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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Sechstes Gespräch. Daß die Eigenschaften der Menschheit und das, was nicht ganz Gottes würdig vom Sohne gesagt ist, vielmehr der Menschwerdung zukommen und nicht der Natur des Sohnes an sich, sofern er als Gott gedacht ist und es ist.

2.

A. In der That, lieber Freund, du kannst frei sagen, was dir gut scheint. Wir aber sind nicht säumig, und fern sei jede Zögerung, da die Zeit uns treibt, auch jetzt die Lehrsätze der Wahrheit vertheidigen wollen zu sollen! Es mahnt uns aber, bereitwillig Das zu thun, auch der heilige Petrus, der also spricht:1 „Seid immer bereit zur Vertheidigung Jedem gegenüber, der euch zur Rede stellt über euere Hoffnung!“ Denn welches sonst ist unsere Hoffnung als unser Herr Jesus Christus?

B. Wisse denn, daß sie gewiß und jedenfalls Dieses sagen werden, daß der Sohn in Ansehung der Natur Gott dem Vater nie gleich oder ähnlich sein könne, da er ja von ihm geheiligt und erhöht und verklärt und (wie es heißt) gestärkt wird. Denn daß er auch mit uns angebetet und den Tag der Vollendung nicht zu wissen bekannt hat, sind wir bereit aus den heiligen Schriften selbst zu beweisen. Die Aussprüche und Belege aber für jede dieser Behauptungen aus der heiligen Schrift will ich dir gleich vorlegen, wenn es dir beliebt.

A. Fürwahr, ich glaubte den Kampf schon an mir vorüber; er ist aber noch in der Blüthe und hat gleichsam einen vollen Anmarsch. Da ich mich aber in meiner Hoffnung täuschte und neuerdings schwitzen soll (denn haufenweis kommen uns die Streitfragen der Thorheit der Gegner daher), wohlan denn, abermals Jedem besonders die wahre und tadellose Lehre entgegenführend wollen wir sie überführen, daß sie das Geheimniß Christi nicht kennen!

[S. 360] B. Nun bin ich sogar sehr bereit, selbst zu gehen, wohin du willst. Denn nicht anders als so können wir auch in gehöriger Ordnung die Untersuchung über jedes Einzelne zuwege bringen. Daß nun, sagen sie, der Sohn der Heiligung theilhaftig ist, wird der heilige Paulus klar machen, der von ihm schreibt:2 „Denn der heiliget und die geheiligt werden, sind Alle von Einem; darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen, da er sagt: Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden.“ Und auch der weise Johannes [der Täufer] sagt, er habe den Geist auf ihn herabsteigen sehen wie eine Taube.3 Und ausserdem sprach auch der Sohn selbst, die Juden anredend:4 „Steht nicht in euerem Gesetze geschrieben: Ich habe gesagt, ihr seid Götter? Wenn er nun Diejenigen Götter nannte, an welche das Wort Gottes ergangen ist, und die Schrift nicht gelöst werden kann, wie saget ihr zu Dem, den der Vater geheiliget und in die Welt gesandt hat: Du lästerst, weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?“ Unzählige noch andere Stellen aber könnte Einer, und ganz ohne Mühe, dem Gesagten beifügen, woraus man ersehen kann, daß der Sohn vom Vater geheiligt wurde.

A. Und wie man etwa die Art der Heiligung zu verstehen habe, wenn sie auch dem Eingebornen selbst zugeschrieben wird, möchte ich dich sehr gerne sagen hören; denn ein sehr großer Unterschied der Sache ist in der heiligen Schrift ersichtlich. Von Einigen nämlich heißt es, sie werden geheiliget, nämlich in der Vorsehung Gottes, der vorherweiß, daß sie durch Führung eines löblichen und gesetzmäßigen Lebens tauglich sein würden, auch den heiligen Geist empfangen zu sollen, dergleichen Die sind, von welchen der weise Paulus schreibt:5 „Die er vorherwußte, die hat er auch vorherbestimmt, gleichförmig zu sein dem Bilde [S. 361] seines Sohnes, damit er der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmte, die hat er auch berufen.“ Es sprach aber Gott auch zu dem höchst weisen Jeremias:6 „Bevor ich dich gebildet habe im Mutterschooße, kannte ich dich, und bevor du aus der Mutter kamst, habe ich dich geheiligt.“ Andere aber auch wieder werden geheiligt, obwohl sie den wahren Gott nicht erkannten; aber bei Diesen bedeutet die Heiligung nicht ein Verhältniß und eine Gemeinschaft mit dem göttlichen und heiligen Geiste, sondern gleichsam eine Anweisung und Anleitung, Das erfüllen zu sollen, was Gott will. Wenigstens von Cyrus und den Medern, die im Begriffe waren, Babylon mit Gewalt zu nehmen, und vom göttlichen Zorne dazu herbeigeführt waren, sagt er:7 „Riesen werden kommen, meinen Zorn zu erfüllen, voll Freude und Übermuth.“ Er sprach aber: „Sie sind geheiligt und ich führe sie.“ Zu dem Propheten Aggäus [= Proph. Haggai] aber spricht Gott:8 „Wenn aber ein Mensch heiliges Fleisch nimmt,‟ indem er, glaube ich, das zubereitete und zum Wohlgeruche für Gott geweihte, tadellose Opfer heiliges Fleisch nennt. Heilig nennen wir aber auch die in Wahrheit durch den heiligen Geist Geheiligten und so der göttlichen Natur theilhaftig Gemachten. Auf welche Weise nun werden sie meinen, daß der Sohn geheiligt worden sei, da mit seiner Heiligung, von der er spricht, nothwendig auch seine Sendung in diese Welt verbunden ist? Denn so sprach Christus: „Den der Vater geheiligt und in diese Welt gesandt hat.“ Denn die Verbindung von Beidem, glaube ich, wird als nicht undienlich zum richtigen Verständniß erkannt. Denn es heißt, als er ihn sandte, habe der Vater den Sohn geheiligt, und nicht vor der Sendung.

B. Er sei geheiligt, sagen sie, vom Vater.

A. Heiligt aber der Vater anders als durch den heiligen Geist?

[S. 362] B. Ja, durch den heiligen Geist; was denn?

1: I. Petr. 3, 15.
2: Hebr. 2, 11.
3: Joh. 1, 32.
4: Joh. 10, 34—36.
5: Röm. 8, 29.
6: Jer. 1, 5.
7: Is. 13, 3.
8: Os. 2, 13 [= Hosea] [corr.: Haggai 2, 13 [hebr. Haggai 2, 12]].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger