfing, — denn auch in dieser Hinsicht wurde sie nach dem Bilde des Schöpfers geschaffen, — daß sie aber, da sie das göttliche Gebot übertrat, das Geschenk verlor, mit dem Tode bestraft wurde und unter das Joch der Sünde gerieth?

B. Ich verstehe.

A. Es war also nothwendig, da vermöge der ihm inwohnenden Güte Gott das gefallene Geschlecht wieder zu dem Ursprünglichen herstellen wollte, daß Christus gleichsam ein zweiter Anfang des Geschlechtes wurde und der Geburt aus der heiligen Jungfrau sich unterzog, aber nicht mehr auch einen fleischlichen Vater annahm, damit mit ihm wir alle Gott zum Vater hätten und durch ihn und in ihm zum Anfange einer solchen Ehre zurückkehrten. Er mußte, Mensch geworden, den Geist empfangen, damit, da er von Sünde frei war und ist, in ihm der Geist endlich bleibe und ruhe, gleichsam in dem Erstlinge und der zweiten Wurzel des Geschlechtes. Denn Dieses, glaube ich, habe der heilige Täufer angedeutet, da er vom Geiste sagt, er habe ihn vom Himmel herabkommen sehen in Gestalt einer Taube, und gesagt, daß er auch auf ihm blieb. Denn nicht in uns, aber in Christo blieb er. Denn er war von einer Natur, welche die Makel der Sünde nicht zuläßt. Wie aber, obwohl er immer König ist und mit Gott dem Vater zugleich thront, von ihm gesagt wird, er sei zum König aufgestellt worden, als er gleich uns ein Mensch wurde, dem auch das Königthum als eine Gabe von oben zukommt; und wie, obwohl er immer zugleich mit dem Vater ist, zum Sohne [S. 364] bestimmt wird2 durch den Geist, weil er den Adoptivsöhnen dem Fleische nach gleich war; und wie er uns, die unter Gott stehen, gleichförmig Gott, seinem Vater, nannte, obwohl er selbst Gott ist: so heißt es auch von ihm, er sei geheiligt worden, indem die Heiligung auf das Menschliche oder auf dieses Fleisch da geht, weil die Menschennatur die Heiligkeit nicht von Haus aus haben kann. Denn Das kommt der wahrhaft göttlichen und über Alles erhabenen Natur zu, deren Frucht das Wort ist, welches darum die Heiligkeit der es zeugenden Natur gewiß als eigen in sich haben wird.

B. Was ist denn, sagen sie, Ungereimtes darin, wenn man sagt, der Sohn sei vom Vater geheiligt worden?

1: Joh. 1, 32.
2: Röm. 1, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger