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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)

Viertes Gespräch. Daß der Sohn kein Geschöpf und Gebilde sei.

1.

[S. 228] A. Wer also den in der unaussprechlichen Geburt aus Gott geborenen Gott nicht in der Ehre des Sohnes von Natur sein läßt, sondern ihn für geworden und gemacht erklärt, verdient Der nicht die Strafe, die über Jene, welche die Ehre Gottes zu verhöhnen pflegen, verhängt ist gemäß jener Bestimmung der heiligen Schrift:1 „Ein Mensch, der seinem Gotte flucht, wird Sünde auf sich laden; wer aber den Namen des Herrn (eitel) nennt, soll des Todes sterben; mit Steinen steinigen soll ihn die ganze Gemeinde; sei er nun ein Proselyt oder ein Eingeborner, wenn er den Namen des Herrn (eitel) genannt hat, soll er sterben“?

B. Ich glaube nicht, daß er Dem entrinne, daß er nicht durchaus und gewiß der ihm gebührenden Strafe schuldig sei.

A. Es ist also gut, o Hermias, sich durch die losen Reden Anderer nicht bewegen zu lassen, da sie uns zu [S. 229] falschen Ansichten verführen, die Reden der Gottesmänner aber zur richtigen und unverkehrten Richtschnur des Glaubens zu nehmen. Denn es geziemt sich, daß wir nicht lieber Anderen als eben Diesen zuklatschen und sagen:2 „Nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Geist eueres Vaters ist es, der in euch redet.“

B. Ganz richtig.

A. Jene (Gottesmänner) also lehren keineswegs als geworden oder geschaffen das eingeborne Wort Gottes anzubeten, sondern erklären es für eine zugleich existirende und gleichewige Frucht der Wesenheit des Erzeugers und nennen es Sohn und wahrhaftigen Gott und ewiges Leben. Und wenigstens unser göttlicher Lehrer Johannes sagt:3 „Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns einen Sinn gegeben hat, damit wir den wahren Gott erkennen, und wir sind in dem wahren in seinem Sohne Jesus Christus. Dieser ist der wahre Gott und ewiges Leben.“ Aber wenn, o Guter, der Sohn sowohl wahrer Gott ist als ewiges Leben, aber doch nicht entrinnt, ein Geschöpf und Werk zu sein, obwohl er die so herrliche Natur besitzt, wird dann jene Benennung nicht etwa auch selbst die Wesenheit Gottes des Vaters beschimpfen?

B. Wie so?

A. Ist denn nicht auch er wahrer Gott genannt und belebt Alles, da er Leben ist von Natur? Denn „in ihm leben wir, bewegen uns und sind wir,“ wie auch ein weiser Ausspruch sagt.4

B. Jawohl.

A. Es gehe also die Lästerrede ohne Weiteres auch auf ihn los, und man nenne ihn „geworden“! Denn Nichts [S. 230] hindert Das, glaube ich, und steht im Wege, wenn die wahre Gottheit einmal im Sohne es erduldet, zu dem Gewordenen zu gehören, und das ewige Leben ich weiß nicht wie davon herabgeworfen ist, das Leben zu sein, und vermischt mit den anderen Geschöpfen gleichsam aus Nothwendigkeit eine durch die Zeit gemessene Existenz angenommen hat. Denn das Gewordene ist nicht anfangslos und älter als alle Zeit.

B. Wie arg, o Freund, ist die Sache und unvermeidlich in der That die Anklage auf Gottlosigkeit!

A. Leicht zu vermeiden ist sie; denn wenn man will, kann man leicht entrinnen und die verderbliche und pestartige Rede der Gegner zurückweisen, wenn man fromm den Stimmen der Heiligen die Oberhand einräumt. Denn sie haben Gott keineswegs als Schöpfer des Eingebornen, sondern vielmehr als erzeugenden Vater verkündet, sie, die auch als Licht der Welt gesetzt sind von Dem, dem seine eigene Natur nicht unbekannt war, nämlich Christo. Denn er sprach zu ihnen:5 „Ihr seid das Licht der Welt.“ Und indem er sie auch als irrthumslose und wahre Lehrer aufstellte, sprach er:6 „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes!“ Wo aber in Wahrheit ein Vater ist und eine Zeugung und auch ein Sohn, der die Ehre der Sohnschaft nicht durch Adoption hat, sondern wesenhaft und aus dem Vater, wo hat da die Verläumdung Platz, daß er gemacht sei?

B. Nirgends, wie ich glaube.

1: Levit. 24, 15.
2: Matth. 10, 20.
3: I. Joh. 5, 19.
4: Apostelg. 17, 28.
5: Matth. 5, 14.
6: Matth. 28, 19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger