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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

17.

A. Schau’ also, wie in der gegenwärtigen Zeit, wo das Verderben noch Macht hat und die Sünde noch nicht gänzlich vertilgt ist und der böse und trugvolle Drache [Schlange] noch über die Ungläubigen herrscht, die Macht Gottes gewissermaßen getheilt ist und gleichsam schwankt, da Diejenigen das Joch noch von sich abschütteln, welche dem Trug der Dämonen und diesem gottlosen und weltlichen Leben noch nicht entsagt haben; wenn aber die Zeit herankommt, in welcher der Tod kraftlos sein, die Macht der Sünde dahinsinken und auch die Habsucht des Teufels gänzlich vertilgt sein wird, so stellt der Sohn die Herrschaft als rein dar und übergibt unvermischt mit dem Bösen das Reich Gott dem Vater. Denn er allein wird über uns herrschen durch ihn und mit ihm. Die Erfüllung der Heilsordnung also und die Vollbringung des ganzen Mysteriums bezeichnete der vom Geiste Erfüllte mit dem Namen der Übergabe. Denn nachdem der Sohn das von Anderen gleichsam innegehabte Reich Gottes auch von den dazwischen Eingedrungenen befreit hat, bringt er es dem Vater dar und übergibt es ihm, ohne selbst von der Herrschaft abzutreten; denn er wird gewiß zugleich mit seinem Erzeuger herrschen, als dessen lebendige und selbstständige [persönliche] Kraft, die er ist, er auch alles Dieses vollbracht zu haben mit Recht gedacht wird. Daß aber das Reich Christi unaufhörlich ist, wenn auch gesagt wird, er habe es der Menschheit nach empfangen, kann man auch daraus ersehen, was uns der göttliche Daniel geschrieben hat, der den Eingebornen gewissermaßen schon in menschlicher Form und Gestalt schaute. [S. 400] Er sagt aber so:1 „Und in den Tagen jener Reiche wird Gott ein Reich des Himmels aufrichten, welches in Ewigkeit nicht vergehen wird, und sein Reich wird keinem anderen Volke überlassen werden. Er wird alle Reiche mindern und worfeln, und dieses wird bestehen in Ewigkeit.“ Und wieder sagt er:2 „Ich sah im Gesichte der Nacht, und sieh’, mit den Wolken des Himmels kam Einer wie ein Menschensohn, und er kam bis zum Alten der Tage und wurde vor ihn gebracht, und es wurde ihm gegeben die Herrschaft und die Ehre und das Reich, und alle Völker, Stämme und Zungen werden ihm dienen. Seine Macht ist eine ewige Macht, die nicht vorübergehen wird, und sein Reich wird nicht untergehen.“

B. Klar und untrüglich ist der Beweis für das Gesagte.

A. Aber, o Trefflicher, laß den Schweiß [bemühe dich nicht weiter] in Bezug auf Dieses; es ist ja klar, daß der Eingeborne, was seine Herrschaft und Herrlichkeit betrifft, in unerschütterter Dauer verharren und sich immer gleich bleiben wird, die Umwandlung in Anderes von sich weisend. Denn er kann keineswegs etwas zu kränken Geeignetes erleiden, da er eine hohe und erhabene und leidensfreie Natur hat. Da uns aber ausserdem, was ich sagte, noch eine andere, zwar unverständige, jedoch nicht unrauhe Rede der Gegner verhöhnt, so spanne gegen sie der Spanner seinen Bogen, wie der Prophet sagt,3 und rüste sich, wer sich rüstet, mit seinem Schwerte, das heißt seinen Waffen!

B. Wie du wohl wissen sollst, wirst du uns von einer herben Sorge befreien, wenn du diesen Weg gehst und die Untersuchung dahin führst. Sie sagen also: Der zugleich mit dem Vater thront, nach euch, und ein göttliches Scepter [S. 401] hat, warum verkünden von ihm die heiligen Schriften nicht, daß er auch eine eigene Macht besitze? Denn daß er die Macht, zu wirken, vom Vater habe, kann man auch aus den eigenen Worten des Heilandes sehen und lernen. Er sagt nämlich:4 „Wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann Nichts von sich selber thun, wenn er es nicht den Vater thun sieht. Denn was jener thut, Das thut auch der Sohn auf gleiche Weise;“ und wieder:5 „Von mir selbst thue ich Nichts; der Vater aber, der in mir wohnt, der thut die Werke.“

A. Daß also der aus Gott dem Vater entsprungene Sohn in der That der göttlichen Macht entbehre und kraftlos sei, wahrsagt die Rede der Gegner, zu denen mit Recht sowohl von uns als auch von Christus selbst gesagt werden kann:6 „Ihr irret, weil ihr die Schrift nicht kennet noch auch die Kraft Gottes.“ Denn wie er Bild des Vaters und Weisheit und Herrlichkeit und Abglanz und Ebenbild ist, so wird er auch als dessen Macht gedacht, durch welche er zu Allem, was immer geschieht, wirksam war und ist und sein wird. Denn „Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn ist Nichts geworden.“7 Denn wie die einer Handwerkerkunst Verständigen, Erzbildner zum Beispiel oder das Steinhauergewerbe nicht ohne Bewunderung Betreibende, nicht anders ihre Kunstwerke machen als durch ihre eigene Hand und die ihnen inwohnende Übung und Geschicklichkeit zu den Werken, auf dieselbe Weise, glaube ich, wird Gott der Vater die schöpferische Thätigkeit in Dem, was er will, durch den Sohn als durch seine eigene Macht vollbringen. Und darum fleht der göttliche David, wohl wissend, daß die lebendige und subsistirende Thätigkeit und Macht des Vaters der Sohn sei, mit den Worten:8 „Befiehl, o Gott, deiner Macht; bekräftige, o Gott, Das, was du unter uns [S. 402] gewirkt hast!“ Der hochweise Paulus aber nennt deutlich Christum Gottes Macht und Gottes Weisheit.

B. Auch sie selbst werden nicht sagen, der Sohn sei unmächtig, aber auch nicht, er habe die Macht gleich den Propheten und Aposteln in der Zeit aus Gnade erlangt, sondern er empfange vielmehr zugleich mit der Existenz selbst die Macht, Alles zu vollbringen.

1: Dan. 2, 44.
2: Dan. 7, 13.
3: Ps. 57, 8 [hebr. Ps. 58, 8].
4: Joh. 5, 19.
5: Joh. 14, 30.
6: Mark. 12, 24.
7: Joh. 1, 3.
8: Ps. 67, 29 [hebr. Ps. 68, 29].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger