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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

13.

A. Wie wird dann nicht Das eine Lüge und ein leeres Gerede sein, wenn Gott der Vater deutlich erklärt:1„Meine Ehre [Herrlichkeit] werde ich keinem Anderen geben“? Denn nicht verlieh er es irgend welchen Wesen und von ihm verschiedenen — durch wesenhaften Unterschied nämlich —, sich der Auszeichnungen der wahren Gottheit zu rühmen. Denn wo wäre noch die Erhabenheit derselben, wenn der Stand der gewordenen Natur so weit käme, daß sie Nichts mehr jenseits ihrer Herrlichkeit ließe? Muß man nicht nothwendig denken, jedem geschaffenen und in’s Dasein gesetzten Wesen sei Das unzugänglich und unerreichbar, was ausschließlich Gottes ist?

B. Nothwendig.

A. Wie wird dann der Sohn in den Vorzügen des Vaters prangen und nicht auf andere Weise, meine ich, als der Vater? Denn der selige Daniel, indem er uns prophetische Gesichte und Anschauungen beschreibt, läßt den „Alten der Tage“ auf einem Throne sitzen und umstellt ihn mit tausendmal tausend zum Dienst Verordneten und mit zehntausendmal zehntausend Umstehern.2 Und der göttliche Isaias sagt, den Sohn in nicht geringerer Herrlichkeit geschaut zu haben. Denn „ich sah“, sagt er,3 „den Herrn Sabaoth auf einem hohen und erhabenen Throne sitzen, und voll war das Haus von seiner Herrlichkeit. Und Seraphim standen rings um ihn; sechs Flügel hatte der eine und sechs Flügel der andere, und mit zweien bedeckten sie die Füße und mit zweien flogen sie, und einer rief dem [S. 389] anderen zu“ das am Anfange zwar mehrfache, aber in eine Einheit und eine Herrheit endende „Heilig“.4 Scheint dir demnach der Sohn die gleiche Herrlichkeit zu besitzen? Denn wo der höchste Thron ist und die gleich große Erhabenheit und das gleichsam im Kreise Herumstehen der himmlischen Mächte, welches den Rang der Knechtschaft der Geschöpfe bezeichnet und dem Sitzenden die Herrlichkeit des Herrseins bezeugt, wie hätte da noch ein Bedenken statt, oder wie wäre es zweifelhaft, daß Einer bereits gewissermaßen bis in den tiefsten Abgrund der Thorheit gerathen sei, wenn er meinte, der Sohn erfreue sich nicht der natürlichen Herrheit des Vaters?

B. Gewiß, und die Rede ist übrigens wahr.

A. Wirst du aber zugeben, mein Bester, daß wir nicht lügen, sowohl ich als du als auch ein Anderer, der diese Ansicht hat, wenn wir allzumal sagen, daß Dem, der von Natur Gott ist, die Macht über alles Gewordene zukomme, und daß Alles Gott gehöre, der Himmel und die Erde und was in beiden ist?

B. O ja!

A. In gleicher Weise also werden Gott dem Vater gehören die das selige Leben oben lebenden Engel und Erzengel und wenn über diesen noch Etwas ist; sie werden aber auch dem Sohne selbst gehören. Wisse aber, daß ich Dasselbe auch von den auf Erden Lebenden denke!

B. Du hast Recht; aber wenn den Reden auch die Beglaubigung [der Nachweis] für Jedes folgen würde, würdest du sehr wohl thun.

[S. 390] A. Es sagt also der göttliche Sänger:5 „Preiset den Herrn, all’ seine Engel, seine Diener, die seinen Willen thun,“ die heilige Schaar der Himmelsbewohner der Macht des Vaters zutheilend. Daß aber der Sohn seiner Zeit als Richter kommen werde, sagt er selber vorausverkündend:6 „Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters kommen mit seinen heiligen Engeln.“ Denn kommen wird er, kommen wird er seiner Zeit, um Jedem zu vergelten nach seinem Werke; doch sagen wir nicht, daß er mit fremden Dienern prangen und sich rühmen werde, sondern von den Heerschaaren der Engel als wahrhaftig seinen eigenen bedient.

B. Einverstanden.

A. Während aber wiederum der göttliche David singt und von Gott dem Vater sagt:7 „Kommt, laßt uns anbeten und niederfallen vor ihm und weinen vor dem Herrn, der uns gemacht hat, denn er ist unser Gott, wir aber das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand,“ erklärt die vernunftbegabten Heerden in dieser Welt der Sohn für seine eigenen, indem er bald von den gläubig gewordenen Israeliten sagt:8 „Meine Schafe hören meine Stimme,“ bald aber wieder von den noch nicht Gläubigen:9 „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Schafstalle sind.“ Es wäre uns also leicht, aus unzählig vielen Stellen zu beweisen, daß es vom Sohne wegen des Menschlichen heißt, er sei vom Vater verherrlicht worden, obwohl er Herr der Herrlichkeit ist und immer zugleich mit dem Vater sitzt und thront. Es wird aber auch ganz mit Recht [S. 391] eine unentrinnbare Anklage und eine unaustilgbare Schmach für Diejenigen sein, welche ihn mit einer hinzugefügten Herrlichkeit umgeben und sagen, die Herrschaft über Alles sei ihm übertragen worden.

1: Is. 42, 8.
2: Dan. 7, 9.
3: Is. 6, 1—3.
4: Τὸν ἐν περιττῷ μὲν ἐν ἀρχῇ, καταλήγοντα δὲ εἰς ἑνάδα καὶ εἰς κυριότητα μίαν, ἁγιασμόν [Ton en perittō men en archē, katalēgonta de eis enada kai eis kyriotēta mian, hagiasmon]. Der ἁγιασμός [hagiasmos] ist hier nichts Anderes als der Ruf: Heilig, heilig, heilig; dieser Ruf ist ἐν περιττᾷ [en peritta], in mehrfacher und ungerader Zahl, sich beziehend auf die drei Personen; es wird aber doch zuletzt nur ein Herr genannt: „ist der Herr.“
5: Ps. 102, 20 [hebr. Ps. 103, 20].
6: Matth. 16, 27.
7: Ps. 94, 6 [hebr. Ps. 95, 6].
8: Joh. 10, 27. — Der Text Πατρὶ τῶν ἐξ Ἰσραὴλ πεπιστευκότων [Patri tōn ex Israēl pepisteukotōn] dürfte kaum richtig sein, obwohl auch die lateinische Übersetzung patri dicens hat; statt πατρὶ [patri] ist vielleicht zu lesen περὶ [peri].
9: Joh. 10, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger