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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

11.

A. Und es wird doch ganz geringer Mühe bedürfen, daß du die Aussprüche der Heiligen sammelst. Im Briefe an die Ephesier nämlich sagt Paulus:1 „Darum auch, da [S. 383] ich eueren Glauben an Jesus Christus vernahm und euere Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, Dank zu sagen für euch, euer eingedenk in meinen Gebeten, daß der Gott unseres Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, euch verleihe den Geist der Weisheit und der Offenbarung in Erkenntniß seiner.“ Siehst du also, daß er Gott den Vater Christi und gleich darauf den Vater der Herrlichkeit nannte, indem er Christum als nichts Anderes darstellte denn als die Herrlichkeit des Vaters? Er sagt aber wieder:2 „Wir alle aber, enthüllten Angesichtes in der Herrlichkeit des Herrn uns spiegelnd, werden in dasselbe Bild umgestaltet von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie vom Geiste des Herrn;“ „hinblickend auf Jesum, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens,“3 welcher ist die Herrlichkeit Dessen, der von Natur und in Wahrheit Herr ist, nämlich des Vaters, werden wir nach ihm gestaltet durch die Heiligung im Geiste. Petrus aber, der doch hervorragt unter den Jüngern, spricht zu Denen, die aus der Beschneidung zur Rechtfertigung in Christo durch den Glauben kamen, und sagt:4 „Da uns Alles, was zum Leben und zur Gottseligkeit dient, seine göttliche Macht geschenkt hat, durch die Erkenntniß Dessen, der uns berufen hat in seiner Herrlichkeit und Kraft.“ Wenn also die eigene Herrlichkeit des Vaters der Sohn ist, durch den wir zu seiner Erkenntniß berufen sind, wer wagt es, zu sagen, daß es der Herrlichkeit des Vaters geschenkt und verliehen sei, Das zu sein, was sie ist? Denn wer verklärt die Herrlichkeit des Vaters durch eine andere Herrlichkeit? Oder stellst du Das nicht Dem gleich, daß auch Andere auftreten und zu sagen sich erkühnen, die Weisheit des Vaters werde durch Etwas weise gemacht, und die von Natur ihm inwohnende Kraft, das ist der Sohn, habe Das, daß sie Macht ist, von einem Anderen bekommen und habe den Ruhm und die Weisheit wo andersher? Würden denn nicht die Gegner, wenn sie uns durch dergleichen Reden [S. 384] bezauberten, uns zu allen möglichen Verkehrtheiten hinreissen? Wenn nun das Gesagte hinreicht zum klaren Beweise, der Sohn sei die eigene Herrlichkeit des Vaters, so ist es gut, und ich werde schweigen. Wenn ich aber glaube, es seien dir noch andere Zeugnisse nöthig, so werde ich den göttlichen Sänger vorführen, welcher im Namen der durch den Glauben Gerechtfertigten zu dem Gott und Vater Aller sagt:5 „Ich aber werde in Gerechtigkeit erscheinen vor deinem Angesichte; ich werde gesättiget werden, wenn deine Herrlichkeit mir erscheint.“ Denn das Angesicht und Bild des Vaters und das Ebenbild seiner Wesenheit — wer sonst ist es als das aus ihm hervorgehende Wort, durch welches er auch von den Menschen auf Erden erkannt wird, gleichsam Alles bestrahlend mit seiner Herrlichkeit? Darum sprach er auch einst zu dem hochweisen Moses:6 „Aber ich lebe, und mein Name ist „der Lebendige“, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllt die ganze Erde.“ Erfüllt nämlich ist Alles von Christus; er erschien uns aber in ihm. Und Dieses wohl wissend sagt wieder der göttliche David:7 „Der Herr hat Sion erbaut und wird erscheinen in seiner Herrlichkeit.“ Er erschien uns nämlich im Sohne, der deutlich sagt:8 „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“

B. Es folgt also, wenn in der That der Sohn die eigene Herrlichkeit Gottes des Vaters ist, daß er von Natur aus Herr sein muß über Alles und König, nicht anders, als wie auch der Vater selbst es ist. Und warum dann sagt er wieder durch die Stimme des Psalmisten:9 „Ich aber bin von ihm als König aufgestellt“? Daß er aber zum Herrn und König gemacht worden sei vom Vater, hat uns deutlich der weise Jünger bezeugt.

A. Möchtest du nun, lieber Freund, ohne Zögern willig antworten, wenn ich dich Etwas fragen wollte?

[S. 385] B. Wie denn nicht?

A. Was zur Herrschaft gerufen wurde und ungewohnter Weise dazu gelangte, muß man von Dem nicht denken, es sei einmal nicht Herr gewesen? Denn Nichts wird aus Dem, daß es Das ist, was es ist, wie zu etwas Anderem wieder zu demselben übergehen.

B. Allerdings nicht.

A. Wann also sagen sie, daß der Sohn zur Herrschaft erhoben worden sei, als Einer, der, bevor er dazu gelangte, der Ehre und Herrlichkeit des Herrseins noch entbehrte? Denn Das müssen sie auch wider Willen sagen.

B. Wie nun, wenn sie sagen: Schon vor der Menschwerdung?

1: Ephes. 1, 15—17.
2: II. Kor. 3, 18.
3: Hebr. 12, 2.
4: II. Petr. 1, 3.
5: Ps. 16, 15 [hebr. Ps. 17, 15].
6: Num. 14, 21.
7: Ps. 101, 17 [hebr. Ps. 102, 17].
8: Joh. 14, 9.
9: Ps. 2, 6 [hebr. Ps. 2, 6].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger