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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)

Fünftes Gespräch. Daß die Eigenschaften und die Herrlichkeit der Gottheit von Natur aus im Sohne sind wie auch im Vater.

1.

[S. 292] A. Wohlan; aus der ganzen wahrscheinlichen und folgerichtigen Rede wird uns hervorgehen, daß der Sohn nicht später geboren sei und ihm nicht die Makel der Geschöpflichkeit unausweichlich anklebe, sondern daß wir vielmehr bekennen, er sei aus der Wesenheit des Vaters selber entsprungen, wahrer Gott aus dem wahren Gott, in erhabener und überschwenglicher Herrlichkeit und durch unermeßliche und unvergleichliche Hoheit die Natur alles Gewordenen überragend, und er sei ebenso erhaben, als man Dieses vom Vater selbst denkt.

B. Einverstanden; du denkst ja richtig. Übrigens, wenn es dir lieb ist, will ich wieder Etwas fragen.

A. Ja freilich, mein Freund, bin ich gerne und ohne Säumen bereit, den die Wahrheit verwirrenden Reden tapfer entgegenzutreten. Denn der Sanfte sei auch ein Kämpfer, wie das heilige Wort uns zuruft; du aber vollführe [S. 293] dein Vorhaben, eingedenk der Schriftstelle:1 „Melke die Milch, und sie wird Butter werden!“

B. Wisse also, daß, wenn die Gegner dich den Sohn als wahren und dem Vater wesensgleichen Gott benennen hören, sie sogleich sagen werden: Wenn er, nach dir, Das ist, o Vortrefflichster, wie geziemt es ihm dann nicht vielmehr, sich eigener Güter rühmen und nicht durch die verliehenen glänzen zu sollen? Denn der wahre Gott ist aus sich selbst ganz vollendet, vollkommen und keines von denjenigen Dingen, glaube ich, bedürftig, die einer solchen Natur zukommen.

A. Was sagst du? Wie frech ist die Rede und unerträglich darauf bedacht, zu kränken! Sag’ aber dennoch offen, auf welche Weise der rohe Haufe der Verkehrten uns eine Menge so maßloser Lästerungen ersonnen hat!

B. Wenn der Sohn, sagen sie, wahrer und mit dem Vater wesensgleicher Gott ist, so soll er von Haus aus Das haben, wodurch er Gott ist, und sich vielmehr eigener Vorzüge als derer rühmen, die er vom Vater hat. Denn was man sieht, daß er habe, Das ist vom Vater und eine Gabe Gottes. Denn er lebe, sagt er, durch den Vater, und wird geehrt und geheiligt von ihm, und er lebte am dritten Tage wieder auf durch die Macht des Vaters, und selbst den Namen der Gottheit besitzt er theilnahmsweise und betet mit uns den Vater an und unterwirft sich ihm und empfängt Reich und Macht (von ihm). Das haben uns ja auch die heiligen Schriften überliefert.

A. Ach, o Hermias, wie groß und arg ist die Zahl der Lästerungen, die gleichsam rings umgebend die Wahrheit schamlos anbellt! Und es ist Zeit, wie es scheint, daß auch wir mit der Waffenrüstung Gottes uns umgeben und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes, [S. 294] mannhaft ziehen,2 ohne Furcht, wenn sie uns auch mit noch schändlicheren und roheren Reden angreifen. Allein wenn die Erwägungen durch einander und nicht in Ordnung dahingehen, so kann uns leicht die Rede von Diesem zu Jenem abgleiten und wieder von Jenem zu Diesem und die Einsicht in Jedes formlos und unklar machen. Sie wird aber sehr wohl das Wahre und Unverwerfliche darthun, wenn sie die Untersuchung über jede der Lästerungen geschieden und gesondert anstellt. Wohlan denn also, laß uns mit Unterscheidung und gesondert und in Ordnung reden! Zuvor aber möchte ich dich um Dieses fragen, ob sie die Stimmen der Gottesmänner als wahr und richtig in Ehren halten oder höchst unverständig sie verwerfen und für Nichts achten.

B. Sie werden sagen, glaub’ ich, sie seien truglos.

1: Sprüchw. 30, 33.
2: Vgl. Ephes. 6, 13 u. 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger