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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

16.

A. Ist für den Eingebornen nicht die Zeit besser, in welcher Einige widerstehen und es zurückweisen, sich [S. 397] unterwerfen zu sollen, als jene, in welcher er von der Herrschaft abtreten muß, während die Feinde vor ihm hinfallen und die auf Krieg Bedachten bereits sich unterwerfen?

B. Es scheint.

A. Ich möchte aber dem Gesagten ohne Scheu auch Dieses beifügen. Den Umsturz des Reiches des Sohnes bewirkt, wie es scheint, der Vater, der ihm seine Feinde unterwirft und seine Hasser in die Flucht schlägt; so nämlich sagt er durch die Stimme Davids.1 Es wird sich aber auch herausstellen, daß wohl der Sohn selbst nicht wußte, wodurch er eine lange und unerschütterte Herrlichkeit behaupten könnte. Denn sonst hätte er nicht geglaubt, Denen, die noch zur Zügellosigkeit sich entfernten und aus Halsstarrigkeit des Charakters die Unterwerfung im Glauben nicht zuließen, menschenfreundlich zurufen zu sollen:2 „Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken! Nehmet mein Joch auf euch!“ Ist Das nicht die Sprache eines Solchen, mein Guter, der seine Herrschaft und Herrlichkeit zum Ende jagt, wenn er im Begriffe ist, künftig über keine Unterthanen mehr zu herrschen?

B. So ist es.

A. Ich möchte aber sagen, daß auch der Vater selbst gelogen haben dürfte, da er zu dem Mensch gewordenen Sohne sprach:3 „Verlange von mir, und ich werde dir Völker zum Erbtheil geben und zu deinem Besitzthum die Grenzen der Erde!“ Denn wo noch kann man das Erbe des Sohnes denken, wenn es dem Vater übergeben wird? Wo aber wird das „Besitzthum“ den ihm zukommenden Begriff bewahren, wenn das Geschenkte verloren geht und, während es gut gegründet werden sollte, unerwartet gleichsam den Fall erleidet?

[S. 398] B. Genügend, sage ich, sei nun und nicht unwacker der Widerstand. Komm’ aber übrigens bereitwillig auch auf Das, was, wie ich glaube, dem Gesagten noch fehlt! Denn ich kann wahrhaftig nicht verstehen, wann denn Das ist, daß das Reich vom Sohne Gott dem Vater übergeben werde.

A. Wirst du denn nicht auch selbst sagen, o Trefflicher, daß die schwer bekämpfbare Sünde herrschte und Verderbniß und Tod über uns Gewalt hatte und die Hölle ihre Seele ausdehnte und unaufhörlich ihren Rachen öffnete, wie geschrieben steht?4

B. Ja; denn es ist sehr klar, daß es sich auch so verhält.

A. Wie aber? Sind nicht diese Weltbeherrscher Geister der Bosheit und der Anführer ihrer Schaar, da sie die ganze Welt gleichsam unter ihren Füßen hatten, — er selbst Gott dieser Welt, jene aber Mächte und Gewalten und Herren und ausserdem noch Fürsten der Welt genannt?

B. Jawohl.

A. Aber um alle Diese in’s Nichts hinabzustoßen und gänzlich zu vertilgen, erschien der Sohn, damit, nach Vertreibung der früheren Herrscher von ihrer Tyrannei über uns, die Macht Gottes rein aufleuchte und die ganze Erde durchdringe, nach Ausrottung der Sünde durch den Glauben, nach Überwindung der Gewalthaber und ihrer Mächte durch das kostbare Kreuz und nach Niederwerfung auch des Todes durch seine Auferstehung von den Todten. Indem also der Vater seiner eigenen Macht, das heißt dem Sohne, alles Dieß zu vollbringen überließ, erneuerte er die Welt und brachte den zum Ausreisser gewordenen Menschen in den ursprünglichen Zustand zurück. Darum sprach auch [S. 399] der Sohn zu ihm:5 „Ich habe dich verherrlicht auf Erden, das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, daß ich es thun soll.“

B. Ganz richtig.

1: Ps. 88, 24 [hebr. Ps. 89, 24].
2: Matth. 11, 28.
3: Ps. 2, 8 [hebr. Ps. 2, 8].
4: Is. 5, 14.
5: Joh. 17, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger