Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

18.

A. „Unsere Feinde sind Thoren,“ wie geschrieben steht. Denn sie scheinen nicht zu wissen, um was es sich handelt. Unsere Untersuchung beschäftigt sich für jetzt nicht damit, wann oder wie der Vater die Macht dem Sohne gab, sondern ob sie ihm überhaupt geschenkt und nicht vielmehr wesenhaft angeboren ist. Denn es wird der Natur des Sohnes an sich selber gar Nichts nützen zur Untadeligkeit, wenn man sagt, es sei ihr gleich im Anfange die Macht vom Vater gegeben worden, da das Unrühmliche in der Bedürftigkeit erscheint und keineswegs darin, daß er es nicht im Anfange bekam, sondern darin, daß er irgend Etwas als verliehen besitzt. Man muß sich aber die Natur des Sohnes gewiß vor dem Empfang als der Kraft entbehrend vorstellen und als nicht durch eigene, sondern vielmehr durch fremde Kräfte dazu gelangt. Was aber auch werden sie sagen, wenn man um Dieses frägt?

B. Um was?

A. Werden sie sagen, Das, was von Einem Macht empfängt, sei selber das Macht Verleihende oder etwas davon Verschiedenes?

B. Etwas Anderes, glaube ich.

A. Wenn also, nach ihnen, die Macht im Sohne Gott der Vater bewirkte, so wird sich herausstellen, daß er seiner eigenen Kraft Macht verlieh. Ist Das nicht zum Lachen und zwar sehr oder vielmehr ein Unsinn?

B. Allerdings.

[S. 403] A. Folgend also dem Glauben der heiligen Schriften und gleichsam den durch die Weisen gebahnten Weg gehend laß uns sagen, die Macht Gottes des Vaters sei selbst Gott, durch den und in dem er die unaussprechliche Thätigkeit in Bezug auf Alles hat und die Himmel befestigte und was in ihnen ist, die Erde gründete und auch Das hervorbrachte, dessen Erhalter und Ernährer er ist, und zu seinen Boten die Winde macht und zu seinen Dienern die Feuerflamme, wie geschrieben steht.1 Als aber, weil der Vater auch den Menschen in dieser Welt das Heil verleihen wollte, Mensch sich nannte und wurde der Eingeborne, welcher die Kraft und Macht des Vaters ist, machte er die Todten lebendig und erweckte aus den Gräbern die schon Verwesenden und vertrieb böse Geister aus den Menschen, den der Augen Beraubten aber verlieh er das zwar ungewohnte, aber doch süße Licht und vollbrachte diesen verwandte und ähnliche Wunderthaten in göttlicher Macht.

B. Aber indem, sagen sie, der Vater in ihm wirkte.

A. Und welches die Art der Wirksamkeit des Vaters sei, können sie, glaube ich, wenn man fragt, nicht sagen. Wirkte der Vater durch den Sohn etwa wie durch ein Werkzeug und indem dieser den Willensbestimmungen des Erzeugers einen helfenden Dienst leistete, oder, was besser und wahr ist, wie durch seine eigene Macht? Wenn sie aber, das Bessere bei Seite lassend und an Dem, was mit Recht für das Richtige gehalten wird, vorbeilaufend, ihm eine werkzeugliche Wirksamkeit zuschreiben, die Unglückseligen, so ist zu wissen, daß seine Herrlichkeit und Schönheit in Nichts dahinschwinden wird und bereits in’s Unschöne hinabfließt. Denn daß die Dienstleistung durch Werkzeuge an sich völlig Nichts ist, denen aber, die sie zu bewegen [handhaben] und, wozu sie wollen, zu verwenden pflegen, [S. 404] der Ruhm zukomme, wird uns auch durch die heilige Schrift selbst klar werden. Denn es sagt irgendwo Gott, die werkzeugliche Hilfe als unnütz verlachend:2 „Es wird doch nicht die Axt sich rühmen ohne Den, der mit ihr haut? Oder wird die Säge sich erheben ohne Den, der sie zieht?“ Mithin, was seine eigene Natur anlangt, wird er für Nichts gehalten werden, obwohl „Gott war das Wort“, da er keine natürliche Thätigkeit hat und gleichsam unbeseelten Werkzeugen ähnlich ist und dem Willen des Bewegers unterliegt. Wenn er aber eine solche Natur hat (denn so beliebt es den Gegnern, zu schwätzen), warum lockt3 er uns [lobt er sich?] mit überschwenglichen Worten, da er sagt:4 „Mein Vater wirket bis jetzt, und auch ich wirke“? Und ausserdem schmückte er selbst ganz klar und deutlich seine eigene Natur mit den gleichen Ehren, da er offen ausrief:5 „Denn gleichwie der Vater die Todten erweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.“ Und doch wie wäre es nicht leicht ersichtlich und von aller Lüge frei, daß er überhaupt keine eigene Thätigkeit, nicht einmal auf der Zunge, habe, sondern die Vollbringung aller Thaten Gott dem Vater allein zuschreibe, wenn er sagen würde: „Mein Vater wirket bis jetzt, und auch ich wirke, durch mich und in mir, und macht auch lebendig, welche er will“? Allein Das sagt er nicht, sondern indem er gleichsam besonders auch den eigenen Kräften es zuschreibt, [S. 405] ungehindert zu thun, was er vollbringen will, nicht weniger als der Vater, hat er klar gezeigt, daß er, als aus der Wesenheit Gottes des Vaters entsprungen und selbstständig für sich existirend, von Natur aus die in jeder Hinsicht gleiche Macht und gleiche Wirksamkeit mit sich führe. Denn nicht werden wir, das sehr weit Abstehende und Hocherhabene nach uns beurtheilend, zugeben, die in Gott gedachte Kraft, das heißt der Sohn, sei an sich selber ohne eigene Existenz. Denn sie ist, sie ist lebendig und selbstständig, auf unaussprechliche Weise wie aus einer Quelle aus dem eigenen Vater entsprungen und mit den Vollkommenheiten der Gottheit nicht in übertragener Weise, sondern vielmehr wesenhaft ausgezeichnet.

B. Du hast recht.
[Bearb.RH: corr.: Diese Antwort kommt von B. [„B: recte dicis‟: s. Migne PG 075 (08-00) 1054 C], sodass der folgende Beitrag von A., nicht von B. kommt.]

A. Darum sprach auch der göttliche Moses:6 „Im Anfange schuf Gott den Himmel und die Erde.“ Wohl wissend aber, daß die Macht aus und in Gott, das heißt der Sohn, Gott nicht fremd sei, sprach der große David:7 „Durch das Wort des Herrn sind die Himmel befestigt worden und durch den Odem seines Mundes alle Macht derselben.“ Sollte nicht, sag’ mir, das aus und in Gott dem Vater seiende Wort als von ihm unterschieden gedacht werden, ich meine dem eigenen hypostatischen [selbstständigen] Sein nach?

B. Unterschieden gewiß; denn es subsistirt für sich, wenn es auch wesensgleich ist.

1: Ps. 103, 4 [hebr. Ps. 104, 4].
2: Is. 10, 15.
3: Κατακροτεῖν [Katakrotein] heißt loben, beklatschen, aber nicht: zum Lobe anreizen (ad laudandum excitare), wie es die lateinische Uebersetzung faßt. Κατακροτεῖ [Katakrotei] gibt also hier gar keinen Sinn; κατακρατεῖ [katakratei] gäbe wohl einen, aber dazu paßt der dabei stehende Akkusativ ἡμᾶς [hēmas] nicht. Dagegen kann κατακρούει [katakrouei] wenigstens den Sinn von „anlocken“ haben. Noch besser wäre es freilich, wenn es statt ἡμᾶς κατακροτεῖ [hēmas katakrotei] hieße ἑαυτὸν κατακροτεῖ [heauton katakrotei], warum lobt er sich? Aber ἑαυτὸν [heauton] statt ἡμᾶς [hēmas] lediglich aus innern Gründen zu lesen geht doch nicht an.
4: Joh. 5, 17.
5: Joh. 5, 21.
6: Gen. 1, 1.
7: Ps. 32, 6. [hebr. Ps. 33, 6].

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Cyrills Leben und Schriften
Bilder Vorlage

Navigation
. Vorwort.
. Erstes Gespräch. Daß...
. Zweites Gespräch Daß...
. Drittes Gespräch. ...
. Viertes Gespräch. ...
. Fünftes Gespräch. ...
. Sechstes Gespräch. ...
. . Mehr
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . 24.
. Siebentes Gespräch. ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger